Nie wurden vor Saisonbeginn so viele Dauerkarten verkauft (über 400 000), nie haben Sponsoren so viel Geld für Trikotwerbung ausgegeben (fast 130 Millionen Euro) und selten gab es einen solch einsamen Meisterschafts-Favoriten wie in diesem Jahr. Alle 18 Bundesliga-Trainer nannten in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur den FC Bayern München als Titelfavoriten. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für das Magazin "Playboy" unter 1000 Menschen erwarten fast zwei Drittel (64 Prozent), dass der Titelverteidiger am Ende wieder vorne steht. 28 Prozent trauen dem Rekordmeister sogar den Champions-League-Sieg zu.
Dabei haben die Bayern mit Klinsmann zwar eine neue Ära an der Säbener Straße in München eingeleitet, doch auf dem Transfermarkt hat sich Deutschlands Vorzeige-Club nach der Rekord-Investition des Vorjahres diesmal zurückgehalten. Die ersten Auftritte des Favoriten in den Vorbereitungsspielen und im DFB- Pokal waren allerdings eher mäßig. So setzte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer seinen neuen Coach auch gleich unter Druck. "Jürgen Klinsmann hat viel auf den Kopf gestellt. Jetzt müssen auch die Ergebnisse stimmen, sonst nützen die Veränderungen nichts", sagte Beckenbauer vor dem Eröffnungsspiel heute gegen den Hamburger SV.
Das meiste Geld für Neuzugänge gaben Clubs aus, die dem FC Bayern im Nacken sitzen und einen Angriff auf die Spitzenposition planen. Der VfL Wolfsburg investierte 25,5 Millionen Euro in "Neue", Schalke 04 gab 15,5 Millionen, Bayer Leverkusen immerhin noch 11,4 Millionen aus. Die "Wölfe" leisten sich in Andrea Barzagli und Christian Zaccardo sogar zwei italienische Weltmeister. "Unser Ziel war und ist es, uns in der Bundesliga-Spitze zu etablieren und international zu spielen", begründete VfL-Coach Felix Magath die hohen Investitionen.
Insgesamt hielten sich die 18 Erstliga-Clubs auf dem Transfermarkt jedoch deutlich zurück und gaben fast 55 Millionen Euro weniger aus als im Rekordjahr vor der vergangenen Spielzeit. Dafür zahlt sich allmählich die verbesserte Jugendarbeit aus. Die U 19-Junioren-Auswahl bescherte dem DFB kürzlich mit dem EM- Gewinn den ersten Titel seit 16 Jahren, die U 17 wurde im Vorjahr WM-Dritte. Spieler wie Marko Marin (Borussia Mönchengladbach), Toni Kroos (Bayern München) oder der zurzeit verletzte Torhüter Manuel Neuer vom FC Schalke haben sich längst in den Blickpunkt gespielt.
Viel Bewegung gab es auf dem Trainermarkt. Fünf der 15 Bundesligisten aus dem Vorjahr setzen auf neue Übungsleiter, darunter mit Bayern München, dem Hamburger SV (Martin Jol), Schalke (Fred Rutten) und Bayer Leverkusen (Bruno Labbadia) vier etablierte Vereine. Außerdem gab es nie mehr ausländische Trainer in der Bundesliga als heutzutage: Ein Drittel der Clubs setzt auf drei niederländische, zwei Schweizer und mit Bojan Prasnikar beim FC Energie Cottbus auch einen slowenischen Trainer. (dpa/noc)