Als der Abstieg von Dynamo Dresden besiegelt war, machte sich eine gespenstische Stille im berüchtigten K-Block breit. Ab und zu flog eine Leuchtrakete auf den Rasen, doch der befürchtete Platzsturm blieb aus. Immerhin. In der Nachspielzeit des Relegations-Rückspiels gegen den 1. FC Kaiserslautern hatte noch die totale Eskalation gedroht, als der Mob tobte und mit zahlreichen Feuerwerkskörpern beinahe einen Spielabbruch provozierte.
Die Dresdner Profis stellten sich in dieser heiklen Situation nicht den Fans, sie verschwanden sofort und wortlos in die Kabine. „Nach so einem Spiel ist einfach nur absolute Leere. Die Jungs sind am Heulen, haben negative Emotionen – da geht gar nichts mehr“, sagte Dynamo-Trainer Guerino Capretti nach der bitteren 0:2 (0:0)-Heimniederlage gegen die Roten Teufel. Er selbst spüre „Trauer, Enttäuschung, Wut, alles ist dabei“.

Ultras als schlechte Verlierer bei Dynamo Dresden

Die Ultras präsentierten sich als schlechte Verlierer, rund 30 von ihnen versuchten kurz vor Mitternacht sogar das Stadiongebäude zu erstürmen. Dabei wurden zwei Ordner verletzt. Dieses Verhalten sei „völlig inakzeptabel“, sagte Dynamo-Geschäftsführer Jürgen Wehlend am Mittwoch. Mit dem gewaltsamen Eindringen und der Bedrohung von Spielern, Betreuern und Mitarbeitern sei „eine klare Grenze überschritten“ worden.
Die Führung ging aber auch mit sich selbst hart ins Gericht. Es gebe bei einem Abstieg aus der 2. Liga „wenig Argumente ,zu sagen, dass man viel richtig gemacht“ habe, sagte Sportgeschäftsführer Ralf Becker, und Trainer Capretti gab schwer gezeichnet zu: „Am Ende muss man sagen: Es war zu wenig.“
Würde sich Dynamo jetzt von Becker und Capretti trennen, hätte das finanziell keinerlei Folgen. Doch dann müsste man schnell zwei Nachfolger präsentieren, die gemeinsam den Kader zusammenstellen. Darauf scheint man in Dresden nicht vorbereitet zu sein. Becker hat in den vergangenen Wochen bereits mehrfach signalisiert in Dresden bleiben zu wollen. Seine Zielstellung ist es, wie vor zwei Jahren eine aufstiegsfähige Drittligamannschaft zusammenzustellen.

Trainer Guerino Capretti vor Aus bei Dynamo Dresden

Über diese Personalie entscheidet nun der Aufsichtsrat. Es ist jedenfalls kein Geheimnis, dass Becker bereits ein Angebot vorgelegt wurde – unabhängig vom damals noch drohenden Abstieg. Anders gestaltet sich die Situation um Capretti. Die Besetzung des Trainerpostens liegt in Beckers Verantwortungsbereich. Ein Neustart mit dem erfolglosen Coach dürfte nicht möglich sein. Zumal die Mannschaft Caprettis Ideen nicht umsetzen konnte oder der Trainer keinen Weg fand, um mit dem vorhandenen Spielermaterial erfolgreich zu sein.
In den kommenden Tagen liegt viel Arbeit vor dem sächsischen Traditionsclub. Zahlreiche Spielerverträge haben keine Gültigkeit für die 3. Liga, wie schon 2020 droht ein radikaler Umbruch im Kader. Am Mittwoch traf sich das Team ein letztes Mal, danach ging es in den Urlaub. Der Trainingsstart ist für den 15. Juni vorgesehen. Der Auftakt in die neue Drittliga-Saison findet am 22. Juli statt.