Der Wille war da, aber die Mittel und auch das Selbstvertrauen sind derzeit arg limitiert: Eine verunsicherte Mannschaft von Hertha BSC hat mit dem 1:2 (0:1) gegen den SC Freiburg am Samstagnachmittag die nächste Niederlage in der Fußball-Bundesliga kassiert. Eine Woche nach der 0:6-Klatsche bei RB Leipzig blieben die Gastgeber im Olympiastadion eine Wiedergutmachung schuldig.
Der Druck auf Trainer Pal Dardai hat sich nach der fünften Niederlage im siebten Saisonspiel weiter erhöht. Sportgeschäftsführer Fredi Bobic nahm vor dem Anpfiff im Sky-Interview erneut Stellung zu dieser brisanten Personalie. Unabhängig von der jüngsten 0:6-Klatsche bei RB Leipzig „liegt es doch immer an jemand selbst, wie lange er bei einem Verein ist. Wenn er gute Arbeit macht, dann müssen wir gar nicht drum reden“, betonte Bobic.
Die Halbzeitanalyse von Sportdirektor Arne Friedrich machte ebenfalls deutlich, dass in der Hauptstadt die Alarmglocken schrillen und die Diskussionen um Pal Dardai immer lauter werden. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, erklärte Friedrich. In der jetzt folgenden Länderspielpause gibt es also reichlich Gesprächsbedarf bei den Berlinern.

Hertha BSC gegen den SC Freiburg – so fielen die Tore

0:1 Philipp Lienhart (17.)
Der Freiburger Innenverteidiger gewinnt nach einem Eckball das Kopfballduell gegen Selke am kurzen Pfosten und trifft zur Freiburger Führung.
1:1 Krzysztof Piatek (70.)
Das Tor ist ein Duett zweier Einwechsler. Maximilian Mittelstädt setzt sich auf der linken Seite durch und bringt den Ball ins Zentrum, wo Piatek viel Platz hat und sicher vollendet.
1:2 Nils Petersen (78.)
Der Ex-Cottbuser zeigt einmal mehr seine Qualitäten als Joker. Er trifft nur 104 Sekunden nach seiner Einwechslung mit einem spektakulären Fallrückzieher. Für Petersen ist es das 84. Tor im 250. Bundesliga-Spiel.

So ging Hertha BSC ins Spiel gegen den SC Freiburg

Kapitän Dedryck Boyata meldete sich nach überstandener Muskelverletzung fit für dieses wichtige Heimspiel. Er war erst am Mittwoch wieder in das Mannschaftstraining eingestiegen. Der ebenfalls fragliche Deyovaisio Zeefuik fehlte dagegen auf dem Spielberichtsbogen. Die Verletztenliste bei Hertha BSC ist weiterhin lang. Es fehlen unter anderem die Verteidiger Jordan Torunarigha, Lukas Klünter und Linus Gechter sowie Mittelfeldakteur Myziane Maolida. Neuzugang Marco Richter gab sein Startelf-Debüt bei den Berlinern. Kevin-Prince Boateng rückte im Vergleich zur Partie in Leipzig in die Startelf.

So lief das Spiel Hertha BSC gegen den SC Freiburg

Der SC Freiburg reiste mit viel Selbstbewusstsein nach Berlin. Die Breisgauer waren als Tabellenfünfter als einziges Team neben Bayern München in dieser Saison noch ohne Niederlage. Das gab es noch nie in der Vereinsgeschichte nach sechs Spieltagen. Die beiden Ex-Cottbuser Nils Petersen und Kevin Schade saßen zunächst auf der Bank.
Hertha BSC war, logisch, die Nervosität nach der 0:6-Pleite bei RB Leipzig deutlich anzumerken. Die Gastgeber tasteten sich förmlich in dieses Heimspiel und hatten in der 15. Minute eine erste Chance durch den Freistoß von Stevan Jovetic. Freiburg indes besaß deutlich mehr Ballbesitz und präsentierte sich mittlerweile fast schon gewohnt kombinationsfreudig.
Die Freiburger Führung durch den Kopfballtreffer von Philipp Lienhart (17.) bedeutete dann einen weiteren Rückschlag für die wackligen Gastgeber. Es war bereits der siebte Gegentreffer nach einer Standardsituation in dieser Saison. Zur Pause gab es ein Pfeifkonzert von den Fans aus der Ostkurve für die verunsicherten Berliner.
Zu Beginn der 2. Halbzeit brachte Hertha-Trainer Pal Dardai mit Peter Pekarik und Krzysztof Piatek zwei neue Spieler. Außerdem stellte er in der Abwehr von der Dreier- auf einer Viererkette um. Nach gut einer Stunde hatte Dardai bereits alle fünf Wechseloptionen aufgebraucht.
Doch dieses Risiko wurde zumindets kurzzeitig belohnt. Nach der Kombination zum 1:1-Ausgleich durch die eingewechselten Piatek und Maximilian Mittelstädt waren die Gastgeber plötzlich wach. Jurgen Ekkelenkamp traf in der 74. Minute die Latte.
Die kalte Dusche kam jedoch in der 78. Minute mit der erneuten Freiburger Führung durch Nils Petersen. Der Topjoker der Breisgauer schlängelte sich in unnachahmlicher Manier um seinen Gegenspieler herum und schockte mit einem spektakulären Fallrückzieher die Gastgeber.

Hertha BSC gegen den SC Freiburg – die Statistik

Hertha BSC – SC Freiburg 1:2 (0:1)
Hertha BSC: Schwolow – Stark, Boyata, M. Dardai (46. Pekarik) - Richter (58. Ekkelenkamp), Tousart, Prince-Boateng (58. Jastrzembski), Plattenhardt – Serdar, Jovetic (64. Mittelstädt) - Selke (46. Piatek).
SC Freiburg: Flekken – Gulde, Lienhardt, N. Schlotterbeck – Kübler (84. Haberer), Eggestein (62. Keitel), Höfler, Günter – Jeong (76. Demirovic), Höler (76. Petersen), Grifo (76. Sallai).
Tore: 0:1 Lienhart (17.), 1:1 Piatek (70.), 1:2 Petersen (78.); Schiedsrichter: Ittrich (Hamburg); Zuschauer: 18 376; Gelbe Karten: Prince-Boateng, Serdar/-.

So sieht es in der Bundesliga mit Hertha BSC aus

Hertha BSC rutscht durch die Heimniederlage gegen den SC Freiburg auf Rang 13 ab. Tabellenführer Bayern München spielt am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt (17.30 Uhr).

So geht es für Hertha BSC weiter

Wegen der Länderspielpause in der Fußball-Bundesliga hat Hertha BSC am nächsten Wochenende kein Pflichtspiel. Am Donnerstag (7. Oktober) testen die Berliner gegen den Zweitligisten Erzgebirge Aue. Gespielt wird auf dem Hanns-Braun-Platz im Olympiapark (15 Uhr). Die nächste Bundesliga-Partie folgt dann am 16. Oktober bei Eintracht Frankfurt (Beginn um 15.30 Uhr). Für Sportgeschäftsführer Fredi Bobic ist es die Rückkehr an seine ehemalige Wirkungsstätte. Das nächste Heimspiel im Olympiastadion – am 23. Oktober gegen Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr).

Und sonst noch bei Hertha BSC?

Nicht einmal 48 Stunden nach der Europapokal-Nacht von Union Berlin leuchtete das Olympiastadion am Samstag wieder in den gewohnten Farben Blau und Weiß. Union hatte zwar am Donnerstagabend einen 3:0-Sieg in der Europa Conference League gegen den israelischen Meister Maccabi Haifa gefeiert. Überschattet wurde die Partie jedoch durch antisemitische Beleidigungen der Gäste-Fans durch einige Anhänger der Eisernen. Club-Chef Dirk Zingler hatte daraufhin am Freitag um Entschuldigung gebeten.