Mit Giuseppe Atzeni wird an diesem Sonntag beim Großen Pfingstpreis in Forst eine Legende des Stehersports verabschiedet. Der inzwischen 41-jährige Schweizer hat drei Mal den Europameistertitel in dieser Radsport-Disziplin gewonnen. Auch die beiden Lokalma­tadore Franz Schiewer (28) und Stefan Schäfer (33) sind schon seit Jahren hinter der Rolle der Schrittmachermaschinen unterwegs.

Aber was kommt nach dieser ­­Generation?  Forst war und ist eine Steher-Hochburg. Und das soll nach dem Willen der Verantwortlichen beim PSV Forst auch so bleiben. Deshalb setzt man in der Rosenstadt noch stärker auf den Nachwuchs. „Wir machen in diesem Jahr eine Neuausrichtung hin zu den jüngeren Fahrern“, sagt Marcel Möbus als Sportlicher Leiter der Forster Radsporttage am Pfingstwochenende.

In der Tat ist das Starterfeld für den Derny-Cup am Samstag in der Innenstadt so jung wie noch nie. Mit Jonas Onnecken (18) vom gastgebenden PSV Forst sowie Philipp Weber und Nicolas Brandt (beide 20/LKT Team Brandenburg) erleben drei Talente aus der Region ihre Feuertaufe auf dem Kopfsteinpflaster in der „Hölle von Forst“. Statt zwölf wie im Vorjahr werden diesmal 16 Fahrer an den Start gehen.

Die jungen Renner sollen vor allem Erfahrung sammeln, um später auch hinter den deutlich schnelleren Steher-Motorrädern bestehen und irgendwann in die Fußstapfen von Atzeni und Co. treten zu können.  „Wir wollen Forst als Hochburg erhalten und den Stehersport noch mehr in die Breite bekommen. Dafür benötigen wir den Nachwuchs“, sagt FSV-Präsident Gerd Suschowk.

Aus diesem Grund hat der Verein eine neue Rennserie auf der 400 Meter langen Betonbahn ­etabliert. Der Forster Bahncup 2019 richtet sich an Nachwuchsfahrer und die Jedermannszene. Einmal im Monat findet dieses neue Bahnrennen statt. Nach der Sommerpause geht es am 7. August weiter. Als letztes Rennen wird dabei jeweils hinter dem Derny gefahren. „Durch diese Trainingsrennserie geben wir Junioren und Männerfahrern die Gelegenheit, sich an das Derny zu gewöhnen“, erklärt Marcel Möbus.

Kürzlich wurde dank der Unterstützung der Volksbank Spree-Neiße ein weiteres Exemplar dieser leichten Motorräder angeschafft. Acht Dernys stehen jetzt zur Verfügung. Erste Erfolge sind sichtbar. Sowohl Jonas On­necken als auch Philipp Weber sind die Trainingsrennserie hinter dem Derny mitgefahren und können sich nun am Samstag in der Forster ­Innenstadt erstmals vor ­großer ­Kulisse präsentieren.

Der Stehersport ist nun mal eine ganz spezielle Disziplin des Bahnradsports, in der keine Olympia­sieger und seit 1994 auch keine Weltmeister mehr gekürt werden, weil es Steherrennen nur noch in wenigen europäischen Ländern gibt: Niederlande, Schweiz und eben Deutschland. Der Europäische Radsportverband (UEC) konnte sich zuletzt glücklich schätzen, wenn er einmal pro Jahr einen Ausrichter für die kontinentalen Titelkämpfe gefunden hatte.

Steherrennen sind für die Sportler vor allem ein Zubrot, um Einnahmen zu generieren. Das ist für die Branche Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil es in anderen Wettbewerben wertvollere Meriten zu holen gibt. Segen, weil viele Sportler die Steherrennen mittlerweile als Bühne sehen, um sich für gut dotierte Verträge bei Straßenteams zu empfehlen.  „Auf der Bahn verdient man als Leistungssportler nicht so viel Geld wie auf der Straße. Aber man kann sich hier auf der Bahn einen Namen machen. Das ist in den Köpfen der jungen Fahrer drin, die jetzt mit dem Derny- und Stehersport beginnen“, erklärt Marcel Möbus und nennt als Beispiel den 22-jährigen Ungarn Viktor Filutas. 2017 holte er sich den nationalen U23-Zeitfahrmeistertitel. Filutas – der in seinem Heimatland aktuell für das zweitklassige Team Pannon Cycling fährt – hofft nun darauf, sich auch hierzulande einen Namen machen zu können. Am Pfingst­wochenende feiert er Premiere im Derny- und Stehersport.

Wie wichtig man in Forst den Nachwuchs nimmt, zeigt auch eine andere Personalie: Der Sport­liche Leiter Marcel Möbus höchstpersönlich wird Neuling Jonas Onnecken am Samstag beim Derny-Cup pilotieren und ihm einen möglichst ­guten Einstand ermöglichen. Denn irgendwann soll der Youngster dann auch beim Pfingstpreis hinter den großen Maschinen fahren.