Trotz der 0:1-Niederlage gegen Schweden zum Auftakt der U20-Weltmeisterschaft in Kanada gab es einen Gewinner im deutschen Team: Nikita Quapp. Der Torhüter erhielt viel Lob nach dem ersten Auftritt der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Er wurde als bester Spieler auf deutscher Seite ausgezeichnet. Quapp (19) steht bei den Eisbären Berlin unter Vertrag und spielt mit einer Förderlizenz für die Lausitzer Füchse in der DEL2.
„Nikita Quapp hat uns stark im Spiel gehalten“, lobt Kapitän Yannick Proske den gebürtigen Ravensburger. Elias Pettersson erzielte 22 Sekunden vor Ende des ersten Drittels den Siegtreffer der favorisierten Schweden. „Es war ein sehr enges Spiel und wir hatten am Ende noch einmal das Momentum auf unserer Seite. Leider konnten wir uns für den aufopferungsvollen Einsatz und unsere Leidenschaft nicht belohnen“, analysiert U20-Bundestrainer Tobias Abstreiter.

Lob von Sebastian Elwing

Dabei war Nikita Quapp erst kurz vor den Titelkämpfen in Halifax und Moncton von einer Knöchelverletzung genesen. Im Oktober hatte sich Quapp einen Riss des Syndesmosebandes zugezogen. Sein Comeback war eine echte Punktlandung: Am letzten Wochenende vor der Abreise des DEB-Teams nach Kanada stand Quapp in der DEL2 für Weißwasser das erste Mal wieder zwischen den Pfosten.
Dass sein Schützling sich jetzt mit einer überragenden Leistung zurückgemeldet hat, merkte auch Sebastian Elwing beim Blick auf das Handy. Der Torwartcoach der Eisbären Berlin bekam direkt nach dem Spiel zahlreiche Nachrichten aus der ganzen Welt – und natürlich Glückwünsche. „Auch ich bin wahnsinnig stolz auf Nikita, das war eine Wahnsinnsleistung“, betont Elwing.
Die fachliche Analyse des Torwart-Trainers nach dem Auftaktmatch gegen Schweden: „Nikita war sehr ruhig und total fokussiert. Er hat sich selbst immer die beste Möglichkeit gegeben, um den Puck zu halten. Er war stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf dem Eis.“
Die starke Leistung von Nikita Quapp bekommt umso mehr Gewicht, wenn man sich seine Vorbereitung auf diese Weltmeisterschaft anschaut. Das Zeitfenster nach der Knöchelverletzung sei laut Sebastian Elwing „extrem kurz gewesen“. Aber der Torwart-Trainer der Eisbären Berlin hatte U20-Coach Abstreiter versichert: „,Du bekommst zur WM einen fitten Torhüter.‘ Ich habe ihm fest versprochen, dass wir das gemeinsam hinkriegen.“
Neben der guten Kommunikation mit dem DEB war aus Elwings Sicht die Willensstärke von Nikita Quapp die Basis für die schnelle Genesung des Nationaltorhüters. In der Länderspielpause im November startete die Comeback-Mission. Diese Mission begann mit leichtem Schlittschuhlaufen auf dem Eis, später folgten erste Schüsse – allerdings nur auf die Hände. In die typische Torhüter-Position herunterzugehen, sollte Quapp noch vermeiden.

Training bei den Eisbären Berlin

Auch von einem zwischenzeitlichen Rückschlag, als sich die Verletzung wieder im Kopf meldete, ließ sich das Trainingsduo Quapp/Elwing nicht aus der Ruhe bringen. „Wir haben in dieser Zeit den Schmerz im Kopf ein wenig ausgetrickst“, berichtet Elwing. Nach vier Tagen Trainingspause ging es weiter. Auch wenn Quapp damals noch kein Mannschaftstraining absolvieren durfte, gestaltete Elwing die Übungseinheiten so wettkampfnah wie möglich. Sogar die Drittelpausen wurden im Training simuliert. Nikita Quapp durfte zwischendurch für 20 Minuten in die Kabine, um dann anschließend wieder beim Einzeltraining mit Elwing zu schwitzen.
Die fehlende Bindung zum Team war eines der größten Hürden in dieser Zeit – auch mental. Deshalb hat Elwing seinen Schützling immer dann zum Abendessen zu sich nach Hause eingeladen, wenn die Eisbären Berlin zu einer Auswärtsfahrt unterwegs waren und Quapp sonst allein in den heimischen vier Wänden gehockt hätte.
Torhüter Nikita Quapp von den Eisbären Berlin spielt derzeit für die Lausitzer Füchse in der DEL2.
Torhüter Nikita Quapp von den Eisbären Berlin spielt derzeit für die Lausitzer Füchse in der DEL2.
© Foto: Thomas Heide
„Wir sind uns in dieser Zeit auch menschlich näher gekommen“, berichtet Sebastian Elwing. Das Wichtigste auf dem Weg zum Comeback sei jedoch die Willensstärke von Nikita Quapp gewesen. „Er hat sehr diszipliniert und sehr hart gearbeitet. Wir hatten beide das große Ziel, dass er es bis zur WM schafft. Aber der Athlet muss natürlich bereit sein, einen so hohen Preis im Training zu bezahlen.“ Spätestens seit der überragenden Leistung von Quapp beim WM-Start gegen Schweden ist klar – der große Aufwand hat sich gelohnt.

Lausitzer Füchse bei der U20-WM

Neben Torhüter Nikita Quapp sind mit den Verteidigern Rayan Bettahar und Julian Wäser sowie den Stürmern Bennet Roßmy und Eric Hördler insgesamt fünf Spieler aus der Nachwuchsschmiede der Eisbären Berlin bei den Titelkämpfen in Kanada im Einsatz. Sie kommen teilweise auch in der DEL2 bei den Lausitzer Füchsen zum Einsatz.
In der Nacht zu Donnerstag (0.30 Uhr MEZ) wartet mit Titelverteidiger und Rekordweltmeister Kanada das nächste große Kaliber des Junioren-Eishockeys. Weitere Gegner in der Gruppe A sind nach einem Tag Erholung am Freitag (22.30 Uhr MEZ) Österreich sowie Tschechien am Samstag (19.30 Uhr MEZ/alle MagentaSport).
Die ersten vier Teams der beiden Gruppen qualifizieren sich für das Viertelfinale. Die beiden Fünften spielen im Modus „best of three“ (zwei Siege sind notwendig) um den Klassenerhalt. Bundestrainer Tobias Abstreiter: „Wir wollen auf jeden Fall in der A-Gruppe bleiben. Und dann mal sehen, wo es endet. Es ist wirklich alles möglich.“