Die Nerven liegen blank bei den Lausitzer Füchsen. Nicht zuletzt die Undiszipliniertheit von Ondrej Pozivil bei der Niederlage am Sonntag Bad Nauheim ließ tief blicken. Der Verteidiger rempelte einen Schiedsrichter an und kassierte dafür eine Zehn-Minuten-Strafe. Dass dies sogar einem erfahrenen Profi wie Pozivil passiert, sagt eine Menge aus über die mentale Verfassung des Eishockey-Zweitligisten.

Das 3:5 war die dritte Niederlage in Serie und die 15. Pleite im 25. Saisonspiel in der DEL2. Zum Vergleich: In der gesamten Vorsaison hatte das Team von Corey Neilson nur 22 Mal ein Spiel verloren geben müssen. Auch der Füchse-Trainer verwies wehmütig auf das Rekordjahr 2018/19, das Weißwasser zum Playoff-Teilnehmer und ihn selbst zum DEL2-Trainer des Jahres gemacht hatte: „In der letzten Saison waren wir aggressiv und schnell – in jedem einzelnen Spiel. Das hat wirklich Spaß gemacht.“

Frust im Fuchsbau

In der aktuellen Runde aber ist die Leichtigkeit einer Erwartungshaltung gewichen, die noch nicht erfüllt werden kann. Speziell die Derby-Niederlagen in Crimmitschau und gegen Dresden haben den Frust-Pegel im Fuchsbau weiter erhöht. Mit einem derartigen Pfeifkonzert wie am Freitag hatten die Fans ihr Team schon lange nicht mehr bedacht. Viele in der Halle hatten das Gefühl, Zeuge einer Arbeitsverweigerung geworden zu sein. Co-Trainer Chris Straube musste aufgebrachten Anhängern Rede und Antwort stehen. In den Fanforen im Internet ist im Zusammenhang mit den jüngsten Auftritten die Rede von „bodenloser Frechheit“ und „unterirdisch“.

Vieles kommt in diesen Tagen zusammen. „Wir haben kein Spielglück“, sagt Neilson. Symbolisch dafür war eine Szene im Derby, als Dresdens Petr Pohl zugab, nicht gefoult worden zu sein, und so eine Strafe gegen die Füchse verhinderte – direkt im anschließenden Bully aber traf Dresden zum Führungsausbau. „Das ist eine Story, die ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde“, sagte Eislöwen-Coach Rico Rossi. „Und für mich ist das auch ein Zeichen von Karma.“

Der Negativtrend der Füchse ist aber nicht nur mit spirituellen Gesetzen zu erklären. „Es ist speziell nach den Derby-Niederlagen eine Situation eingetreten, wo wir uns Gedanken machen müssen. Solche schwachen Leistungen können wir nicht akzeptieren“, sagt Geschäftsführer Dirk Rohrbach. Auch Neilson sagt: „Dieses Jahr macht es noch keinen Spaß.“

Die Füchse müssen ihrem Kader also schleunigst ein bisschen Spaß zuführen. Und die interne Analyse hat ergeben: Ohne externe Hilfe wird die Mannschaft nur schwer den Weg aus der Krise finden. Mit Joel Keussen hat in Bad Nauheim zwar ein Aktivposten sein Comeback gefeiert. Dafür steht mit Eric Mik ein anderer Verteidiger am Wochenende vorläufig zum letzten Mal zur Verfügung. Danach steigt der Youngster in die WM-Vorbereitung mit der deutschen U20 ein.

Stürmer auf Probe

Deshalb beobachten die Füchse sehr genau den Markt. „Wir müssen ein Zeichen setzen und der Mannschaft neuen Input geben. Es geht darum, den Spielern die Angst und die spürbare  Verunsicherung zu nehmen“, erklärt Rohrbach. Allerdings gibt der deutsche Markt  derzeit nicht viel her. Bis Donnerstag stellt sich mit Eddy Rinke-Leitans (28) ein Stürmer im Probetraining vor. Er dürfte im Falle einer Verpflichtung eher die Breite im Kader verbessern. Rinke-Leitans war in den vergangenen beiden Spielzeiten in der Oberliga aktiv und ist seitdem vereinslos. Zuletzt hielt er sich beim Füchse-Kooperationspartner in Hamburg fit.