Von Frank Noack

Der Höhenflug der Lausitzer Füchse in der DEL2 geht weiter. Mit dem 7:0-Kantersieg gegen die Tölzer Löwen setzte die Mannschaft von Trainer Corey Neilson ein erneutes Ausrufezeichen und liegt in der Tabelle der zweithöchsten Spielklasse weiterhin auf Platz drei. Getragen wird der Weißwasseraner Höhenflug natürlich in erster Linie von den Leistungsträgern wie Topscorer Jeff Hayes oder Clarke Breitkreuz, der mit 17 Treffern bester Torschütze des Teams ist.

Aber: Neben diesen erfahrenen Spielern entwickelt sich auch die vierte Angriffsreihe immer mehr zu einem ganz wichtigen Faktor. Am Sonntag gegen Bad Tölz waren die Spieler dieser Reihe an drei der insgesamt sieben Treffer beteiligt. Das ist eine durchaus bemerkenswerte Ausbeute, denn normalerweise ist die vierte Reihe eher dafür zuständig, den Leistungsträgern im Team etwas Luft zu verschaffen und darüber hinaus auch noch das Spiel des Gegners zu zerstören.

Aber was ist in diesen Tagen schon normal in Eishockey-Weißwasser? Kein Wunder also, dass Trainer Corey Neilson nicht nur die ganz normalen Ansprüche an seine vierte Reihe stellt. „Ich mag es nicht, den einzelnen Reihen feste Rollen zuzuweisen. Alle Blöcke müssen sich an das vorgegebene System halten. Wir wollen schnellspielen und das Spiel einfach halten“, erklärt Neilson und lobt: „Eigentlich ist es gar nicht der Job der vierten Reihe, so viele Punkte zu sammeln.“

Gegen Bad Tölz bildeten die jungen Ryan Warttig (21) und Thomas Reichel (19) gemeinsam mit dem erfahrenen Marius Schmidt (25) die vierte Reihe. Warttig war zwischenzeitlich an die Hamburg Crocodiles ausgeliehen, um in der Oberliga Spielpraxis zu sammeln. Reichel gilt als großes Talent und bestreitet als Förderlizenzspieler der Eisbären Berlin seine erste Saison in der DEL2. Schmidt hatte sich während der Vorbereitung im Sommer eine Handverletzung zugezogen und musste wochenlang pausieren. Inzwischen hat der mit 1,95 Meter größte Füchse-Akteur und Leistungsträger der Vorsaison aber seine Rolle im taktischen Konzept des neuen Trainers gefunden – als Bollwerk innerhalb der vierten Reihe. Und auch in Überzahl sowie Unterzahl kommt Schmidt mittlerweile wieder zum Einsatz. Auch ein junger Spieler wie Verteidiger Philip Kuschel (20) hat einen großen Entwicklungssprung gemacht.

Eine so starke vierte Reihe ist ein Stück Luxus in der DEL2. Denn nur wenige Teams verfügen im Moment über einen derart breiten Kader wie die Lausitzer Füchse, die dabei maßgeblich von der personellen Hilfe durch die Eisbären Berlin profitieren. Es ist ein Austausch, der beiden Clubs hilft. Die Füchse können sich auf gut ausgebildete Spieler des siebenfachen deutschen Meisters stützen. Und die Eisbären haben die Gewissheit, dass ihre talentierten Youngster in Weißwasser viel Einsatzzeit bekommen, um dann im nächsten oder im übernächsten Jahr bereit zu sein für die DEL. Spieler wie Maximilian Adam, Vincent Hessler und Charlie Jahnke haben diesen Weg in den vergangenen zwei Spielzeiten bereits erfolgreich absolviert und sind mittlerweile in der höchsten Spielklasse angekommen.

Dieser breite Kader ist zweifellos ein wichtiger Grund für den aktuellen Höhenflug der Lausitzer Füchse. Das zeigte sich auch beim 7:0-Kantersieg gegen Bad Tölz. 30 Minuten lang konnten die personell unterlegenen Gäste dem hohen Weißwasseraner Tempo einigermaßen standhalten. Dann aber wurden die Beine mehr und mehr müde, Bad Tölz brach auf dem Eis förmlich zusammen. „Im letzten Drittel hatten wir nicht mehr die nötige Kraft. Wir waren in jeder Hinsicht unterlegen“, erklärte anschließend der inzwischen entlassene Trainer Markus Berwanger und hatte beinahe Mitleid mit seinen Spielern: „Weißwasser hat einfach nicht aufgehört.“

Es war ein Spiel wie ein Steigerungslauf, bei dem auch die vierte Reihe bis zum Schluss munter das Tempo mitbestimmte.