Fußball in der DDR - keine Diskussion kommt ohne die kontroverse Rolle des Serienmeisters BFC Dynamo aus. Der Mielke-Club aus Berlin und seine offensichtliche Bevorteilung stand auch im Zentrum der Veranstaltung "Macht und Meisterschaft. Fußball in der DDR" der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Der Sporthistoriker Hanns Leske sprach in seiner Unterteilung des DDR-Fußballs gar von der "BFC-Dynamo-Phase" von 1979 bis 1988, in der der Lieblings-Club des Stasi-Chefs Erich Mielke zehn Meisterschaften in Serie feierte.

In der prominent besetzten Runde mit DDR-Rekordnationaltorwart Jürgen Croy, dem früheren Magdeburger Fifa-Schiedsrichter Bernd Heynemann, dem Journalisten Frank Willmann und Historiker Leske gipfelten die Erinnerungen an zahlreiche skandalöse Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zugunsten des BFC im sogenannten "Schand-Elfmeter von Leipzig". Der 18. Spieltag am 22. März 1986 ging als schwarzer Samstag in die Annalen der DDR-Oberliga ein.

Im Spiel 1. FC Lok Leipzig gegen den BFC Dynamo führten die Sachsen durch einen Treffer des späteren DFB-Nationalspielers Olaf Marschall mit 1:0. Schiedsrichter Bernd Stumpf ließ unverständlicher Weise fünf Minuten nachspielen und pfiff in der 95. Minute einen sehr zweifelhaften Strafstoß für den BFC, den Frank Pastor zum 1:1 verwandelte.

Zwischenfall im März 1986

Dieser Zwischenfall markierte eine Novum: Nach zahlreichen Protesten von Fanseite, Vereinsoberen und auch ungewöhnlich kritischen Medienberichten sah sich der Deutsche Fußball-Verband (DFV) zum Handeln gezwungen. Referee Stumpf wurde auf Lebenszeit gesperrt. "Da war für die SED und den Verband der Zeitpunkt gekommen, ein Zeichen zu setzen", erinnerte sich der damalige Leipzig-Trainer Hans-Ulrich Thomale, der den Unparteiischen Stumpf als "Bauernopfer" sieht. "Außerdem wurde entschieden, dass solche brisanten Spiele nicht mehr zur Messezeit in Leipzig stattfinden dürfen", bemerkte Ex-Schiedsrichter Heynemann süffisant, "damit die Öffentlichkeit mit zahlreichen ausländischen Gästen nichts mitbekommt".

Zensur hätten die DDR-Medien schon zuvor betrieben. "Wenn ein Torschütze des BFC meilenweit im Abseits stand, der Treffer aber zählte, wurde die Szene in Sport aktuell einfach nicht gezeigt", berichtete Leske.

Trotz solcher Vorkommnisse und auch häufig stattfindender Ausschreitungen erfreute sich der DDR-Fußball einer ungebrochenen Popularität. Montags auf der Arbeit war der Fußball das vorherrschende Gesprächsthema. Die Spieler genossen im Vergleich zu den anderen, international oftmals viel erfolgreicheren Athleten anderer Sportarten große Privilegien. "Ich musste auf meinen Wartburg zum Beispiel nur drei anstatt zehn Jahre warten", erinnerte sich die Zwickauer Torwartlegende Croy. "Viele Kombinats-Direktoren haben in im Fußball das größere Renommee-Potenzial gesehen als etwa im Biathlon oder Leichtathletik", begründete Buchautor Frank Willmann.

Derzeit findet eine Art "Klassentreffen" vieler früheren DDR-Oberligaclubs wie Dynamo Dresden, 1. FC Magdeburg, Hallescher FC oder Hansa Rostock in der 3. Liga statt. "Mir wäre es lieber, das würde in der 2. Liga stattfinden", bemerkte Croy, der indes große Freude an den vielen Traditions-Duellen hat.

Der 94-fache DDR-Auswahlspieler bewertet trotz fehlender Tradition das Projekt RB Leipzig als positiv: "Ich kann nicht verstehen, warum Red Bull verdammt wird. Jetzt kommt endlich mal Geld in den Ostfußball, und die Leute haben die Chance, guten Fußball zu sehen."