Mit dem symbolisch gemeinten Geschenk hatten die Genossen auf ihrem Landesparteitag am Wochenende mehr Spaß als erwartet. Der ungelenke Zickzack-Kurs des Radlers Porsch brachte den Hotelsaal erstmals an diesem Tag so richtig zum Lachen. Denn eigentlich herrschte Untergangsstimmung angesichts der dramatischen Krise der ungeliebten Berliner Führungskader, die die Partei in ihrer Existenz bedroht. Manche Delegierte schienen den Tränen nah. „Ein Neuanfang ist unsere letzte Chance“ , sagten viele Redner von Noch-Parteichefin Gabi Zimmer über Landeschefin Ernst bis hin zu Querdenker André Brie.
Quasi zum Trost und als Selbstvergewisserung kürten die Delegierten Peter Porsch mit klarer Mehrheit zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 19. September 2004. Er soll die absolute Mehrheit der CDU unter Georg Milbradt brechen und als Ministerpräsident bereit stehen. Dafür bekam er 85,7 Prozent der 133 Delegiertenstimmen - so viel wie nie zuvor in seiner früheren Zeit als Landeschef. Die Not schweißt zusammen.

Geharnischte Kritik an Regierung
Der Fraktionschef steht damit als erster Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten fest. Die CDU will Milbradt nominieren, die SPD ist völlig unschlüssig. Der 58-jährige gebürtige Wiener hatte in seiner 65-minütigen Bewerbungsrede die Landesregierung mit geharnischter Kritik überzogen. Der Blick aufs Olympische Feuer werde missbraucht, um von Stagnation und Phantasielosigkeit abzulenken und über dem Gigantischen das Alltägliche zu vergessen.
Nach 13 Jahren müsse die PDS die „fast lückenlose Ausbreitung schwarzer Macht und deren Missbrauch“ sowie die „schwarze Misere“ beenden. Porsch: „Für eine privilegierte, königlich- sächsische Opposition sollten wir uns zu schade sein.“ Die Delegierten dankten ihm die Rede mit langem Beifall. Doch auch wenn die Sachsen-PDS sich wesentlich einmütiger zeigt als der Kopf der Bundespartei, mahnte Ernst die Genossen zu Reformen: „Wir dürfen nicht so tun, als wären wir die bessere PDS.“ Auch in Sachsen, dem mit 18 000 Mitgliedern größten Landesverband, dürfe es kein „Weiter so!“ geben.
Ungewohnt deutlich machte sich Ernst Luft: „Ich kann es nicht mehr ertragen, dass die PDS als Konglomerat einer Interessengemeinschaft egozentrischer Selbstdarsteller erscheint. Intrigenwirtschaft, Machogehabe, Demütigung und Erniedrigung haben nichts in der PDS zu suchen.“ Ernst sieht die Sozialisten am Scheideweg: „Alternative Reformkraft und Nostalgieverein„“

Erneute Bewerbung abgelehnt
Der bisherige Bundesvize Porsch lehnt eine erneute Bewerbung für den Berliner Reigen indes ab. „Meine Spitzenkandidatur in Sachsen hat auch ihren Wert für die Partei.“ Zimmer nahm indes die alten Granden Gregor Gysi und Lothar Bisky in die Pflicht. Sie hätten ihren Anteil an der Krise und trügen nun Mitverantwortung. Bisky also als Vorsitzender“ „Ich weiß nicht, ob er die Rettung ist.“ Zimmer fürchtet das baldige Aus ihrer Partei. Auf die Frage, ob die Bundestagswahl 2006 der letzte Prüfstein für deren Fortbestand ist, sagte sie: „Wenn wir bis dahin kommen.“