Von Jan Lehmann

„Alle deutschen Fahrer bitte nach vorn!“ Beim Fototermin der DTM-Piloten auf dem Lausitzring werden verschiedene Gruppen gebildet: Die DTM-Neulinge gemeinsam auf einem Bild, die Fahrer mit ihren jeweiligen Teams. Und eben auch alle Deutschen auf einem Foto. Dass für diesen Schnappschuss mit Timo Glock, Marco Wittmann (beide BMW) sowie René Rast und Mike Rockenfeller (beide Audi) nur vier der 18 Piloten nach vorn treten, passt ins neue, internationale Bild der traditionsreichen Motorsport-Serie. Mit Mercedes hat ein großer deutscher Hersteller die DTM verlassen, die Briten von Aston Martin bringen neues Flair mit. Der Klettwitzer Dekra-Chef Volker Noeske stellt fest: „Mit Mercedes ist schon eine Tradition weggebrochen. Aber ganz weg sind sie ja nicht, in der ­Aston-Martin-Garage gibt es einige bekannte Gesichter.“ Er freut sich auf die neue Saison: „Der Sound ist anders, aber gut. Neue Technologien bieten immer die Möglichkeit, sich zu entwickeln.“

Doch wohin entwickelt sich die DTM? Es liegt sicher nicht nur an ­Aston Martin, dass in der Boxengasse auf dem Lausitzring fast nur noch Englisch gesprochen wird. Auch die Pressekonferenzen, bei der die Fragen bisher erst auf Deutsch und dann nochmal auf Englisch beantwortet wurden, sind inzwischen strikt internationalisiert. Deutsch wird dabei nicht gesprochen.

Der Grund liegt auf der Hand: Der neue DTM-Chef Gerhard Berger will die Rennserie retten – und die Rettung sieht er in Übersee. Mit der ­japanischen Serie Super GT soll es eine gemeinsame Zukunft geben. Die Reglements wurden schon vereinheitlicht, auch deshalb dröhnen die DTM-Piloten derzeit mit den neuen Zwei-Liter-Turbomotoren und mehr als 600 PS über den Lausitzring. Die Testtage in Klettwitz sind quasi nur ein Boxenstop auf dem Weg bis hin zum Fujiyama.

Zum Saisonfinale im Oktober soll es in Hockenheim schon drei Gaststarter aus Japan geben. Und im November findet im japanischen Fuji am Fuße des berühmten Vulkans dann ein erstes gemeinsames Rennwochenende der beiden ­Motorsport-Serien statt.

Für DTM-Chef Berger „ein Meilenstein“ – und für den Motorsport vermutlich ein äußerst lukratives Aufeinandertreffen der internationalen Automobilbranche:  In der Super-GT-Serie kommen Fahrzeuge von Honda, Lexus und Nissan zum Einsatz, die DTM bringt Audi, BMW und eben Aston Martin mit.

Die Pläne der DTM gehen aber noch weiter: Das nächste Überholmanöver könnte es in Richtung Australien geben. Dort gibt es die „Muscle Car“-Serie die ebenfalls Ähnlichkeiten zur DTM aufweist.

Im besten Austria-Englisch („We would love to be there“) bestätigt Berger auf dem Lausitzring derartige Gedankenspiele. Es habe bereits in Hockenheim Gespräche mit einer australischen Abordnung gegeben und Australien sei eine großartige Rennsportnation, schwärmt der DTM-Chef.

Bei so viel Expansionsdrang stellt sich für den Motorsport-Fan in der Lausitz natürlich die Frage: Was passiert mit den deutschen Traditionsrennen, wie jenem vor der Haustür in Klettwitz? Seit 2000 ist der Lausitzring fester Bestandteil des Rennkalenders und erlebt in diesem Jahr ein besonderes Motorsport-Jubiläum. Wenn die DTM vom 23. bis 25. August nach Klettwitz kommt, wird am Sonntag das 500. Rennen der DTM-Geschichte gestartet. Nicht nur deshalb gibt Berger Entwarnung. Der 59-Jährige, der den Lausitzring als „gigantische Strecke“ bezeichnet, betont: „Grundsätzlich ist der Kern unserer Meisterschaft in Deutschland. Wir haben 50 Prozent der Rennen hier, und das wird auch so bleiben.“

Noch kann man das Berger wohl so abnehmen. Erst wenn die Pressekonferenzen ausschließlich auf ­Japanisch abgehalten werden, sollte das nicht nur den DTM-Fans in der Lausitz spanisch vorkommen.

Bildergalerie Die DTM testet auf dem Lausitzring