Es sind keine einfachen Zeiten für die Eisbären Berlin und ihre Fans. Neben der 2:3-Heimniederlage gegen Red Bull München mussten sie am Montagabend auch noch Hohn und Spott von den Gästefans ertragen. „2. Liga – die Eisbären sind dabei“, sangen die Münchner Anhänger nach dem zehnten Auswärtssieg des souveränen DEL-Tabellenführers.
Ganz so weit ist der amtierende Meister nach 36 Spielen zwar noch nicht gesunken. Aber Platz 13 von 15 Teams in der DEL ist nicht nur weit entfernt von den eigenen Erwartungen, sondern gleichzeitig auch alles andere als ein Ruhekissen im Kampf um den Klassenerhalt. Genau – die Eisbären Berlin kämpfen in dieser Saison um den Klassenerhalt.
Statt den Traum vom dritten Meistertitel in Folge zu träumen, herrscht Abstiegsangst rund um die Arena am Ostbahnhof – und das schon seit Wochen. Der Vorsprung auf die Augsburger Panther ist am Montagabend auf sechs Punkte geschrumpft. Und Augsburg hat zwei Spiele weniger absolviert als die Eisbären.

Krise bei den Eisbären Berlin

Aus dem schwachen Saisonstart des Meisters ist längst eine handfeste Krise geworden. Und guter Rat wird langsam teuer. Die Durchhalte-Parolen ziehen sich genauso hartnäckig durch die zurückliegenden Wochen wie der vergebliche Kampf der Eisbären, sich aus der misslichen Lage im Tabellenkeller zu befreien. „Das Erste, worauf man derzeit immer guckt: Wie steht es beim Spiel der Augsburger?“, räumte Eisbären-Geschäftsführer Thomas Bothstede im Interview bei Magenta-Sport ein und wirkte dabei selbst ein wenig verblüfft. Statt nach oben zu blicken, geht der Blick nach unten. Der eindringliche Appell von Bothstede: „Wir müssen da unten raus, wir müssen punkten, wir müssen weiter Gas geben.“
Weiter, immer weiter, lautet das Motto. Aber die Eisbären Berlin treten eben auch weiterhin auf der Stelle. Warum sie trotz der zumindest dezent nach oben weisenden Leistungskurve nicht vorankommen, zeigte die Partie gegen Red Bull München. Die Mannschaft von Trainer Serge Aubin bekommt es derzeit einfach nicht hin, über die gesamten 60 Minuten eine ansprechende Leistung abzurufen. „Mit lediglich 30 Minuten gewinnt man kein Eishockeyspiel“, rügte Aubin deshalb seine Mannschaft nach der vierten Niederlage in Folge.
Das Spiel gegen Red Bull München ließ sich in der Tat in zwei grundverschiedene Hälften aufteilen. Nach 22 Minuten und drei Gegentreffern waren die Gastgeber im Prinzip schon raus aus dem Spiel. „Wir haben die erste Hälfte des Spiels komplett verschlafen. Da waren wir nicht auf dem Eis. Die Jungs wirkten wie eingefroren“, konstatierte Aubin.
Die beiden Treffer von Giovanni Fiore in der 34. und 35. Minute holten die Eisbären zwar noch einmal zurück in die Partie. Und sie waren auch der Startschuss für die durchaus ansehnliche zweite Hälfte aus Berliner Sicht. Aber mit dem Selbstvertrauen eines Tabellenführers und auch etwas Glück rettete München den knappen Vorsprung am Ende doch über die Zeit.
Deshalb treten die Eisbären Berlin weiter auf der Stelle. Und sie müssen weiter Durchhalteparolen bemühen. Die aktuelle Situation sei „schwer für jeden Einzelnen“, erklärte Aubin. Man arbeite natürlich „sehr hart, um aus dieser Situation herauszukommen“.
Ja, dieser Wille, endlich den Tabellenkeller der DEL zu verlassen, war den Eisbären zumindest in der zweiten Hälfte des München-Spiels anzusehen. Die erste Hälfte wiederum hat gezeigt, wie groß die Verunsicherung im einstigen Meisterteam mittlerweile geworden ist. Die Mannschaft tut sich schwer mit dem ungewohnten Druck im Tabellenkeller. In Summe ergeben zwei völlig unterschiedliche Hälften wie gegen München eben nur Platz 13 in der Tabelle.

Eisbären Berlin spielen gegen Köln

Die nächste Chance, daraus endlich mal komplette 60 Minuten auf ordentlichem Niveau zu machen, haben die Eisbären Berlin bereits an diesem Mittwoch (4. Januar). Ab 19.30 Uhr gastieren die Kölner Haie in der Arena am Ostbahnhof. „Am Mittwoch müssen wir gegen Köln von Beginn so spielen, wie wir heute aufgehört haben“, erklärte Doppeltorschütze Giovanni Fiore. Und Verteidiger Morgan Ellis meint: „Wir brauchen dringend Punkte. Köln spielt hart und sehr körperbetont. Da müssen wir dagegenhalten.“
Die Eisbären-Fans jedenfalls würden liebend gern einen Sieg ihres Teams bejubeln, anstatt sich erneut Hohn und Spott aus der Gästekurve anhören zu müssen.