Rein rechnerisch kam 2015 in Brandenburg jeden zweiten Tag ein Mensch im Straßenverkehr ums Leben. In absoluten Zahlen waren es laut Verkehrsunfallbilanz 179 - gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 29 Prozent. Bezogen auf eine Million Einwohner liegt die Mark mit 73 Toten bundesweit an der Spitze.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) nannte die Entwicklung am Montag besorgniserregend. "Es kann und darf uns nicht gleichgültig lassen, wenn die Zahl der Unfälle in unserem Land steigt und die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall zu Tode zu kommen, deutlich zunimmt", sagte er bei der Vorstellung der Statistik. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle und der Verletzten stieg.

Es wurden 80 723 Unfälle registriert, ein Plus von 1,8 Prozent. Insgesamt wurden 10 771 Verletzte erfasst, was eine Steigerung um 0,1 Prozent bedeutet.

Obwohl sich laut Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) kein Muster für diese Entwicklung abzeichnet, ereigneten sich die meisten der dramatischen Unfälle in der zweiten Jahreshälfte. Einen Zusammenhang mit der aktuellen Flüchtlingskrise und der Überlastung der Polizei sind laut Schröter nicht nachweisbar, ausschließen konnte er dies aber auch nicht.

"Die Ressourcen der Polizei können nur einmal vergeben werden", betonte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Der Wach- und Wechseldienst sei durch die aktuelle Lage schon sehr belastet. Im Durchschnitt seien derzeit 105 Streifenwagen-Besatzungen täglich im Land unterwegs, 19 weniger als angestrebt. Auswirkungen auf Geschwindigkeitskontrollen und die Überwachung des Güterverkehrs hat dies aber Mörke zufolge nicht.

Neuer Superblitzer auf der A 13

Raserei ist laut Statistik nach wie vor Unfallursache Nummer eins; mehr als jeder zweite tödliche Verkehrsunfall lasse sich darauf zurückführen, so die Polizei. Der Polizeichef kündigte in diesem Zusammenhang neue stationäre "Superblitzer" auf den Autobahnen 10, 11 und 13 an. "Hierdurch können unsere mobilen Teams weiter in die Fläche gehen", so Mörke. Auch Alkohol am Steuer, zu geringer Abstand und Verletzung der Vorfahrtregelung sorgen in Brandenburg regelmäßig für Unfälle. Die Zahl der Toten bei Alkoholunfällen erhöhte sich um sieben auf 17.

Verkehrsministerin Schneider bekräftigte, sie halte an dem Ziel fest, bis zum Jahr 2024 die Zahl der Verkehrstoten auf maximal 100 zu begrenzen. Das gehe aber nur über Prävention. Außerdem begrüßte sie den Vorstoß der Bundesregierung, Kommunen künftig leichter Tempo-30-Zonen vor Schulen einrichten zu lassen. Schneider plädierte zudem vor Schulen für "Elternhaltestellen", wo sie gefahrlos ihre Kinder absetzen könnten.