Wie gut sind die deutschen Turner drauf? Das ist die zentrale Frage beim diesjährigen Turnier der Meister in Cottbus. Denn in zwei Wochen sind sie in Rio gefragt. Und dort soll nichts weniger als das Ticket für die Olympischen Spiele gelöst werden. "Für uns alle ist das Turnier deshalb eine wichtige Station", betonte Marcel Nguyen. "Wir sind froh, hier noch mal einen richtigen Test zu haben."

Nachdem der 28-jährige Unterhachinger am Donnerstag, dem ersten Qualifikationstag, den Einzug in die Finals am Boden und an den Ringen geschafft hatte, machte er am Freitag in der gut gefüllten Cottbuser Lausitz-Arena noch die Top Acht am Barren klar. Hier präsentierte er den Cottbusern seinen berühmten Tsukahara-Abgang, der nicht allzu oft zu sehen ist.

Am Königsgerät Reck hatte Nguyen indes so einige Mühe. Zwar meisterte er dort bei seiner hochkarätigen Übung die schwierigen Flugelemente. Beim Adler mit ganzer Drehung hatte er dann aber nicht genug Schwung, um in den Handstand zu kommen und musste vom Gerät. Richtig schade für Nguyen: Manch einer in der Arena raunte, dass es vermutlich noch nie so einfach gewesen sei, beim Cottbuser Traditionsturnier in den Endkampf am prestigeträchtigsten Gerät zu kommen.

Anders als Nguyen ist Andreas Toba dies gelungen. Der 25-Jährige aus Hannover ist derzeit gut aufgelegt. Vielleicht kann er am Reck für eine Überraschung sorgen. Am Barren könnten es sogar zwei Podestplätze werden. Neben Nguyen hat sich auch Lukas Dauser fürs Finale qualifiziert. Beide führten die Wertung sogar an.

Das Zeug zum Publikumsliebling hat unterdessen Sophie Scheder, wie sich an den zwei Qualifikationstagen angedeutet hat. "Ich glaube, dass mich die Zuschauer hier schon ein bisschen ins Herz geschlossen haben", sagte die als sehr bescheiden geltende 19-Jährige lächelnd. Für die Chemnitzerin ist es die dritte Teilnahme am Turnier der Meister. Scheder geht als Qualifikationsbeste am Stufenbarren und Zweite am Balken ins Wochenende. Auch für das Boden-Finale hat sie sich wie auch Antonia Alicke qualifiziert. Beim Weltcup in Stuttgart hatte Scheder jüngst sensationell im Mehrkampf triumphiert. "Mit diesem Erfolg und den Glücksgefühlen geht vieles natürlich einfacher", sagte sie.

Mit der einen oder anderen Podestplatzierung würde Sophie Scheder sicher viel Selbstvertrauen für die anstehende Aufgabe in Rio tanken. Denn auch für die deutschen Frauen geht es dort in zwei Wochen noch ums Ticket für die Olympischen Spiele.

Am Wochenende finden in der Lausitz-Arena die Finals statt. Beginn an beiden Tagen: 14 Uhr.

Samstag: Männer Boden (mit Marcel Nguyen, 8. der Qualifikation), Ringe (Andreas Toba, 5., Nguyen, 7.); Pauschenpferd; Frauen: Sprung (Antonia Alicke 8., Stufenbarren (Sophie Scheder 1.)

Sonntag: Männer Barren (Nguyen 1., Lukas Dauser 2.), Sprung, Reck (Toba 3.); Frauen Boden (Alicke 3., Scheder 5.), Balken (Scheder 2.)