Kein Wunder, dass die 48 Jahre alte Spitzendiplomatin als neue Außenministerin gehandelt wird. Doch die Vertraute von Präsident Barack Obama hat auch viele Schwächen.

Rice und Obama teilen ähnliche Erfahrungen. Beide haben sich als Schwarze im weiß geprägten Establishment bis ganz nach oben gearbeitet. Dabei wuchsen sie privilegiert auf: Obama bei seiner weißen Mutter und deren Eltern, Rice als Tochter eines Professors, der seinen Kindern früh ans Herz legte, nie die Hautfarbe als Entschuldigung zu nehmen, nur zweite zu sein. Rice war selten zweite, ob im Sport, an der edlen Stanford- und 1986 an der noch edleren Oxford-Universität - mit dem hochbegehrten Rhodes-Stipendium - wie 18 Jahre vor ihr Bill Clinton. Dort wurde sie zur Afrikaexpertin.

Die Konflikte in dem Erdteil bescherten ihr als Mitarbeiterin Clintons 1994 aber auch eine ihrer größten Schwierigkeiten: Aus politischer Taktik empfahl sie, beim Völkermord in Ruanda nicht einzugreifen. Später schwor sie sich, in einem ähnlichen Fall zu handeln. Dies erklärt, mit welcher Vehemenz Rice in der Syrienkrise verhandelt.

Während der Präsidentschaft von George W. Bush arbeitete sie in verschiedenen "Denkfabriken", beriet aber auch 2004 Bushs (erfolglosen) Herausforderer John Kerry. Als sie gut vier Jahre später von Obama zur UN-Botschafterin berufen wurde, gab es einhellig Lob. Rice gilt als Arbeitstier, aber auch als schwierig. Wenn sie nicht weiter komme, könne sie schnell "giftig" werden. Zudem sei sie eher Kämpferin als Moderatorin. Die "Washington Post" lobte Rice vor der Wahl als "charmant, bodenständig, humorvoll und stolze Mutter".

I nzwischen klingt das anders: Rice sei "ein höchst undiplomatischer Diplomat". Im Sicherheitsrat der 15 Nationen wird sie auch mal "Bulldozer" genann t.