von Julian Münz

Football-Trainer Jörg Steudtner will endlich wieder nach oben. „Es wird relativ schwer, aber die zweite Liga ist auf jeden Fall unser Ziel“, gibt sich der Headcoach der Cottbus Crayfish kämpferisch. Es soll zurück gehen dort hin, wo die Lausitzer Footballer vor sieben Jahren in ihrer Debüt-Saison sogar überraschend am Tor zur German Football League klopften, im Jahr darauf aber wieder abstiegen. Seitdem heißt der Alltag für das Cottbuser American-Football-Team Regionalliga Ost.

In der Tabelle würde sich selbst mit einem hohen Sieg im nächsten Spiel für die Cottbuser aber erst mal nicht viel ändern. Auf Platz drei von sechs Mannschaften steht das Team aus der Lausitz – mit beruhigendem Vorsprung auf die hinteren Plätze zwar, aber auch schon mit mindestens drei Punkten Abstand zu den Berlin Adlern und den Spandau Bulldogs, die beide noch ohne Niederlage sind. Die kurzfristigen Ziele formuliert Steudtner wohl auch deshalb vorsichtiger: „Unser Ziel ist es, am Ende unter den ersten drei zu stehen“, so der Trainer. Seine Hoffnung setzt der 45-Jährige dabei auch in den August, wenn die Cottbus Crayfish direkt hintereinander auf beide vor ihnen platzierten Mannschaften treffen.

Einziges Nicht-Berliner Team in der Liga

Was beim Blick auf die Tabelle ebenfalls auffällt: Nach dem Rückzug der Tollense Sharks bleiben die Cottbus Crayfish als einziges Team der Liga übrig, dass nicht aus Berlin kommt. Das habe Vor- und Nachteile, urteilt Crayfish-Headcoach Jörg Steudtner. So habe der Verein in der Lausitz quasi ein Spieler-Monopol, da nur wenige regelmäßig den Weg bis nach Berlin auf sich nehmen würden. „Man kommt aber auch schlecht an andere Spieler und Coaches heran“, sagt Steudtner.

Und so kann der Regionalliga-Kader der Crayfish mit einem hohen Lausitz-Anteil aufwarten. „Wir haben noch drei oder vier Spieler, die aus Berlin kommen, die aber auch direkte Beziehungen zu unseren Spielern haben“, so Steudtner. Dazu kommen etwa mit Quarterback David Vega oder Andrew Walock Spieler aus den USA, die dort schon auf deutlich höherem Niveau im College Football aktiv waren. „Die wollen mal raus aus Amerika, Europa kennenlernen und dabei Football spielen“, erklärt Steudtner die Motivation der Verstärkungen aus Übersee. „Das Wichtigste ist aber, dass diese Spieler als Trainer fungieren“, so der 45-Jährige.

Noch kein Football-Hype in der Lausitz

Seitdem die Crayfish zum letzten Mal in der German Football League spielten, hat sich hierzulande auch das Interesse am American Football verstärkt. War der Sport noch vor wenigen Jahren höchstens eine Randnotiz wert, hat er sich mittlerweile einen Stammplatz in den deutschen Medien erkämpft. Spiele der amerikanischen Football-Liga NFL werden regelmäßig im Fernsehen übertragen, deren Finale, den Super Bowl, verfolgten im Februar über eine Millionen Menschen in Deutschland. Auf lokaler Ebene will die Begeisterung für Football laut Steudtner aber noch nicht ankommen. „Einen richtigen Hype können wir nicht wirklich feststellen“, resümiert der langjährige Trainer der Cottbus Crayfish. Zwar seien auch mal Spieler zum Probetraining gekommen, die das Spiel im Fernsehen gesehen hätten und es mal ausprobieren wollten, „aber es ist ja auch ein Unterschied, ob man selber spielt oder sich das nur anguckt“.

Verbesserungsbedarf sieht der Trainer auch bei den Zuschauerzahlen im Cottbuser Sportzentrum: „Dieses Jahr war es ein bisschen blöd, weil ein Spiel wegen Schiedsrichtermangels kurzfristig abgebrochen wurde. Aber wir würden uns allgemein mehr Zuschauer wünschen bei unseren Spielen“, so Steudtner. 200 bis 400 Besucher begrüßt der Verein aktuell bei den Spielen – je nach Gegner und der Brisanz des Spiels. Ob American Football sich in der Stadt und der Region bald zum Teamsport Nummer zwei hinter dem übermächtigen Fußball mausert, kann Jörg Steudtner nicht sagen.  „Es wäre aber nicht schlecht, wenn wir dahin kommen würden.“