Von Steven Wiesner

Wenn es ernst wird auf den Rennstrecken dieser Welt und darum geht, Edelmetalle für den Deutschen Ruderverband (DRV) zu gewinnen, dann ist Daniela Schultze so gut wie nie zuhause. Im Laufe einer Saison kann die Ruderin aus Cottbus schon mal mehrere Wochen am Stück unterwegs sein. „Oft komme ich nur zum Wäschewaschen zurück und dann geht‘s auch schon wieder weiter“, sagt die 28-Jährige. „Man könnte sogar sagen, dass ich ein Dreivierteljahr umsonst Miete zahle.“ Insofern ist es fast schon erstaunlich, dass ihre Nachbarn nicht schon mal die eine oder andere Vermisstenanzeige aufgegeben haben.

Doch so sieht das Leben einer Profi-­Ruderin nun mal aus. Und dieses geschäftige Leben hat sich Daniela Schultze selbst ausgesucht. Im Jahr 1999 fing sie mit dem Rudern an beim Cottbuser Rudersportverein (CRSV), wo Papa Sven noch immer Trainer ist. Bis 2006 besuchte sie die Lausitzer Sportschule, wo sie sich parallel auch noch als Leichtathletin versuchte. Dann zog sie als Teenagerin zum Bundesstützpunkt nach Potsdam, wo sie bis heute zuhause und in der Sportfördergruppe der Bundespolizei gelistet ist.

Mittlerweile ist aus dem kleinen Mädchen, das sich einst beim CRSV am Skullen versuchte, eine Ruderin geworden, die zu Deutschlands Elite gehört und ab Sonntag bei der Ruder-WM in Österreich mit dem Doppelvierer zu den Mitfavoriten zählt.

2012 war Daniela Schultze bereits bei den Olympischen Spielen in London gestartet – damals noch mit dem Riemen, wo ein Sportler im Gegensatz zum Skullen nur auf einer Seite des Bootes rudert. Doch nachdem sie die Sommerspiele in Rio vier Jahre später verpasst hatte, bekam ihre Karriere einen kleinen Knick. Die Lausitzerin dachte sogar daran, Abstand vom Leistungssport zu nehmen. „Der Dämpfer war 2016 schon groߓ, sagt sie heute. Noch größer aber war ihr Traum, es auch als Skullerin nochmal ins Olympische Dorf zu schaffen. Und dafür arbeitet sie noch immer akribisch.

Die 1,85 Meter große Blondine wechselte zum Doppelvierer, der ähnlich wie der Deutschland-Achter bei den Männern das deutsche Aushängeschild bei den Frauen ist und 2016 Olympia-Gold über die 2000-Meter-Distanz holte. „Das ist ein Erfolgsboot über Jahrzehnte“, sagt sie. „Die Leute gucken immer als Erstes, was der Doppelvierer gemacht hat.“ 2017 machte er mit der Cottbuserin im Boot erstmal den EM-Titel klar. 2018 erlebte Daniela Schultze dann aber ein Jahr mit vielen Verletzungen. „Ich musste meinen Körper erstmal einigermaßen in Schwung kriegen, um wieder durchstarten zu können.“

Und das gelingt nun anno 2019 mit Bravour. Im Juli haute Schultze mit ihren drei Kolleginnen richtig einen raus und gewann in Rotterdam ihre erste Weltcup-Medaille überhaupt. „Dass es dann auch noch Gold wurde, war umso schöner. Es ist schön, von allen Regatten Medaillen zu haben.“

Doch ihre Sammlung ist noch nicht komplett. Im Erwachsenenbereich fehlt ihr auch noch eine Plakette von einer Weltmeisterschaft. „Eine WM-Medaille würde mir auch gut gefallen“, lacht sie laut auf. Wohlwissend, dass Schultze & Co. durch den Weltcup-Erfolg zwar zu den meistgehandelten Booten gehören auf der Regattastrecke in Ottensheim. „Die Konkurrenz wird uns diese Medaille aber nicht schenken.“ Und mit 1200 Athleten aus 80 Ländern werden zwischen dem 25. August und dem 1. September so viele Sportler um die Titel streiten wie nie zuvor.

Nichtsdestotrotz wird die Cottbuserin mit dem Doppelvierer nach dem Titel greifen. Und wenn sie den erstmal in der Tagesschau bejubeln darf, werden sie auch ihre Nachbarn endlich wieder zu Gesicht bekommen und wissen, dass sie sich keine Sorgen machen müssen.