Es hätte ein spannendes Sport-Wochenende in der Lausitz werden sollen. Stattdessen herrscht schmerz­hafte Stille. Wegen der Corona-Krise mussten das ADAC MX Masters in Fürstlich Drehna und auch das Pokal-Halbfinale von Grün-Weiß Lübben abgesagt werden. Für die Lausitzer Füchse aus Weißwasser ist die Saison sogar bereits komplett beendet. Die Rundschau erklärt, wie es an den drei Standorten am Wochenende eigentlich sein sollte – und wie die Realität aussieht.

ADAC MX Masters

So hätte es sein können: Die Motorsport-Karawane ist wieder da. Hunderte Motocross-Fahrer sind nach Fürstlich Drehna gekommen und machen mit ihren Wohnwagen und Anhängern Station auf der Rennstrecke „Rund um den Mühlberg“.

So sieht die Realität aus: Der Lausitzer Nachwuchsfahrer Maximilian Spies gibt Gas und schleudert den Sand mit seinen Reifen durch die Luft – allerdings nur auf Instagram, wo er alte Videos von sich hochlädt. Motorräder werden an diesem Wochenende nicht zu hören und zu sehen sein im Luckauer Ortsteil.

Aber: Es gibt schon einen Nachholtermin. Während einer der acht Rennveranstalter der MX Masters-Serie komplett absagen musste, holt der MSC Fürstlich Drehna sein Wochenende am 5./6. September nach. Anstelle des Auftaktrennens der Saison an diesem Wochenende wird man dann den vorletzten Saisonlauf austragen. „Wir fangen organisatorisch wieder bei Null an“, sagt Christian Lehmann, der Vereinsvorsitzende. Nur die Genehmigungen für Straßensperrungen oder vom Umweltamt haben weiterhin Bestand und werden nach hinten datiert. Für Werbung und andere Dinge hat der MSC dagegen schon 5000 bis 6000 Euro investiert, die er auch nicht mehr zurückbekommt. Lehmann: „Wir können nur abwarten, wie sich alles entwickelt, und ob es wirklich bei dem neuen Termin bleibt.“

Lausitzer Füchse

So hätte es sein können: Für die Lausitzer Füchse steht am Sonntag die siebte und entscheidende Partie um den Klassenerhalt auf dem Programm. Nachdem Weißwasser in der Playdown-Serie gegen Landshut den 3:3-Ausgleich (Modus „best of seven“) schaffte, kann das Team von Trainer Corey Neilson nun mit einem Sieg vor heimischem Publikum den Klassenerhalt perfekt machen.

So sieht die Realität aus: Die DEL2 hatte bereits vor zwei Wochen die Saison abgebrochen. Die meisten Profis haben Weißwasser inzwischen verlassen. Von den ausländischen Spielern sind lediglich Kale Kerbashian und Mike Hammond noch vor Ort und suchen fieberhaft nach Heimflügen.

Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach ist täglich sechs bis acht Stunden am Telefon und arbeitet das Saisonende auf. Das Kurzarbeitergeld ist beantragt – eine Entscheidung steht noch aus. „Die Situation ist für alle Beteiligten sehr ungewohnt und anstrengend. Wir müssen gemeinsam nach Lösungen suchen und den Fortbestand der Lausitzer Füchse sichern“, sagt Rohrbach.

Für die beiden fiktiven Heimspiele sind bislang rund 1000 Tickets verkauft. Bis Samstag haben die Fans noch die Möglichkeit, die bereits gekauften Karten für das Landshut-Spiel zurückzugeben. Laut Rohrbach hat etwa die Hälfte der Kartenkäufer auf eine Rückgabe verzichtet. Zuzüglich der Sponsoren- und Dauerkarten rechnet Rohrbach mit etwa 3500 bis 4000 Karten zur Unterstützung der Lausitzer Füchse.

In den nächsten Tagen soll es auch erste Informationen zum Kader für die kommende Saison geben. Auf der Liste der Abgänge dürften Spieler wie Kapitän Clarke Breitkeuz, Topscorer Mike Hammond, Jordan George und Joel Keussen stehen, die bei anderen Clubs gehandelt werden. Torhüter Mac Carruth wird in Weißwasser bleiben. Marvin Cüpper, der bei den Eisbären Berlin keinen neuen Vertrag bekommt, ist dagegen kein Thema. Corey Neilson und Chris Straube sollen auch in der kommenden Saison das Trainergespann bilden.

Grün-Weiß Lübben

So hätte es sein können: Der SV Grün-Weiß Lübben bestreitet am Samstag sein Spiel des Jahres – vielleicht sogar das größte Spiel seit seinem Bestehen. Der Fußball-Sechstligist aus dem Spreewald hat sich zum ersten Mal überhaupt für das Halbfinale des Landespokals qualifiziert und fordert dort den Rekordsieger Babelsberg 03 heraus. 2000 Zuschauer werden erwartet.

So sieht die Realität aus: Zuschauer werden das Stadion der Völkerfreundschaft am Wochenende nicht fluten. Keine 2000, keine 100, gar keine. Das Halbfinale ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Bis zum 19. April hat der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) den gesamten Spielbetrieb ausgesetzt. Ob und wann es weitergeht mit dem Amateurfußball, bleibt abzuwarten. „Es ist zurzeit alles vorstellbar. Wir spielen alles durch vom Worst Case bis zum Best Case“, hatte FLB-Geschäftsführerin Anne Engel vor einer Woche in der Rundschau erklärt. Lübbens Vereinssprecher Roy Fischer bestätigt, dass alle Tickets die Gültigkeit besitzen, sollte das Spiel nachgeholt werden. „Falls es ausfällt, bekommen alle, die im Vorverkauf Karten gekauft haben, natürlich das Geld zurück“, versichert Fischer.

Lübbens-Trainer Vragel da Silva braucht sich also noch keine Gedanken machen, mit welcher Taktik und Aufstellung er dem zwei Ligen höher spielenden Favoriten entgegentreten will. Und sein Abwehrchef und Kapitän René Trehkopf muss ab 15 Uhr auch keinen Gegenspieler bewachen. Stattdessen kann er sich um 14.15 Uhr vor den Fernseher setzen. Dort zeigt der SWR alte Fußball-Klassiker in voller Länge. An diesem Samstag: das DFB-Pokalfinale zwischen Energie Cottbus und dem VfB Stuttgart aus dem Jahr 1997. Trehkopf war damals Nachwuchsspieler beim FCE.