von Julian Münz

Es hat dann doch noch ein Jahr gedauert, dass Romy Kasper in ihrer Heimatstadt Forst endlich wieder im Bahnradoval fährt. Als beim Forster Europa-Kriterium im vorherigen Jahr die Wettkämpfe der Frauen-Elite ins Veranstaltungsprogramm aufgenommen wurden, hatte die 31-jährige Radsportlerin ihre Teilnahme fest eingeplant. Mehrere Stürze vor dem Wettbewerb im Juli 2018 verhinderten jedoch ihren Start. „Das hat mich schon sehr geärgert“, gibt Kasper heute zu. „Ich habe mich schließlich auch dafür eingesetzt, beim Europa-Kriterium wieder ein Frauenrennen nach Forst zu bringen; und war an der Organisation mit beteiligt“, erzählt sie. Bei der diesjährigen Ausgabe des Europa-Kriteriums feiert die Forsterin nun endlich ihr Heim-Comeback.

Frauenradsport kam beim Publikum gut an

Denn neben dem prestigeträchtigen Steherrennen setzen die Veranstalter vom PSV Forst in diesem Jahr erneut auf die Frauen-Elite, die bei ihrer Premiere in 2018 auch ohne die Lokalmatadorin Sympathiepunkte bei den Zuschauern sammeln konnte. „Die Frauenrennen sind im vergangenen Jahr sehr gut angekommen. Beim Abwägen der Termine war deshalb auch die Frage, an welchen Terminen wir die Frauen hierher bekommen“, verrät etwa PSV-Präsident Gerd Suschowk.

„Wir wollen den Frauenbahnradsport bei uns populär machen“, erklärt auch der sportliche Leiter des Vereins, Marcel Möbus – unter anderem auch, indem man sich das Ziel gesetzt hat, die Preisgelder zu erhöhen. Aber nicht nur deshalb sind einige Athletinnen dem Ruf des PSV Forst gefolgt. „Im vergangenen Jahr waren die Fahrerinnen begeistert von unseren Zuschauerzahlen. Dabei waren es da noch nicht ganz so viele“, sagt Möbus.

Kasper sieht sich nicht als Top-Favoritin

Romy Kasper freut sich ebenfalls, dass es im zweiten Anlauf endlich klappt mit dem Start beim Europa-Kriterium. „Es ist schön, dass ich endlich mal wieder vor heimischen Publikum fahren kann“, so die Lausitzerin, die im August noch bei den Straßen-Europameisterschaften im niederländischen Alkmaar unterwegs war. ‚Komm heil zurück‘, habe ihr der sportliche Leiter des PSV Forst mit auf den Weg gegeben, damit der Teilnahme beim Europa-Kriterium auch wirklich nichts mehr im Wege stehe. „Und es ist alles gut gegangen“, sagt Kasper.

Insgesamt haben sich 28 Frauen aus sieben Nationen für die Wettkämpfe auf der Forster Radrennbahn angekündigt. „Es sind fast alle aus dem vorherigen Jahr wieder am Start“, kann der sportliche Leiter Marcel Möbus vermelden. „Die deutsche Spitze ist komplett da. Und mit den Russinen, der Usbekin Olga Zabelinskaya und meiner Madison-Partnerin Trine Schmidt aus Dänemark ist das Rennen auch international gut besetzt“, schätzt Romy Kasper ein. Als Topfavoritin auf den Sieg sieht sie sich dabei nicht. „Mir geht es vor allem darum, Spaß zu haben und das Rennen zu genießen. Der Gewinn wäre da eher ein Zusatz“, so die frischgebackene Bronzemedaillen-Gewinnerin bei den Derny-Europameisterschaften.

Europa-Kriterium erstmals unter Flutlicht

In diesem Jahr haben die Veranstalter das Forster Europa-Kriterium auf zwei Tage ausgeweitet. Dank der neu errichteten Beleuchtungsanlage im Forster Rad- und Reitstadion herrscht am Samstagabend erstmals auch Flutlicht-Atmosphäre beim Europa-Kriterium: „Unter Beleuchtung wirken die Steherrennen doppelt so schnell. Das sollte man sich nicht entgehen lassen“, wirbt Marcel Möbus für einen Besuch bei der zweitägigen Veranstaltung.

Denn neben den Frauenwettbewerben liegt der Fokus beim Europa-Kriterium natürlich auch auf dem Großen Steherpreis der Sparkasse Spree-Neiße. Neun Fahrergespanne haben sich bisher für den Wettbewerb angemeldet, der in fünf Rennen und einem Finalwettkampf am Sonntagnachmittag ausgetragen wird. Im Teilnehmerfeld finden sich dabei mit dem Niederländer Reinier Honig und den Forstern Stefan Schäfer und Franz Schiewer auch die Steher-Europameister der letzten vier Jahre.