Die Rückstände der ausgelassenen Fan-Party mit tausenden Anhängern bei Union Berlin nach dem Einzug in den europäischen Wettbewerb sind vor dem Stadion An der Alten Försterei zwar inzwischen beräumt. Die Jubelfeierlichkeiten, bei denen die geltenden Hygienevorschriften am Samstag nahezu komplett außer Acht gelassen wurden, werden vermutlich jedoch ein teures Nachspiel für den Fußball-Bundesligisten haben. Union Berlin hatte sich am Samstag mit dem 2:1-Sieg gegen RB Leipzig als Tabellensiebter für die Europa Conference League qualifiziert.

Warum gibt es Kritik an der Fan-Party von Union Berlin?

Für das Spiel gegen Leipzig waren erstmals nach sieben Monaten wieder Zuschauer zugelassen. 2000 Fans durften im Rahmen eines Pilotprojekts des Berliner Senats im Stadion An der Alten Försterei dabei sein. Während im Stadion alles weitgehend Corona-konform ablief, strömten die Fans nach dem Schlusspfiff vor die Arena in Köpenick. Zu den 2000 Fans kamen noch einmal mindestens 1000 Anhänger dazu, welche kein Ticket für das letzte Bundesligaspiel in dieser Saison bekommen hatten und die Partie deshalb von der Waldseite verfolgten. Die Profis auf dem Balkon wurden von den dichtgedrängt stehenden Fans ausgelassen gefeiert. Nur wenige Anhänger trugen dabei eine Maske, die Abstandsregeln wurden nicht eingehalten. Außerdem flogen Feuerwerkskörper.

Wie reagiert Union Berlin auf die Kritik?

Der Verein muss sich inzwischen viel Kritik für diese Fan-Party gefallen lassen. „Wir wussten, dass viele Menschen kommen werden. Nach Abwägung aller Themen haben wir schon im Vorfeld die Entscheidung getroffen, den Menschen und ihrem Druck Raum zu geben. Uns war klar, dass wir es irgendwie kanalisieren müssen“, erklärt Union-Präsident Dirk Zingler. Deshalb habe sich der Verein in Ansprache mit der Polizei dafür entschieden, die Fan-Party auf dem Stadionvorplatz zu gestatten.
Union Berlin als Veranstalter könne man deswegen natürlich einen Vorwurf machen, räumte Zingler ein. „Das müssen wir akzeptieren. Wir werden jetzt die Folgen zu tragen haben. Und dennoch haben wir nicht verantwortungslos gehandelt“, findet der Vereinschef. Sollte es zu Sanktionen kommen, werde man die hinnehmen müssen.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Die Polizei Berlin registrierte neben den Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz auch das Zünden von Feuerwerkskörpern und Nebeltöpfen, sagte Polizeisprecher Hartmut Paeth dem rbb. Wie die Situation abschließend bewertet wird, sei jetzt noch nicht klar, sagte Paeth. Er gehe aber davon aus, dass das noch im Nachgang bearbeitet werde.
Auch der Berliner Senat kündigte Ermittlungen an. Landessportbundchef Thomas Härtel twitterte, so sei Union „in der Pandemie kein Vorbild“.
Präsident Dirk Zingler wehrt sich gegen den Vorwurf, Union Berlin habe verantwortungslos gehandelt.
Präsident Dirk Zingler wehrt sich gegen den Vorwurf, Union Berlin habe verantwortungslos gehandelt.
© Foto: Matthias Koch