"Wir müssen einfach die Defensive wieder ins Licht rücken, nur so hat man eine Chance, das hat die letzte Weltmeisterschaft gezeigt", erklärte Ballack gestern auf der offiziellen DFB-Pressekonferenz in Düsseldorf. 30 Stunden vor dem Anpfiff des letzten Stimmungstests vor dem WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni in München äußerte der Kapitän eine umfangreiche Wunschliste: Ganz oben auf der Prioritätenliste des Leitwolfes stehen 90 Minuten ohne Gegentor. "Zu Null spielen gibt Sicherheit und Vertrauen in die eigene Stärke", sagte Ballack.

Auch für sich persönlich äußerte Ballack einen Wunsch. Er erwartet, dass drei Tage nach dem ernüchternden 2:2 gegen Japan das Experiment mit ihm im halbrechten Mittelfeld nicht wiederholt wird. "Ich gehe davon aus, dass ich wieder ins Zentrum rücke." Bei seinem Auftritt vor den Medien ließ der Kapitän durchblicken, dass er offenbar nicht nur für sich sprach, sondern die Ansichten im deutschen WM-Kader gebündelt nach Außen tragen wollte. "Wenn jeder seine Meinung kund tut, haben wir ein Chaos", erklärte er. Der Bundestrainer wisse, "wie ich und einige andere denken".

Ballacks Ansichten basieren auf einer klaren Einschätzung der deutschen WM-Chancen nach langer Testphase unter Klinsmann. "Über zwei Jahre konnten wir die Schwächen nicht abstellen." Co-Trainer Joachim Löw sah die Probleme gegen Japan allerdings mehr in einer "geistigen Müdigkeit" am Ende der Vorbereitung begründet. Und für eine Behebung der Abwehrprobleme verlangte Klinsmanns Assistent ein kollektiv besseres Defensivverhalten.

Von einer "Diskrepanz der Denkweise" zwischen dem Kapitän und der sportlichen Leistung könne in "keinster Weise" gesprochen werden, betonte Löw. Er forderte für das Kolumbien-Spiel eine bessere Raumaufteilung und mehr taktische Disziplin: "Wir verlieren manchmal die Organisation." Um diese zu verbessern, plädiert Ballack für eine defensivere Grundordnung: Weniger Offensiv-Attraktion, mehr Abwehr-Stabilität. Als beispielhaft führte der Kapitän den Confed-Cup 2005 an, als man mit totaler Offensive gegen Australien 4:3 gewann und im zweiten Spiel gegen Tunesien mit einem kompakten 4-4-2-System "unheimlich kontrolliert" mit 3:0 siegte.
Gegen Kolumbien dürfte Bernd Schneider wieder die Position im rechten Mittelfeld übernehmen. Rechts hinten wird statt Schneider der Berliner Arne Friedrich zurückerwartet, links steht Philipp Lahm nur 16 Tage nach seiner Ellbogen-Operation vor einem Comeback. Klinsmann plant mit einem Teileinsatz des Münchners, allerdings muss der Schiedsrichter den Einsatz mit einer Spezialschiene erlauben. "Es geht so gut, dass ich spielen kann", sagte Lahm.

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