Ein frühes Eigentor, Pfostentreffer und fünf völlig verrückte Minuten: Die SG Dynamo Dresden hat den Start in die neue Drittliga-Saison verpatzt und muss einen frühen Dämpfer bei der Mission Wiederaufstieg hinnehmen. Im Favoriten-Duell gegen 1860 München kassierten die Sachsen am Samstagnachmittag eine 3:4 (0:2)-Heimniederlage.
Vor 24 046 Zuschauern im Rudolf-Harbig-Stadion war erneut die Chancenverwertung das große Manko der Gastgeber. Kevin Ehlers mit einem Eigentor bereits in der 8. Minute sowie Stefan Lex (36.) sorgten für die Münchner 2:0-Führung zur Pause. Nach der Pause wurde es dann turbulent mit insgesamt vier Toren innerhalb von fünf Minuten. Für München traf Marcel Bär (68., 71.), für Dresden waren Dennis Borkowski (70.) und Neuzugang Manuel Schäffler (73.) erfolgreich. Für den 3:4-Endstand sorgte erneut Borkowski (82.) nach einer regelrechten Achterbahnfahrt in der zweiten Halbzeit.

Dynamo-Trainer Anfang „nicht so enttäuscht“

„Das war ein interessantes und intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen, Leidenschaft und Härte. Wir haben uns in der ersten Halbzeit zwar viele Chancen erspielt, aber zu leichte Gegentore bekommen. Aber wir haben uns nicht aufgegeben und bis zum Schluss an uns geglaubt“, sagte Dynamo-Trainer Markus Anfang. „Ich bin heute nicht so enttäuscht wie normalerweise nach einer Niederlage, weil wir eine gute Leistung gezeigt und tolle Fans hinter uns haben.“

Duell der Favoriten im Harbig-Stadion

Mit dem Duell Dynamo Dresden gegen 1860 München erlebte die 3. Liga gleich zum Start das Aufeinandertreffen von zwei Favoriten im Rudolf-Harbig-Stadion – eben einen „Paukenschlag“, wie es Löwen-Coach Michael Köllner schon im Vorfeld des Spitzenspiels formuliert hatte.
Beide Clubs gehören neben Erzgebirge Aue, dem FC Ingolstadt und dem 1. FC Saarbrücken zu den meist genannten Aufstiegskandidaten. „Unser Ziel ist der Aufstieg“, hatte Köllner nach zuletzt zwei undankbaren vierten Plätzen unmissverständlich als Saisonziel ausgegeben.
Dieses Ziel hat natürlich auch Dynamo Dresden. Bei den Sachsen gab nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga einen großen Umbruch unter dem neuen Trainer Markus Anfang. Beim Start in die Mission Wiederaufstieg standen am Samstag neben Kapitän Tim Knipping noch vier Spieler aus der letztjährigen Mannschaft in der Startelf der Gastgeber. Insgesamt 19 Profis haben den Verein verlassen – darunter Leistungsträger wie Torhüter Kevin Broll (Gornik Zabrze) sowie die Stürmer Christoph Daferner (Nürnberg) und Ransford-Yeboah Königsdörfer (HSV).

Frühes Eigentor durch Kevin Ehlers

Die Partie gegen die Löwen begann aus Dynamo-Sicht denkbar schlecht. Denn nach acht Minuten bekam Unglücksrabe Kevin Ehlers sogar kurz Trost von Schiedsrichter Timo Gerach aus Landau-Queichheim. Eine Flanke von Stefan Lex grätschte Ehlers ins eigene Tor.
Der Rest der ersten Halbzeit stand dann unter dem Motto: Dynamo-Stürmer Stefan Kutschke gegen 1860-Torhüter Marco Hiller. In der 3. Minute tauchte Kutschke nach einem Steilpass von Michael Akoto das erste Mal völlig frei vor Hiller auf. Und auch bei Kutschkes Versuchen in der 21. und 26. Minute blieb Hiller Sieger. Das sah zwar gut aus von Dynamo, das war auch geradlinig, aber eben nicht erfolgreich.
Doch auch die Gäste aus München um den Ex-Cottbuser Martin Kobylanski als offensiven Spielmacher zeigten immer wieder ihre spielerische Reife. In der 34. Minute wehrte Ehlers einen strammen Schuss von Kobylanski per Kopf zur Ecke ab. Kurz danach erhöhte Tim Rieder dann auf 2:0 für die Löwen – in der 36. Minute zog er couragiert in den Strafraum und schloss überlegt ab.
Und es wurde noch bitterer für Dynamo kurz vor dem Pausenpfiff. In der 39. Minute traf Dennis Borkowski nur den Pfosten. Den Abpraller versenkte Ahmet Metin Arslan zwar im Netz, stand dabei aber im Abseits.

Turbulente zweite Halbzeit

In der zweiten Halbzeit verlagerte sich die Partie dann noch mehr in die Hälfte der Gäste. Dynamo-Trainer Markus Anfang brachte in der 55. Minute mit dem erst am Donnerstag vom 1. FC Nürnberg verpflichteten Manuel Schäffler einen weiteren Angreifer. Es war der Start in die verrückteste Phase dieser Partie mit insgesamt vier Toren innerhalb von fünf Minuten. Anstoß – Tor, Anstoß – Tor, es klingelte im Minutentakt.

Dynamo Dresden zeigte auch nach dem 2:4-Rückstand viel Moral, konnte den Fehlstart in die neue Drittliga-Saison aber nicht verhindern. Borkowski gelang lediglich noch der 3:4-Anschlusstreffer (82.). In der Schlussminuten kam dann sogar Torhüter Stefan Drljaca mit nach vorn – ohne Erfolg.
„Das war ein völlig verrücktes Spiel. Im ersten Spiel weißt du nie so richtig, wo du stehst. Da war auch etwas Nervosität dabei. Aber es gibt nichts Schöneres, als auswärts 4:3 beim Auftakt zu gewinnen“, erklärte Martin Kobylanski von 1860 München.
Das Fazit von Dynamo-Neuzugang Manuel Schäffler: „Ganz wichtig ist, dass wir trotz der Gegentore nicht aufgesteckt haben und immer weiter Gas gegeben. Wir haben den Gegner bis zum Ende zittern lassen.“
Dynamo Dresden – 1860 München 3:4 (0:2)
Dynamo Dresden: Drljaca - Becker (84. Batista Meyer), Ehlers, Knipping, Park – Akoto, Arslan (79. Weihrauch) – Conteh (55. Schäffler), Kade, Borkowski – Kutschke.
1860 München: Hiller – Deichmann (40. Moll), Verlaat, Morgalla, Belkahia, Steinhart – Rieder – Kobylanski (63. Bär), Tallig (78. Greilinger) – Lakenmacher, Lex (63. Vrenezi).
Tore: 0:1 Ehlers (8.), 0:2 Rieder (36.) 0:3 Bär (68.), 1:3 (70. Borkowski), 1:4 Bär (71.), 2:4 Schäffler (73.), 3:4 Borkowski (82.); Schiedsrichter: Gerach (Landau-Queichheim); Zuschauer: 24.046; Gelbe Karten: Park, Knipping/Moll, Hiller.