Über 50 Meter Freistil holte sich Steffen Deibler im Finale den im Vorlauf an den Berliner Rafed El-Masri verlorenen deutschen Rekord in 22,11 Sekunden zurück. Ebenfalls für Olympia qualifizierten sich gestern Helge Meeuw (Frankfurt/200 Meter Rücken) sowie Sarah Poewe (Wuppertal) und Anne Poleska (Krefeld) über 200 Meter Brust. Vor dem Schlusstag waren 21 Einzel-Tickets für Peking perfekt.
Britta Steffen war wieder obenauf. Über ihre Lieblingsstrecke 100 m Freistil ließ sie der Konkurrenz nicht die Spur einer Chance. Petra Dallmann (Heidelberg) war als Zweite in 54,90 Sekunden „Meilen“ entfernt. „Ich war ganz schön neben mir wegen der schlimmen Artikel“, bekannte Steffen, nachdem sie sich heftiger Kritik ausgesetzt sah. „Und ich denke, das war die richtige Antwort auf die Diskussion über meinen 200-Meter-Rückzug.“ Bundestrainer Manfred Thiesmann sagte: „Sie schwimmt über 100 Meter Freistil in einer anderen Liga.“
Im Sog von Steffen schaffte Antje Buschschulte als Dritte im letzten Versuch als Staffel-Starterin noch die Peking-Qualifikation. „Ich bin wahnsinnig erleichtert, dass es doch geklappt hat“, sagte die Magdeburgerin. Die Weltmeisterin über 100 m Rücken von 2003 darf nun bei ihren vierten Olympischen Spielen auch ohne Norm-Erfüllung wieder auf einen Einzel-Start hoffen. Ihr Freund Helge Meeuw löste nach seinem Europarekord über 100 m Rücken in 1:57,92 Minuten locker auch das Peking-Ticket über 200 m. Meeuw übte Selbstkritik: „Die Zeit ist international gesehen nicht gut genug.“
Sarah Poewe verpasste den deutschen Rekord über 200 m Brust in 2:25,53 Minuten nur um 2/10 Sekunden. Über 200 m Lagen brachte sich der deutsche Rekordhalter und Titelverteidiger Kamil Kasprowicz (Hannover) mit einem Wendefehler und folgender Disqualifikation schon im Vorlauf um alle Chancen. Sieger Markus Deibler (Biberach) schwamm in 2:02,23 Minuten ebenso an der Olympia-Norm vorbei wie Jenny Mensing (Wiesbaden) in 2:12,29 Minuten über 200 m Rücken.
Sprint-Sieger El-Masri sorgte für Verwirrung. „Ich will bei Olympia für Deutschland starten“, sagte der gebürtige Syrer. Die Frage: Darf er? Selbst Cheftrainer Madsen musste bekennen: „Ich weiß es nicht.“ DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff machte deutlich: „El-Masri hat eine doppelte Staatsbürgerschaft. Im Moment hat er kein Startrecht für Deutschland.“ Ein entsprechender Antrag des Berliners liegt vor, die Freigabe des syrischen Verbandes auch. Es fehlt aber noch das FINA-Okay.
Am heutigen Abschlusstag der deutschen Schwimmmeisterschaften in Berlin hat der Cottbuser Benjamin Starke (SG Neukölln) die Chance, über 100 Meter Schmetterling ein Olympia-Ticket zu ergattern. 52,26 Sekunden ist die erforderliche Norm-Zeit.