"Wir wollen zuerst einmal vorbildliche Botschafter für unser Land sein", meinte Hörmann vor der Eröffnungsfeier am Freitag. "Ob es dann einige Medaillen mehr oder weniger werden, ist in diesem Zusammenhang als nachrangig zu sehen."

Der DOSB hat dennoch das Ziel ausgegeben, wie in London 2012 mit seinen 423 Athleten in den 306 Wettbewerben in 28 Sportarten wieder etwa 44 Medaillen zu gewinnen. "Erst einmal: Wir werden über jede Medaille jubeln", erklärte Hörmann. "Nach dem, was vor den Spielen in Sachen Doping aber alles diskutiert wurde, sollten wohl andere Werte für das Olympia-Team im Vordergrund stehen als nur die absolute Zahl von Medaillen."

Für ihn habe die "Verletzungs- und vor allem die Skandalfreiheit" oberste Priorität. "Denn, was wir einmal mehr schmerzvoll im Weltsport erkennen müssen: Erfolg um jeden Preis kann und darf nicht das Maß aller Dinge sein", betone Hörmann.

Wird es in Rio leichter sein, Medaillen zu gewinnen, weil Russland nach dem im Land festgestellten Staatsdoping nur mit einer dezimierten Mannschaft antritt? "Ich will nicht ausschließen, dass sich in einigen Sportarten die Chancen damit noch etwas erhöhen", sagte Hörmann. "Es gibt aber dazu bislang keinerlei Berechnungen oder Prognosen." Russland hat 2012 in London 82 Medaillen gewonnen.

Dass die deutschen Sportler sauber in die olympischen Wettkämpfe gehen werden, nimmt er stark an: "Davon gehe ich, wie in der Vergangenheit, aus."

Wer das deutsche Team in Rio als Fahnenträger anführt, wird am Donnerstag bekanntgeben. Zur Wahl stehen Timo Boll (Tischtennis), Moritz Fürste (Hockey), Lena Schöneborn (Moderner Fünfkampf), Kristina Vogel (Bahnradsport) und Ingrid Klimke (Pferdesport).