Viel hat nicht gefehlt für Lea Sophie Friedrich und Emma Hinze bei der Bahnrad-Europameisterschaft in Apeldoorn im Teamsprint – zur Goldmedaille und um gleichzeitig etwas zu schaffen, was ihren Vorgängerinnen Miriam Welte und Kristina Vogel nicht gelungen ist. Das deutsche Erfolgsduo, das 2012 Olympia-Gold gewann und viermal Weltmeister wurde, konnte bei sechs Anläufen nie EM-Gold holen.

Friedrich/Hinze durften nach Bestzeit in der Qualifikation kurzzeitig von Titel träumen, mussten sich aber im Finale in 33,179 Sekunden Titelverteidiger Russland (32,496) geschlagen geben. Aber auch mit Silber beim Meisterschaftsdebüt gab es allseits strahlende Gesichter im deutschen Lager.

„Ich bin auf jeden Fall zufrieden, denn wir hatten nicht mit einer Medaille gerechnet“, sagte Friedrich, die nach dem Rücktritt von Welte vor drei Wochen kurzfristig die Position als Anfahrerin einnahm. „Bei mir war es noch verbesserungsfähig. Im ersten Lauf war ich sehr aufgeregt, dann hat es sich gelegt und es ist immer besser geworden. Emma ist Super-Zeiten auf der Position zwei gefahren“, lobte die 19-Jährige ihre Partnerin, mit der sie erst zum zweiten Mal zusammen startete.

Hinze setzte nach EM-Bronze 2018 und WM-Bronze 2019 (jeweils mit Welte) ihre Erfolgsserie fort und präsentierte sich in Top-Verfassung zum Auftakt einer langen Saison mit den Höhepunkten Heim-WM in Berlin und Olympische Spiele 2020 in Tokio. „Ich bin auf der zweiten Runde so schnell gefahren wie noch nie – ich bin echt erleichtert“, sagte die 22-Jährige, die in dieser Verfassung auch in den Einzeldisziplinen eine wichtige Rolle spielen könnte.

Das kontinuierliche und verletzungsfreie Training in Cottbus bei Alexander Harisanow zahle sich immer mehr aus. „Letzte Saison wurde ich so reingeworfen, vieles war neu. Dieses Jahr konnte ich schon viel spezifischer arbeiten“, erklärte Hinze.

Dass Friedrich auf ihrer ersten Runde noch nicht absolute Spitzenzeiten anbieten konnte, hilt der Cottbuserin momentan. „Bei Miriam musste ich immer kämpfen, an ihrem Hinterrad zu bleiben. Lea gibt mir fast die ganze Runde Windschatten und wird hinten raus schneller, was mir entgegenkommt“, so Hinze über die Gründe für ihre Top-Zeiten.

„Für die Frauen war es ein sehr, sehr gutes Ergebnis“, freute sich Bundestrainer Detlef Uibel. „Emma ist eine Welt-Spitzenzeit gefahren. Lea wurde nach dem Welte-Rücktritt ins kalte Wasser geworfen – das hat man ein bisschen gemerkt.“ Von einem abgeschlossenen Übergang vom Erfolgsduo Welte/Vogel zu Friedrich/Hinze wollte der Bundestrainer deshalb auch noch nicht sprechen: „Im Teamsprint gehört es dazu, dass man auf beiden Positionen ausgeglichen besetzt ist. Da haben wir noch ein Stück Arbeit vor uns.“

Bei den Männern stand zwar am Ende der vierte Platz zu Buche, angesichts der Vorgeschichte waren Uibel & Co. ebenfalls sehr zufrieden. Im kleinen Finale unterlagen die Cottbuser Eric Engler, Maximilian Levy und der Erfurter Marc Jurczyk in 43,600 Sekunden gegen Frankreich (43,206). „Wir haben uns tapfer geschlagen. Ich gehe mit einem guten Gefühl aus dem Wettbewerb und sehe mich auf meinen Weg bestätigt. Auf der zweiten Runde war ich schneller als vor 20 Monaten bei der WM an gleicher Stelle“, sagte Levy, der aufgrund personeller Probleme erst am Montag kurzfristig zur Mannschaft gestoßen war und in Apeldoorn noch im Keirin startet.

Eric Engler steigerte sich bei seinem internationalen Meisterschaftsdebüt als Anfahrer von Runde zu Runde. „Man sieht, dass es vorwärts geht. Natürlich muss ich noch schneller fahren, wenn wir international vorn wieder reinfahren wollen. Aber es war ein erster wichtiger Step“, sagte der 28-Jährige, der seit dem Frühsommer in Cottbus bei Bill Huck trainiert und unter dem ehemaligen niederländischen Erfolgscoach den Sprung nach Tokio schaffen will.