René Rast blinzelte am Dienstag in der Frühlingssonne auf dem Lausitzring und grinste. Gut gelaunt stand der Audi-Pilot auf der Zielgeraden der Rennstrecke für Fotos und Interviews bereit. Die DTM testet in diesen Tagen auf dem Lausitzring, am 3. Mai beginnt die Saison der Traditionsserie auf dem Hockenheimring.

Und Rast gab fröhlich Antworten auf Fragen zum kommenden Rennjahr, nur etwa 100 Meter von jener Stelle entfernt, die vor knapp einem Jahr eine Schicksalskurve hätte werden können.

Es war die größte Schrecksekunde der DTM-Saison 2018, als Rasts roter Audi sich beim Samstagrennen auf dem Lausitzring hinter Kurve 8 mehrfach überschlug und nur noch eine Wolke aus Staub, Dreck und Blech zu sehen war. Der amtierende DTM-Meister war mit dem Franzosen Loic Duval kollidiert und konnte das Fahrzeug nicht mehr kontrollieren.

Wie kann man das überleben?

Erst als das Wrack zum Stehen gekommen war, konnten die Zuschauer auf der Tribüne in Klettwitz das ganze Ausmaß des Unfalls erkennen. Die Windschutzscheibe war komplett weg, auch das Dach war nicht mehr zu sehen. Man musste mit dem Schlimmsten rechnen. Wie sollte ein Fahrer dort lebend rauskommen? Rast hatte das Glück, mehr noch: Der Pilot blieb unverletzt. Er musste zwar zur Beobachtung ins Krankenhaus, konnte aber bereits am nächsten Tag am Streckenrand das Sonntagsrennen beobachten.

Die besonderen Sicherheitsvorkehrungen der Rennserie hatten ihm das Leben gerettet: Den DTM-Fahrer umgibt im Cockpit eine innovative Kombination aus Einheitsmonocoque und Sicherheitskäfig. Jedes DTM-Fahrzeug ist zudem mit Crash-Strukturen an beiden Seiten sowie vorne und hinten ausgestattet, die bei einem Aufprall möglichst viel Energie absorbieren sollen. Bereits seit 2002 ist das Tragen des HANS-Systems (Kopf- und Rückenstütze) Pflicht.

Blick von Kurve zu Kurve

Und heute? Der Unfall spielt für Rast keine Rolle mehr – sagt der 33-Jährige jedenfalls. Gegenüber der RUNDSCHAU versicherte Rast: „Daran habe ich gar keine Gedanken verschwendet, muss ich ehrlich sagen. Ich bin durch die Kurve gefahren, das hat sich angefühlt wie immer.“ Ohne Sorgen schaut der Audi-Pilot nach vorn und blickt auch schon auf das Lausitzring-Rennen vom 23. Bis zum 25. August in Klettwitz: „Einen Sieg habe ich hier noch nicht eingefahren, der fehlt noch. Von daher habe ich noch eine kleine Rechnung mit dem Lausitzring offen“, so der Vorjahreszweite der DTM.

Ausgerechnet die fehlenden Punkte vom Rennen in der Lausitz hatten ihm die Titelverteidigung vermasselt. Rast gibt sich entspannt und sagt: „Der Meistertitel ist zwar das Ziel, aber wir müssen schauen, wo wir am Anfang stehen.“ Er denkt wie seine Kollegen von Rennen zu Rennen, oder besser noch von Kurve zu Kurve. Schließlich könnte hinter jeder das Schicksal lauern.