Ein frecher Kerl, der auch mal für einen Spruch gut ist, und so eine Bereicherung für die Bundesliga.

Und trotzdem erscheinen mir in diesen Tagen gerade ältere Semester wie Freiburgs Christian Streich (51) oder St. Paulis Ewald Lienen (63) in Liga zwei noch wertvoller als Koryphäen à la Nagelsmann, Thomas Tuchel oder Pep Guardiola bis zu seinem Wechsel im Sommer. Wer noch nicht mitbekommen hat, dass Streich ein außergewöhnlicher Gentleman ist, der hat dies spätestens im ZDF-Sportstudio am Samstag vor Augen geführt bekommen, als der pure Badener wieder mal einen Appell an seine Mitmenschen richtete ("Es geht nicht darum, wo jemand herkommt, sondern wie jemand ist. Wie kommen wir denn gerade im Fußball, wo manchmal zehn verschiedene Nationen auf dem Platz stehen, auf die Idee, andere Menschen auszugrenzen?").

Stunden zuvor hatte sich Ewald Lienen vor seinen in Hannover in der Kritik stehenden Trainerkollegen Daniel Stendel gestellt ("Ich frage mich, wie man in einer Situation, wo man kurz davor ist, in die Bundesliga zurückzukehren, den Trainer infrage stellen kann? Das ist lächerlich!").

Der deutsche Fußball braucht solche Intellektuellen. Trainer wie Streich und Lienen, den sie in Hamburg in Anlehnung an den kubanischen Revoluzzer Che Guevara "Chéwald" nennen, sind das Gewissen der Bundes liga. Sie stehen ein für Werte und Moral, sie beziehen Stellung zu Themen, die über den Sport hinausgehen, und sie stellen ein Gleichgewicht her in dieser oftmals opportunistischen Branche. Auch Nils Petersen, in Freiburg Spieler unter Streich, ist angetan von seinem Übungsleiter. "Wenn es Themen gibt, wie Terror oder den US-Wahlkampf, ist auch Trump ein Thema", sagte Petersen der Sport Bild. "Es ist schön, einen Trainer zu haben, der über den Tellerrand hinausblickt und uns sagt, wie er denkt, weil wir sehr im Fußball-Tunnel stecken."

Die Bundesliga sieht sich stets im Konkurrenzkampf mit England, Spanien und neuerdings auch China. Wir haben aber nicht die beste Liga der Welt wegen Lewandowski und Aubameyang oder wegen Tribünen wie der Dortmunder "Süd". Wir haben die beste Liga wegen Persönlichkeiten wie Christian Streich und Ewald Lienen, die es fertig bringen, in diesem Geschäft zuallererst Mensch zu bleiben.