Hier wird meiner Meinung nach einem jungen Menschen unrecht getan", sagte der Wissenschaftler aus Heidelberg der Lausitzer RUNDSCHAU.
Nach Ansicht Frankes könne bei Hondo nicht von Doping ausgegangen werden. Der 31-Jährige war Ende März als Spitzenreiter der Murcia-Rundfahrt zunächst negativ getestet worden, einen Tag darauf fielen indes Analyse der A- und B-Probe des Madrider Labors positiv aus. "Carphedon ist ein extremes Wachhaltemittel. Am Abend vor der positiven Probe kann es Hondo nicht eingenommen haben, das wäre kontraproduktiv. Hätte er es vor der Etappe zu sich genommen, wäre in der Analyse ein viel kräftiges Signal gefunden worden. Die nachgewiesene Menge ist aber irrwitzig klein. Außerdem wusste er, dass er getestet wird", sagte der Molekularbiologe, der zusammen mit dem Heidelberger Sportrecht-Experten Michael Lehner Hondo vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) entlasten will.
Auch die Beschaffung von Carphedon - einem Aufputschmittel mit verkappter Amphetamin-Struktur - sei nach Ansicht von Franke für Hondo nahezu unmöglich gewesen. "An dieses Medikament kommt man nur durch bestimmte Kanäle nach Russland oder China. Dort wird es im militärischen Bereich und der Weltraumforschung eingesetzt. Käuflich ist Carphedon nicht erhältlich", erklärte Franke. Da die Analyse der Hondo während der Murcia-Rundfahrt verabreichten Medikamente sowie seiner Nahrungsergänzungsmittel keinen Hinweis auf Carphedon enthielten, nimmt Franke an, dass der positive Doping-Befund Hondos von einer "Restkontamination einer Wasserflasche" stamme. "Man kann sagen, hier ist einer reingefallen. Aus naturwissenschaftlicher Sicht bin ich nur einem Prinzip verpflichtet: der Wahrheit. Und hier stimmt etwas nicht. Deshalb stelle ich mich zur Verfügung" , sagte der 65-jährige Doping-Fahnder, der seit 1973 das Institut für Zellbiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg leitet.
Der aus Cottbus stammende Hondo ist noch bis zum 31. März 2006 gesperrt. Während der 31-jährige Radprofi mit Wohnsitz Ascona (Schweiz) - er hat eine wissentliche Einnahme stets bestritten ("Ich bin unschuldig.") - auf eine vollständige Rehabilitierung und einen Freispruch hofft, bestehen Radsport-Weltverband UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA auf die Regelsperre von zwei Jahren. Bei einem Freispruch hat Hondos ehemaliger Rennstall Team Gerolsteiner bereits eine Rückkehr signalisiert. Der Top-Sprinter wird sich bereits ab Ende November wie gewohnt in Südafrika auf die neue Saison und die Frühjahrsklassiker vorbereiten und zuvor schon mit Ronny Scholz (Cottbus/Gerolsteiner) in Bever bei St. Moritz (Frankreich) ein Höhentrainingslager beziehen.