Mit dem Bahnrekord schaffte sie die schnellste je in Europa gelaufene Zeit, die nur 0,70 Sekunden über ihrer persönlichen Bestzeit liegt. "Eine Superzeit, das war gut für mein Ego. Es war ein versöhnliches, wunderbares Wochenende", meinte die Inzellerin noch verschnupft, aber zufrieden. Zuvor hatte ihr Trainer Markus Eicher wegen der Folgen eines fiebrigen Infekts sogar vom Start in Berlin abgeraten. Nach dem Rennen strahlte aber auch der Coach. "Das war das erste Mal, dass wir unterschiedlicher Meinung waren. Jetzt bin ich heilfroh, so entschieden zu haben", fügte sie hinzu und lobte nach dem Rennen ihren neuen Anzug und die Kufen, die sie erstmals seit ihrem Olympiasieg 2002 vor Saisonbeginn gewechselt hatte.
Claudia Pechstein hingegen hatte tags zuvor mit dem Gewinn des Titels über 1500 m - ihres zehnten insgesamt - ihre Anwartschaft auf einen Platz im deutschen Trio für den olympischen Team-Wettbewerb unterstrichen. "Ich will beim Weltcup in Calgary im A-Team laufen. Ich glaube, das habe ich geschafft. Wenn das jemand anders sieht, würde mich das überraschen", sagte die 33-jährige Berlinerin nach dem Sieg in 1:59,76 Minuten über Team-Weltmeisterin Daniela Anschütz (Erfurt/2:00,88). Cheftrainer Helmut Kraus wollte sich hingegen in Sachen Team-Besetzungen für Calgary noch nicht festlegen.
Für einen Paukenschlag hatte am Wochenende in Calgary der 1500-m-Weltrekord (1:53,77 Minuten) der Kanadierin Cindy Klassen gesorgt. "Der war fällig. Jetzt werde ich alles daransetzen, ihn in zwei Wochen wieder zu unterbieten", meinte Friesinger. "Überraschend ist für mich nur der frühe Zeitpunkt. Ansonsten traue ich Cindy auf ihrer Spezialstrecke alles zu", meinte auch Pechstein, die als Saisonziel für Turin den Gewinn der fünften olympische Goldmedaille verkündete. "Priorität genießen die 3000 und die 5000 m. Aber auch im Team würde ich gern dabei sein", sagte die Berlinerin, die beim WM-Sieg des deutschen Trios im März nur an der Bande gestanden hatte.
Eine weitere Gewinnerin der Titelkämpfe war Jenny Wolf. Die 26-jährige aus Berlin holte sich erstmals den Titel über 500 m und ließ den vierten Sieg hintereinander über 100 m (10,65) folgen. Mit 38,54 Sekunden belegt sie Platz zwei der Weltrangliste und stieß in den Kreis der Medaillen-Kandidaten für die Turin-Spiele vor.
Bei den Herren ragten die Titel 14 und 15 für Christian Breuer (Grefrath) und die Zeit von Sprinter Dino Gillarduzzi heraus. Der Inzeller lief in 35,95 die schnellste Zeit eines Deutschen auf einer europäischen Bahn. Christian Breuer deklassierte über 1000 und 1500 m die Konkurrenz in Topzeiten von 1:10,80 bzw. 1:49,61. Bester Langstreckler war der Chemnitzer Marco Weber mit seinem Erfolg über 5000 m (6:38,21).