Der triumphale Siegeszug von Emma Hinze bei der Bahnrad-Weltmeisterschaft begann vor ziemlich genau einem Jahr recht unspektakulär. Auf der Bahn in Frankfurt (Oder) holte sich die 23-jährige Cottbuserin damals den Feinschliff für ihre drei WM-Titel in Berlin. „Das waren ganz schön intensive Einheiten“, erinnert sich Hinze.
Den Lohn für diese Anstrengungen fuhr sie dann auf dem Velodrom in Berlin mit einem völlig überraschenden Dreifach-Triumph im Teamsprint, Sprint und Keirin ein. Emma Hinze stieg in dieser einen Woche Ende Februar/Anfang März zur neuen Sprintkönig auf. Ihre drei Regenbogentrikots konnte sie seitdem allerdings noch nie im Wettkampf präsentieren, weil die Corona-Pandemie sämtliche Planungen über den Haufen war. Auch die für 2020 geplanten Olympischen Spiele in Tokio mussten um ein Jahr verschoben werden. „Jedes Mal, wenn ich das Regenbogentrikot im Training anziehe, merke ich, was ich damals in Berlin erreicht habe“, sagt Hinze. „Das macht stolz mich stolz. Aber ich bin auch hungrig auf mehr.“

Emma Hinze in Griechenland

Immerhin: Weil wegen Corona die Wettkämpfe ausfielen, konnte die gebürtige Hildesheimerin zumindest ihre Knieverletzung auskurieren, die sie im vergangenen Sommer plagte. Nun sei alles wieder okay, versichert Hinze. Doch auch in diesem Jahr steht die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Mit der Sprint-Nationalmannschaft des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) war Hinze kürzlich im Trainingslager auf Rhodos in Griechenland. Der BDR hatte drei Villen für die zehn Sportler und vier Betreuer angemietet. Vor dem Abflug wurde der gesamte Tross getestet. „Die Villen waren ziemlich abgelegen. Es gab keinerlei Kontakt zu anderen Menschen“, berichtet Emma Hinze.
Das gesamte Training ist erneut auf die Olympischen Spiele ausgerichtet. Sie sollen nun vom 23. Juli bis 8. August stattfinden. „Ich hoffe sehr, dass vorher noch einige Wettkämpfe möglich sind. Wenn man nicht bei Wettkämpfen starten kann, dann sitzt man wie auf heißen Kohlen“, räumt die Cottbuserin ein. Allerdings muss sich auch die dreifache Weltmeisterin erst noch im deutschen Team für Tokio qualifizieren. Ein automatisches Startrecht sehen die Regularien nicht vor.
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Cottbus

Bei der Nominierung dürfte jedoch kaum ein Weg an der neuen deutschen Sprintkönigin vorbeiführen. Zu dominant und vor allem nervenstark waren ihre Auftritte vor gut einem Jahr in Berlin. Ob und unter welchen Bedingungen die Olympischen Spiele stattfinden können, ist wegen Corona weiterhin offen. Auch Emma Hinze ist nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres vorsichtig geworden. „Ich glaube erst, dass Olympia wirklich stattfindet, wenn ich dort bin. Sollten die Spiele wieder abgesagt werden, wäre das sehr schwierig für uns Sportler. Es würde uns erneut den Boden unter den Füßen wegziehen“, räumt Emma Hinze ein.
Über die möglichen Rahmenbedingungen – zum Beispiel, ob mit Fans oder ohne – mag sich die Dreifach-Weltmeisterin derzeit noch keine Gedanken machen. Vorranging gehe es darum, überhaupt starten und sich mit den weltbesten Fahrerinnen in Tokio messen zu können. „Wenn dann keine Fans im Stadion zuschauen und es sich anfühlt wie im Training, wäre das sehr komisch. Aber damit werde ich klarkommen. Es wäre mir lieber, als dass es komplett ausfällt“, betont Emma Hinze.

Hoffnung auf Olympische Spiele

Diese Hoffnung auf die Olympischen Spiele ist ihre große Motivation nach der langen Wartezeit ohne Wettkämpfe. Denn spätestens in Tokio will Hinze dann auch ihr Regenbogentrikot präsentieren, was ja eigentlich schon für August 2020 geplant war. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, lautet das Motto von Emma Hinze. „Ich bin noch jung. Für mich macht es keinen Unterschied, dass Olympia in diesem Jahr stattfindet und nicht im letzten Jahr. Ich sage mir einfach: Olympia wurde halt lediglich um ein Jahr verschoben.“
Bei der Bahnrad-WM 2020 in Berlin siegte Emma Hinze im Teamsprint, Sprint und Keirin.
Bei der Bahnrad-WM 2020 in Berlin siegte Emma Hinze im Teamsprint, Sprint und Keirin.
© Foto: Frank Hammerschmidt