Ausgerechnet vor dem prestigeträchtigen Freiluftspiel in Dresden werden die Sorgen bei den Lausitzer Füchsen immer größer ­– und die Stimmung immer schlechter. Weißwasser ist durch die 2:4-Heimniederlage gegen die Bietigheim Steelers auf Tabellenrang 11 und damit erstmals in dieser DEL2-Saison auf einen Abstiegsrunden-Platz gerutscht.

Trotz eines bemerkenswerten Versprechens von Trainer Corey Neilson sind nach der dritten Niederlage in Serie die Playoff-Träume erst einmal ausgeträumt. Stattdessen muss im Fuchsbau jetzt um den Klassenerhalt gezittert werden.

Nach der letzten Heimpartie des Jahres machten die Anhänger ihrem Unmut Luft. „Wir ham‘ die Schnauze voll“, sangen sie nach der Schlusssirene. Wie fragil die Beziehung der Fans zur Mannschaft mittlerweile geworden ist, zeigte auch die obligatorische Ehrung des „Spieler des Tages“. Auf Seiten der Gastgeber erhielt Topscorer Mike Hammond diese Ehrung – sie wurde von einem gellenden Pfeifkonzert begleitet.

„Der Druck ist groß“

„Ich verstehe die Fans. Die Erwartungen sind nach der vergangenen Saison groß. Da haben wir erfolgreiches und attraktives Eishockey gespielt. Die Fans waren glücklich. Entsprechend groß ist jetzt der Druck für uns“, kommentierte Trainer Corey Neilson die angespannte Stimmungslage im Fuchsbau.

Diesen Druck haben allerdings auch andere Dinge befördert. Zum Beispiel, dass die Lausitzer Füchse in dieser Saison so viel für die Mannschaft ausgeben wie noch nie. Und auch, dass Neilson im Sommer gleich mehrere seiner Wunschspieler aus England in die Lausitz holte, hat Erwartungen geschürt, die im Moment nicht erfüllt werden. Egal, was der in der vergangenen Saison zum „Trainer des Jahres“ gekürte Coach derzeit bei der Taktik und der Zusammenstellung der Reihen versucht – es bringt einfach nicht den gewünschten Erfolg. Zumindest nicht dauerhaft: Dem 1:0-Heimsieg gegen Tabellenführer Kassel Huskies folgten drei Niederlagen, darunter das 1:7-Debakel bei den Ravensburg Towerstars.

Lausitzer Füchse – Bietigheim Steelers

Eishockey Lausitzer Füchse – Bietigheim Steelers

Was diese Mannschaft leisten kann, zeigte sie auch am Samstagabend vor 2950 Zuschauern in der ausverkauften Eisarena nur ansatzweise. Zum Beispiel im 3. Drittel, als endlich der Funke vom Eis auf die Ränge übersprang. Mehr als der zwischenzeitliche 2:3-Anschlusstreffer durch Kapitän Clarke Breitkreuz in der 46. Minute gelang den Füchsen aber nicht. Bis dahin gab es von den Fans bestenfalls artigen Applaus, was der sportlichen Leistung von Breitkreuz und Co. übrigens durchaus angemessen war.

„Die Mannschaft will unbedingt gewinnen. Aber es fehlt im Moment das Selbstbewusstsein. Es passieren eben auch Fehler, weil einige Spieler noch sehr jung sind. Dann schießt man vorne keine Tore und bekommt hinten Gegentore nach Fehlern“, analysierte Neilson.

Klar, das ist zweifellos die eine Seite der ernüchternden Wahrheit. Die andere Seite: Selbst Leistungsträgern wie Topscorer Mike Hammond sowie dem sehr engagierten Verteidiger Joel Keussen passieren derzeit immer wieder Fehler, welche die Mannschaft zurückwerfen. Ausgerechnet der weit aufgerückte Keussen vertändelte nur 36 Sekunden nach dem Beginn des 2. Drittels den Puck und ermöglichte Bietigheim das 2:0. Mehr als die zwischenzeitlichen Anschlusstreffer durch Darcy Murphy (1:2/31.) und Clarke Breitkreuz (2:3/46.) gelangen den Füchsen nicht.

Nach der Schlusssirene musste dann mit Mike Hammond ausgerechnet der Topscorer den Frust der Fans in Form eines Pfeifkonzerts über sich ergehen lassen. Dabei sind die statistischen Werte von Hammond in der Tat top. Gegen Bietigheim bereitete er das erste Füchse-Tor mit einem gewonnen Zweikampf an der Bande vor. Beim zweiten Treffer legte Hammond dann mit einem feinen Pass für Breitkreuz auf. Mit 36 Assists ist der Brite der beste Vorlagengeber der gesamten Liga.

So weit, so top. Aber Mike Hammond ist von der Körpersprache her kein Leader – so wie viele andere Spieler im Team auch nicht. Und genau diese kämpferischen Tugenden vermissen viele Fans bei der aktuellen Mannschaft und das haben sie den Spielern am Samstag nach dem Spiel so deutlich zu verstehen gegeben wie noch nie in dieser Saison.

Auf genau diese Tugenden wird es auch in den nächsten Spielen ankommen. Dazu passt, dass die Füchse am Sonntag mit dem Deutsch-Kanadier Brad Ross (27) einen echten Arbeiter auf dem Eis verpflichtet haben (siehe Infokasten). Weißwasser muss nun gleich drei Mal auswärts antreten. Los geht der Auswärtsdreier an diesem Montag um 19.30 Uhr beim EV Landshut, gegen den es im Oktober eine 1:7-Niederlage setzte. Danach folgen am Samstag das viel beachtete Freiluftspiel bei den Eislöwen Dresden sowie die Partie beim ESV Kaufbeuren am 10. Januar.

Weißwasser

Corey Neilson blickte nach der Niederlage gegen Bietigheim mit einer bemerkenswerten Ansage voraus. Der Trainer ist weiterhin felsenfest davon überzeugt, dass Eishockey-Weißwasser mit dem Kampf um den Klassenerhalt nichts zu tun haben wird. „Ich verspreche, dass die Füchse ein Playoff-Team werden“, verkündete Neilson in der Pressekonferenz und wiederholte sein Versprechen gleich noch ein zweites Mal, damit es auch wirklich alle Köpfe erreicht: „Ich verspreche, dass die Füchse ein Playoff-Team werden. Dafür werden wir weiter hart arbeiten.“ Zumindest der Coach hat also sein Selbstbewusstsein nicht verloren.

Lausitzer Füchse holen einen Arbeiter


Bei den Lausitzer Füchsen kam Neuzugang Luke Nogard im Spiel gegen die Bietigheim Steelers (2:4) zu seinem Heimdebüt im Fuchsbau. Torhüter Mac Carruth, der beim 1:7 in Ravensburg vorzeitig vom Eis gegangen war, erhielt diesmal eine Pause. Stattdessen stand Maximilian Franzreb vom Kooperationspartner Eisbären Berlin zwischen den Pfosten. Auch Stürmer Thomas Reichel kam als Unterstützung aus der Hauptstadt.

Am Sonntag vermeldeten die auf Tabellen 11 abgerutschten Füchse die Verpflichtung eines weiteren Stürmers. Brad Ross wechselt aus der ECHL von den Fort Wayne Komets nach Weißwasser. Der 27-jährige Angreifer spielte von 2017 bis 2019 bei den Heilbronner Falken in der DEL2. Davor war er zwei Jahre lang für die Iserlohn Roosters in der höchsten deutschen Spielklasse aktiv.

Der Stürmer besitzt einen deutschen Pass. Er fällt also nicht unter das Ausländer-Kontingent. „Wir haben Brad Ross verpflichtet, um dem Abwärtstrend entgegen zu wirken. Er soll uns in dieser schwierigen Situation wieder mehr Stabilität und Konstanz verleihen. Mein besonderer Dank gilt den Sponsoren, die diese Verpflichtung durch ein zusätzliches Engagement kurzfristig möglich gemacht haben”, erklärte Geschäftsführer Dirk Rohrbach.

Brad Ross gilt als harter Arbeiter auf dem Eis, der für die Gegner sehr unangenehm zu bespielen ist. Er soll beim Hockey-Open-Air am 4. Januar in Dresden seinen Einstand geben und wird die Rückennummer 37 tragen.

Anders sieht es bei Luke Nogard aus. Bei dem Stürmer soll im Januar die Entscheidung fallen, ob er einen deutschen Pass erhält.