Von Jan Lehmann

Die Lausitzer Füchse starten in die DEL2-Saison, die Träume vom Meistertitel sind in diesem Spieljahr größer als wohl je zuvor. Die Konzentration gilt einem guten Saisonstart, und dennoch denkt man im Fuchsbau schon weit vo­raus. Geschäftsführer Dirk Rohrbach hat ein Freiluftspiel im Hinterkopf – aber nicht jenes „Hockey Open Air“ am 4. Januar 2020, bei dem die Weißwasseraner im Dresdner Fußball­stadion in einer Neuauf­lage des 2016er-Freiluftspektakels auf die Dresdner Eislöwen treffen. Vielmehr beschäftigt sich Rohrbach weiter mit der Möglichkeit, ein eigenes Freiluftspiel auszurichten.

Positive Rückmeldung der Dekra

Dass dafür das Stadion der Freundschaft von Energie Cottbus als Austragungsstätte in Betracht gezogen wird, ist bekannt. Die Füchse haben sich bereits mit dem FCE über mögliche Modalitäten ausgetauscht. Nun aber kommt ein zweiter Standort ins Spiel. Dirk Rohrbach bestätigte, dass die Weißwasseraner sich nach den Miet-Konditionen am Lausitzring erkundigt haben. Der Stand: Es gibt erste positive Rückmeldungen vom Ring-Betreiber ­Dekra aus Klettwitz, allerdings noch keine konkreten Absprachen.

Eishockey also dort, wo einmal im Jahr die DTM um die Kurven jagt und ansonsten auf der von der Dekra umgewidmeten Rennstrecke die technologische Zukunft geprobt wird? Automatisiertes Fahren, Telefonie mit 5G-Geschwindigkeit – und zwischendurch fliegende Pucks und knackige Bandenchecks? Ein spannender Füchse-Plan – Rohrbach denkt, dass er funktionieren kann. Der Geschäftsführer beschreibt: „Die Infrastruktur am Ring mit der großen Tribüne und der direkten Autobahnanbindung wäre von Vorteil. Zudem wäre es eine neue ­Kulisse für das Freiluftspiel.“

Zwei Freiluftspiele in diesem Winter

Bisher fanden derartige Spiele nur in Fußballstadien statt. Alle zwei ­Jahre veranstaltet die DEL2 im Wechsel mit der DEL diese besondere Eishockey-Partie  unter freiem Himmel, die Clubs können sich dafür als Ausrichter bewerben. In diesem Winter gibt es sogar zwei Freiluftspiele. Neben dem Füchse-Auftritt in Dresden findet im Offenbacher Fußballstadion am Bieberer Berg das Hessen-Derby EC Bad Nauheim gegen die Löwen Frankfurt statt.

Der Aufwand ist riesig, die Kosten sind immens. Beim Spiel 2016 in Dresden wurde eine 60 x 30 Meter ­große Eisfläche auf dem Rasen installiert. Dafür mussten 90 Kilometer Rohre verlegt werden, damit 180 000 Liter Wasser gefrieren konnten und eine bis zu zehn Zentimeter dicke Eisfläche entstand. Drei Stromgeneratoren und zwei Eis­maschinen waren im Einsatz. Rund 600 000 Euro ließen sich die Organisatoren das Spektakel kosten.

Finanzieller und organisatorischer Kraftakt

Für Rohrbach und seine Mitstreiter in Weißwasser ist die entscheidende Frage, ob der Eis­hockey-Zweitligist diesen Kraftakt finanziell und auch organisatorisch stemmen kann. Fest steht: Es müssten eine ­eigene Gesellschaft für die Ausrichtung dieses Spiels gegründet und zudem noch viele weitere Punkte abgeklärt werden.  So auch die Terminfrage: Theoretisch wäre die DEL2 im Januar 2022 wieder an der Reihe. Doch es gibt auch Gedankenspiele darüber, im Winter 2021 ein gemeinsames Freiluftspektakel von DEL und DEL2 auszurichten.

Hintergrund ist die neue Aufstiegsregelung. Nach jahrelangem Ringen um die Modalitäten haben die beiden Liga-Verbände beschlossen, dass es ab der Saison 2020/21 wieder Auf- und Abstieg zwischen beiden Spielklassen geben wird. Zuletzt war das 2006 möglich gewesen.

Energie bleibt erster Ansprechpartner

Für eine Vereinigung von DEL und DEL2 unter freiem Himmel wäre der Lausitzring wohl ideal – weil dort beispielsweise auch die Eisbären Berlin als naheliegender Ausrichter mit einsteigen könnten. Doch das sind noch Visionen, Rohrbach will indes weiter die Gespräche ­suchen. Er betont, dass vorerst Energie Cottbus sein erster Ansprechpartner bleibt. Der Füchse-Geschäftsführer sagt: „Es ist ausgemacht, dass wir uns mit ­Energie-Präsident Werner ­Fahle wieder zusammensetzen und besprechen, wie es funk­tionieren kann.“ Doch auch der ­Lausitzring bleibe weiter ein ­Thema, so Rohrbach.