Von Jan Lehmann

Er ist ein würdiger Sieger für die Motorsport-Geschiche: ­Audi-Pilot René Rast hat am Sonntag das 500. Rennen in der Geschichte der DTM gewonnen. Am Lausitzring siegte er vor seinem Markenkollegen Nico Müller. Der Schweizer hatte das Samstagsrennen für sich entschieden – und zwischen beiden Fahrern wird nun an den beiden verbleibenden Rennwochenenden der Titelkampf ausgefochten. Rast hat jetzt 20 Zähler Vorsprung vor Müller und bleibt angesichts der überzeugenden Vorstellung am Sonntag der Favorit.

Dass er das Jubiläumsrennen gewann, war folgerichtig – er ist derzeit der stärkste Fahrer im Feld. Der 32-Jährige hat in den zurückliegenden zwölf Monaten die Hälfte aller seither 22 ausgetragenen DTM-Rennen gewonnen. Und auch der Lausitzring war für ihn wieder eine Halb-und-Halb-Erfolgsgeschichte. Am Samstag nämlich musste der Führende der Gesamtwertung bereits nach 20 Runden wegen technischer Probleme in die Box. Statt Punkte gab es Frust – am Sonntag war es andersherum.

Bei der Fahrt über die Ziellinie vor der bemerkenswert gut gefüllten Haupttribüne ließ der 32-Jährige über den Boxenfunk seinen Freudenjauchzer los und sagte später: „Vielleicht stehe ich mit diesem Sieg ja tatsächlich in den Geschichtsbüchern.“ Nachdem er im Vorjahr wegen eines kapitalen Unfalls am Lausitzring die entscheidenden Punkte für die Meisterschaft verloren hatte, verbuchte Rast nun den Sonntagssieg als „Friedensangebot“. Er gab zu: „Lausitzring ist eine Strecke, die ich nie besonders gerne gefahren bin, weil sie mir nicht besonders liegt. Mit diesem Sieg komme ich nächstes Jahr aber vielleicht mit einem etwas besseren Gefühl her.“

Auf der Strecke hatte der Gesamtführende indes gezweifelt. Während viele Zuschauer mit freiem Oberkörper genüsslich in der Lausitzer Sonne badeten, hatte Rast angesichts der Hitze auf dem Asphalt seine Sorgen: „Hält das Auto? Halten die Reifen? Aber ich wusste, dass die Jungs bis zum Morgen geschraubt und alles getauscht haben.“

Im ersten Jahr nach dem DTM-Ausstieg von Mercedes legen Rast und seine Marken-Kollegen eine beeindruckende Bilanz vor. Bereits vier Rennen vor Saisonschluss konnten die Ingolstädter den Titel in der Herstellerwertung feiern. Die Übermacht war so groß, dass an beiden Renntagen jeweils nur drei Audi-Fahrer auf dem Podium standen.

Das ist sicher nicht im Sinne der DTM-Macher, auch Rast betonte: „Uns allen würde es gut tun, wenn verschiedene Hersteller vorn mit drin wären. BMW und Aston Martin müssen da ein bisschen aufholen.“ Ob das nächstes Jahr gelingt? Man wird es eines Tages im DTM-Geschichtsbuch nachlesen können.