Gerhard Berger (57) steht wieder im Rampenlicht. Als neuer Chef des Deutschen Tourenwagen Masters soll der ehemalige Formel-1-Fahrer das angekratzte Image der Serie aufpolieren. Am ersten Mai-Wochenende startet die DTM traditionell mit den Rennen auf dem Hockenheimring.

Wann und wie wird der Fan merken, dass Gerhard Berger nun der neue DTM-Chef ist?
Berger Ich hoffe, das hat er schon gemerkt. Es gibt mehrere Phasen. Jetzt gilt es zu schauen, wo man kurzfristig Einfluss nehmen und die eine oder andere Verbesserung anbringen kann. Reglementsthemen müssen wohl überlegt sein. Hier hat die DTM in der Vergangenheit schon vieles richtig gemacht. Deswegen muss man behutsam an die Themen rangehen. Das ist eher mittelfristig zu sehen, also 2018, 2019.

Wird es beim Auftakt etwas geben, was auf Sie zurückzuführen ist?
Berger Vielleicht schon die eine oder andere Sache. Schaun' wir mal.

Konkreter wollen Sie noch nicht werden?
Berger Nein.

Wer hat gefragt, ob Sie den langjährigen Chef Hans Werner Aufrecht beerben wollen?
Berger Man hat mich nicht gefragt, ob ich den Hans Werner Aufrecht beerben will. Man hat mich gefragt, ob ich an dieser Aufgabe interessiert wäre. Das waren die drei Hersteller.

Die meisten Entscheidungen, die diese Saison betreffen, standen bereits fest, als Sie die Aufgabe übernommen haben. Haben Sie die Befürchtung, dass Sie gelobt oder kritisiert werden für etwas, für das Sie gar nichts können?
Berger Das ist egal. In dem Moment, wo ich mich für die DTM entschieden habe, gehöre ich dazu. An den guten und schlechten Tagen.

Was halten Sie von den Regeländerungen für diese Saison? Es gibt zwei gleich lange Rennen, die Autos haben etwas mehr Leistung, Heizdecken für die Reifen sind verboten, beim Boxenstopp sind weniger Mechaniker erlaubt.
Berger Das ist die richtige Richtung. Aber man muss die ersten zwei Rennen abwarten, bevor man sagen kann, was wirklich funktioniert.

Ihr Neffe Lucas Auer fährt für Mercedes, in den vergangenen Jahren waren Sie noch Beobachter. Was sind die Stärken der DTM?
Berger Deutschland ist ein extrem starkes Tourenwagenland. Das ist eine Stärke der DTM, dass sie diese Fangemeinschaft hinter sich hat. Zudem hat man die drei Premiumhersteller in dieser Serie. Gut und durchdacht ist auch das technische Konzept der Serie. Da ist schon viel Gehirnschmalz drin.

Worüber haben Sie sich als Beobachter am häufigsten geärgert?
Berger Ich glaube, dass die Rennen noch etwas spektakulärer sein könnten. Wie wir das erreichen wollen, kann ich noch nicht genau sagen. Da müssen wir noch ein bisschen denken.

Was halten Sie davon, dass es nur 18 Fahrzeuge gibt?
Berger Das ist die untere Grenze. Ich würde lieber mehr sehen. Es ist okay. Aber hoffentlich sind wir in der Lage, zukünftig wieder mehr Autos an den Start zu bringen.

Wie groß sollte das Starterfeld am besten sein?
Berger Ich hätte am liebsten 60 Autos ... Spaß beiseite: Die heutigen Dimensionen der Rennstrecken vertragen ein großes Starterfeld. Sonst verliert man sich da. Mehr Autos wären besser. Eine Zahl Mitte 20 wäre ideal.

Mit Gerhard Berger sprachen Maximilian Haupt und Arno Wester