Hambüchen stockte in Chemnitz sein Erfolgskonto auf 20 Goldmedaillen bei nationalen Titelkämpfen auf. Der 20-jährige Wetzlarer ist zudem erst der zehnte deutsche Turner, dem fünf Siege bei einer Meisterschaft gelangen. Zuletzt war das Kunststück dem Leipziger Sven Tippelt 1986 bei DDR-Meisterschaften gelungen.
Prunkstück des mit 93,300 Punkten höchstbenoteten Mehrkampfes seiner Karriere war am Samstag erneut die grandiose Reck-Show des Welt- und Europameisters. Der kleine Hesse bekam von den Kampfrichtern mit 7,2 den höchsten jemals geturnten Ausgangswert am „Königsgerät“ zugestanden. Den bisherigen inoffiziellen „Weltrekord“ hatte er selbst mit seiner WM-Übung von Stuttgart und 7,1 Ausgangswert inne. „Das war einer der besten Wettkämpfe meiner Karriere. So kann es weiter gehen, Peking kann kommen“, sagte Hambüchen nach dem Gewinn seines vierten Mehrkampf-Titels in Serie seit 2005.
Gestern stellte Hambüchen mit einer „One-Man-Show“ vor knapp 1000 Zuschauern alle seine Olympia-Begleiter in den Schatten und gewann am Boden, Sprung, Barren und am Reck vier der sechs vergebenen Gerätetitel sowie Bronze an den Ringen. Am Barren feierte er eine weitere Premiere mit dem Dimitrenko-Flieger, womit er seinen Ausgang auf die neue Rekordhöhe von 6,9 steigerte. Am Reck kam er mit 16,025 Punkten bei einem Ausgang von 7,1 wiederum auf eine Topwertung. Immerhin Doppelmeister wurde der Stuttgarter Thomas Andergassen (Seitpferd, Ringe).
„Hut ab vor Fabian. An ihm ist im Moment kein Vorbeikommen. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich die Nummer zwei bin. Aber ich kann damit gut leben, wenn ich zu Olympia fahre“, erklärte Boy, der bei den Gerätefinals einen „schwarzen Tag“ erwischte und die Plätze vier (Boden), fünf (Reck, Pauschenpferd) und sechs (Sprung) belegte. Robert Juckel, Titelverteidiger am Seitpferd, musste sich an seinem Spezialgerät mit Platz drei begnügen und muss nach Platz fünf im Mehrkampf zumindest bis morgen auch um seine zweite Olympia-Teilnahme bangen (siehe Text oben). Dann will der Lenkungsstab des Deutschen Turner-Bundes (DTB) das Sextett für Peking nominieren.
Bei den Frauen wurde Titelverteidigerin Oksana Tschussowitina zum zweiten Mal Mehrkampfmeisterin. Die 32-jährige Kölnerin setzte sich trotz Sturzes vom Stufenbarren mit 58,800 Punkten vor Marie-Sophie Hindermann (Tübingen/58,250) und Katja Abel (Berlin/56,600) durch. Tschussowitina schonte sich und verzichtete wie Vereinsgefährtin Daria Bijak auf die Finals. Ihren neunten und zehnten Titel erkämpfte Katja Abel (Berlin) an Stufenbarren und Schwebebalken. Kim Bui (Tübingen) gewann Sprung und Boden. (dpa/tus)

Zum Thema Ergebnisse
Boden: 1. Fabian Hambüchen (Wetzlar) 15,850 Pkt.; 2. Marcel Nguyen (Unterhaching) 15,275; 3. Eugen Spiridonov (Bous) 15,025.
Seitpferd: 1. Thomas Andergassen (Stuttgart) 14,950 Pkt.; 2. Eugen Spiridonov (Bous) 14,700; 3. Robert Juckel (Cottbus) 14,625.
Ringe: 1. Thomas Andergassen (Stuttgart) 15,450 Pkt.; 2. Robert Weber (Ehmen) 15,350; 3. Fabian Hambüchen (Wetzlar) 15,025.
Sprung: 1. Fabian Hambüchen (Wetzlar) 15,938 Pkt.; 2. Anton Wirt (Stuttgart) 15,625; 3. Matthias Fahrig (Halle/Saale) 15,300.
Barren: 1. Fabian Hambüchen (Wetzlar) 15,925 Pkt.; 2. Marcel Nguyen (Unterhaching) 15,875; 3. Eugen Spiridonov (Bous) 15,150.
Reck: 1. Fabian Hambüchen (Wetzlar) 16,075 Pkt.; 2. Robert Weber (Ehmen) 15,275; 3. Wladimir Klimenko (Niederwörresbach) 14,150.
Mehrkampf: 1. Fabian Hambüchen (Wetzlar) 93,300 Pkt.; 2. Philipp Boy (Cottbus) 88,950; 3. Marcel Nguyen (Unterhaching) 87,100; 3. Eugen Spiridonov (Bous) 87,100.