Auf meiner rechten Schulter kann ich seit Wochen nicht liegen. Das Ausheilen einer Operation an den Sehnen hätte ich mir irgendwie einfacher vorgestellt. Schon routinemäßig greife ich mit der linken Hand auf meinen Nachttisch um den großen runden Knopf auf meinem Handy zu betätigen und die Eckdaten auszuwerten: Januar 2016, 7:31, 6 Wochen und 5 Tage nach dem operativen Eingriff. Jeden Morgen dieses Winters holt mich die ernüchternde Erkenntnis ein, ich wohne ganz anders als in den letzten Jahren weder auf einer warmen Kanareninsel noch in einem coolen Skigebiet, sondern zu Hause in Plessa.

Wer den Kopf im Sand stecken hat, kann den Ausblick nicht genießen. So oder so ähnlich kämpfe ich mich täglich aus der Aufwach-Depression dieses schmerzhaften Trainingswinters. Mein Gehirn muss jetzt ganz stark sein und schnell über alle ansprechbaren Synapsen den Beinen vermitteln, dass sie die Bettkante passieren und in den Trainingsraum rein müssen. Frühsport-Routine. Die Rollläden brauch ich nicht hoch machen, es ist eh zu dunkel und ich will auch gar nicht sehen, welche Nuance von grau mich heute wieder erwartet. Um nicht allzu desozialisiert zu sein, schalte ich den Fernseher im Hintergrund an. Flüchtlingskrise, Börsensturz, Unwetterwarnung … vielleicht doch lieber Musik aus meiner neuen Musikbox, die mir mein englischer Freund Nathan sehr weise als Motivation geschenkt hat. Spätestens jetzt müsste auch er wach sein. Selbst schuld.

Während ich fast schon hypnotisiert die Wiederholungen meiner Muskelkontraktionen runter zähle frage ich mich, wo in Plessa eigentlich die anderen sportbegeisterten Menschen sind. Hier gibt es vor allem lustige Karnevalsleute, aber auch erfolgreiche Angler, aktive Handballer, Fußballer, Kegler und vor allem viele Rentner. Dass wir mit der toll gepflegten und Spaß-garantierenden BMX Strecke nicht mehr junge Leute anwerben können, bleibt mir wohl für immer ein Rätsel. Immerhin kommen Sportler trotzdem zu uns, von überall her, nur nicht aus Plessa. Jedes mal, wenn ich nach Hause komme und meine morgendliche Joggingrunde an der Elster absolviere, hoffe ich irgendwo einen "Mitläufer" zu finden. Gleichgesinnte haben sich bisher immer gut vor mir versteckt aber eigentlich ging ich von ihrer Nicht-Existenz aus. Obwohl, eine Ausnahme gibt es schon lange - seit einigen Jahren besuche ich immer mal wieder eine der vielen Plessaer Sportgruppen der Physiotherapie meines Vertrauens von Kathrin Binder. Da machen Alt und Jung zusammen Sport, der selbst mich ab und zu an den Rand des Möglichen oder auch Unmöglichen bringt. Dabei wird ganz viel für die Bauchmuskeln getan, nämlich neben dem Training gelacht was das Zeug hält. Diesen Humor und das Zusammenleben der Menschen ist wohl das, was mir auf Reisen am meisten fehlt und das gibt es für mich nur in der Heimat.

Da ich diesen Winter jedoch länger als die gewöhnliche Woche in meinem Lausitzer Zuhause bin, habe ich mich auf die Suche nach noch mehr Hobby Athleten begeben… und bin fündig geworden. Wie eine Oase in der Sportler-Wüste ist mir das Maximus-Gym Fitness- und Rehastudio auf dem Platz-des-Friedens zum ersten mal aktiv aufgefallen. Im Olympiastützpunkt Cottbus hatte ich damals viel im Kraftraum trainiert und das unter besten Bedingungen mit anderen Profis zusammen. Als mich Studio-Chef Marcus Voll dann durch die Trainingsräume führt bin ich echt begeistert. Und sowas gibts in meinem Dorf Plessa. Seitdem bin ich Stammgast und freue mich jedes mal über die bunte Mischung von aktiven Senioren und richtig motivierten Kraftpaketen beim gemeinsamen Training. Vorurteile sollte ich in Zukunft dauerhaft zu Hause lassen und unserer Region mehr zutrauen. Umso mehr ich die Welt bereise, umso größer wird der Lausitz-Fan in mir.