Die Bundesliga-Referees Lutz Michael Fröhlich und Manuel Gräfe sowie die Assistenten Olaf Blumenstein und Felix Zwayer erklärten gestern, dass sie den 25-jährigen Hoyzer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) angezeigt hätten. Gegenüber dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses, Volker Roth, hätten sie am vorigen Mittwoch mit ihrem Schritt auf "Hinweise, Informationen und Zeugenaussagen rund um die Spielleitungen von Hoyzer" reagiert.
Zugleich unterstrichen die vier Unparteiischen, dass sie keinen direkten Zusammenhang zwischen Hoyzers Entscheidungen und möglichen Wett-Betrügereien hergestellt hätten. "Wir betonen, dass wir Hoyzer weder des Wettens auf eigene Spielleitungen und des Betrugs bezichtigt noch irgendwelche Hintergründe oder weitere Personen damit in Zusammenhang gebracht haben", heißt es in der Erklärung.
Hoyzer steht in Verdacht, als Schiedsrichter mindestens fünf Spiele im DFB-Pokal, in der 2. Bundesliga und Regionalliga manipuliert zu haben, um Spielausgänge zu erreichen, auf die zuvor hohe Wetteinsätze getätigt worden waren. Zudem soll er versucht haben, auf die nicht von ihm geleitete Zweitliga-Partie Rot-Weiß Essen gegen den 1. FC Köln (2:2) Einfluss zu nehmen. Schiedsrichter-Assistent Felix Zwayer bestätigte, zur Manipulation aufgefordert worden zu sein.
"Es gab den Versuch, mich zu beeinflussen. Ich sollte durch meine Entscheidungen Einfluss auf das Spiel nehmen", sagte der 23-Jährige, der in diesem Zusammenhang aber nicht den Namen Hoyzer nannte. "Die drei, die dieses Spiel geleitet haben, sind außer Verdacht", betonte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger, dass man beim DFB nach wie vor die "Einzelfall-Theorie" verfolgt. Der ehemalige Spitzenschiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder (60) sagt hingegen: "Ich fürchte, das, was wir bisher wissen, ist nur die Spitze des Eisbergs."
Beim DFB befürchtet man offenbar eine beträchtliche und möglicherweise organisierte kriminelle Energie im Umfeld von Hoyzer, der alle Vorwürfe bestreitet und inzwischen einen Anwalt eingeschaltet hat. Darauf deutet hin, dass im DFB-Präsidium darauf gedrängt wurde, die Polizei einzuschalten.
Bei einer Vollversammlung morgen will der DFB die 44 Unparteiischen aus der 1. und 2. Liga über den Stand der Dinge informieren und Verhaltensregeln ausgeben.
Inzwischen hat der Norddeutsche Fußballverband (NOFV) auf die Affäre reagiert und ein Wettverbot für alle Schiedsrichter und Assistenten verhängt. Das erklärte Klaus Ladwig, Schiedsrichter-Obmann des NOFV in Sachsen-Anhalt, gestern in einem Radio-Interview. Mit sofortiger Wirkung seien Wetten jeglicher Art zu allen Spielen in Spielklassen, bei denen Sportfreunde als Schiedsrichter oder Schiedsrichterassistenten fungieren, durch den Schiedsrichterausschuss des NOFV verboten. (dpa/tus)