Von Thomas Juschus

Anfang 2018 ist Maximilian Levy bei der WM in Apeldoorn seine letzte internationale Meisterschaft gefahren, 20 Monate später kehrt der inzwischen 32-Jährige an gleicher Stelle in dieser Woche in die Bahnrad-Nationalmannschaft zurück. Nach den Ausfällen von Keirin-Europameister Stefan Bötticher (Magen-Darm-Probleme) und von Ex-Weltmeister Joachim Eilers (Verengung der Luftwege) nominierte Bundestrainer Detlef Uibel den Cottbuser kurzfristig für die Europameisterschaften in den Niederlanden (16. bis 20. Oktober) nach.

„Ich bin in guter Form und freue mich auf die EM“, sagt Levy. Eigentlich wollte der viermalige Weltmeister erst am zweiten November-Wochenende beim Weltcup in Glasgow sich nach seinem Ausflug zum Triathlon auf internationalem Top-Niveau zurückmelden und für die Heim-Weltmeisterschaft 2020 in Berlin sowie seine vierten Olympischen Spiele in Tokio in Stellung bringen. „Ich hatte die EM in Apeldoorn nicht im Kalender, da ich im Sommer die Qualifikationsrennen nicht gefahren bin. In den letzten Tagen haben sich aber die Probleme in der Mannschaft zugespitzt. Nachdem der Verband UEC meine Nachmeldung akzeptiert hat, habe ich Bundestrainer Detlef Uibel zugesagt“, berichtet Levy.

Nach Verzicht auf EM 2018 in Glasgow und WM 2019 in Pruszkow wird die Europameisterschaft für Levy eine echte Standortbestimmung. Neben der Auszeit zugunsten der Familie – im März wurden Levy und seine Frau Madeleine zum dritten Mal Eltern – wagte der ­Keirin-Europameister von 2017 auch einen Ausflug zum Langdistanz-Triathlon. Am 29. Juni absolvierte Levy den „Ironman“ Frankfurt/Main in 12:21,38 Stunden, verlor dafür sieben Kilogramm an Gewicht und stellte sein Training auch auf Schwimmen und Laufen um. Inzwischen liegt der Fokus aber wieder voll auf dem Bahnsprint: „Meine ,Schnellfahrmuskel’ sind wieder zu sehen“, sagt Levy augenzwinkernd über seine Oberschenkel. Auch fünf Kilogramm an Muskelmasse hat der Cottbuser wieder zugelegt.

Eventuell kommt der Routinier gleich zum EM-Auftakt am Mittwoch im Teamsprint zum Einsatz. Sicher ist sein Start im Keirin in Apeldoorn – bei der WM vor 20 Monaten an gleicher Stelle wurde er Dritter. In seiner „Schokoladendisziplin“ konnte der Weltmeister von 2009 in den letzten Wochen bereits reichlich Selbstvertrauen tanken. Bei sechs Keirin-Starts im In- und Ausland gewann Levy fünfmal, darunter die direkt unterhalb des Weltcups angesiedelten C1-Rennen in Presov, Pruszkow und Aigle. Als Notnagel fühlt sich Levy nach den Ausfällen von Bötticher und Eilers deshalb nicht: „Meine Zeiten und Rennen haben gestimmt. Es war zu sehen, dass ich wieder was drauf habe“, sagt Levy. Und das will er jetzt auch bei der EM beweisen.

Eric Engler aus Cottbus wird zum Auftakt der EM das Teamsprint-Trio in Schwung bringen. In der Vorbereitung setzte sich der 28-Jährige gegen den EM-Dritten Timo Bichler (Dudenhofen) und den gebürtigen Finsterwalder Nik Schröter durch und feierte damit nach dem Wechsel zu Trainer Bill Huck und der Konzentration auf die Anfahrer-Position einen ersten wichtigen Etappensieg. „Bei der EM muss Eric die Fortschritte jetzt beweisen und Wettkampfstabilität zeigen“, fordert Bundestrainer Uibel.

Emma Hinze geht im Teamsprint nach dem Rücktritt von Miriam Welte (Kaiserslautern) mit Lea Sophie Friedrich (Dassow) an den Start. Nach Platz drei bei EM 2018 und WM 2019 jeweils mit Welte will Hinze auch in der neuen Konstellation erfolgreich fahren. „Ich bin topfit und will es jetzt zusammen mit Lea hinkriegen“, sagt die 22-Jährige, die zudem in Sprint und Keirin an den Start gehen wird und in Top-Form eine Medaillenkandidatin ist.