Von Jan Lehmann

Es war der 3. September 2000, da pfiffen sich die Motorsport-Fans auf dem Lausitzring unter ihren Regenschirmen den Frust von der Seele. Erstmals sollte die DTM auf der neuen Rennstrecke starten, doch beide geplanten Rennen wurden wegen sintflutartiger Regenfälle abgesagt. Ex-Formel-1-Pilot Jochen Mass erklärte damals als ZDF-Kommentator das Dilemma: „Die Strecke ist noch neu, da steht das Wasser zu lange und kann nicht ablaufen. Die Oberfläche ist zu glatt, die Reifen haben überhaupt keinen Abtrieb.“ Opel-Chef Volker Strycek gab zu Protokoll: „Unter derartigen Voraussetzungen wäre ein Start fast lebensgefährlich. Das ist kein Regen, es schüttet, sowas habe ich noch nie zuvor erlebt.“

Es war ein Novum in der DTM, dass ein Rennen komplett abgesagt werden musste – und genau dieses Novum beschert dem Lausitzring nun 19 Jahre später einen Feiertag. Denn wenn es diese beiden Rennen damals gegeben hätte, so hätte die Serie bereits vor zwei Wochen in Brands Hatch ihr 500. Rennen erlebt. So aber wird am Lausitzring das Jubiläum gefeiert.

Eine Genugtuung für die Motorsportfans im Osten – in den vergangenen 19 Jahren hat sich der Lausitzring laut DTM-Werbung zum „modernsten Traditionskurs“ entwickelt. Und so darf in der Lausitz gefeiert werden, wenn am Sonntag das Rennen um den Jubiläums-Sekt ansteht. Enttäuschte Pfiffe sind nicht zu erwarten: Es wird ein sonniges Wochenende angekündigt – eine Sintflut ist nicht in Sicht.

Die RUNDSCHAU nennt die wichtigsten Fakten zum Jubiläums-Wochenende auf dem Lausitzring.

Die DTM:

Am 11. März 1984 siegte der Deutsche Harald Grohs auf dem Circuit Zolder in den Niederlanden in einem BMW 635 CSi – es war das erste DTM-Rennen der Geschichte. Seither gab es 342 Veranstaltungswochenenden mit 498 Rennen auf 38 verschiedenen Rennstrecken. Spitzenreiter ist hier der Hockenheimring (93), vor dem Nürburgring (80) und dem Norisring (46).

Die Rekordfahrer:

Die meisten Fahrertitel, nämlich fünf, sammelte Bernd Schneider. Die zweitmeisten Titel gingen an Klaus Ludwig, der drei Mal DTM-Champion wurde. Schneider und Ludwig führen auch drei weitere DTM-Statistiken an: die meisten Rennsiege (Schneider 43, Ludwig 37), die meisten Punkte (Ludwig 1823,5, Schneider 1808,5) und die meisten Starts (Schneider 236, Ludwig 219).

Die Hersteller:

Aktuell sind mit Audi, BMW und Aston Martin drei Hersteller am Start, insgesamt waren schon 18 verschiedene Auto-Firmen in der DTM dabei. Dazu zählen noch: Alfa Romeo, Chevrolet, Fiat, Ford, Mazda, Mercedes, MG, Mitsubishi, Nissan, Opel, Rover, Toyota, Vauxhall, VW und Volvo.

Der Lausitzring:

Mit dem 25. Lausitzring-Rennen am Sonntag, das gleichzeitig das 500. DTM-Rennen der Geschichte ist, rückt die östlichste Rennstrecke Deutschlands auf Rang vier in der ewigen Statistik der Serie vor. Rekordsieger in Klettwitz ist Gary Paffett (4 Erfolge), der allerdings nicht mehr in der DTM fährt. Jamie Green (3/Audi) könnte ihn am Wochenende einholen oder gar übertrumpfen.

Das Wochenende:

Audi-Pilot René Rast (206) kommt mit 37 Punkten Vorsprung an den Lausitzring. Im Vorjahr hatte er bei einem Horrorcrash in Klettwitz viel Glück, dass ihm das Sicherheits-Cockpit im Auto das Leben rettete. Nun kämpft er mit Markenkollege Nico Müller (169) und BMW-Pilot Marco Wittmann (147) im Titelendspurt um die Führung. Audi könnte bereits an diesem Wochenende schon den Gesamt­sieg in der Hersteller-Wertung klarmachen.

Die Rennen:

Jeweils Samstag und Sonntag  werden die DTM-Rennen um 13.30 Uhr gestartet. Sat.1 überträgt live, die DTM wird in mehr als 30 Ländern ausgestrahlt. Auf dem 4534 Meter langem Rundkurs müssen die Piloten 44-mal pro Runde schalten. Sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 275 Stundenkilometern.