Die Abhöraktivitäten des US-Geimdienstes NSA wurden nach Angaben des IT-Spezialisten Edward Snowden auch von deutschen Behörden gedeckt. Die NSA-Leute steckten "unter einer Decke mit den Deutschen", sagte Snowden in einem per E-Mail geführten Interview, das der "Spiegel" jetzt veröffentlichte. Der US-Chiffrier-Experte Jacob Appelbaum und die Dokumentarfilmerin Laura Poitras hatten ihre Fragen in verschlüsselten E-Mails gestellt, kurz bevor Snowden Anfang Juni als Whistleblower weltweit bekannt wurde.

Die Zusammenarbeit sei so organisiert worden, dass Behörden anderer Länder "ihr politisches Führungspersonal vor dem Backlash schützen" konnten, berichtete der frühere NSA-Mitarbeiter. "Wir warnen die anderen, wenn jemand, den wir packen wollen, einen ihrer Flughäfen benutzt - und die liefern ihn uns dann aus", schilderte er das gängige Vorgehen, wenn auf Grundlage einer Ausspähung ein Verdächtiger festgenommen werden sollte. "Die anderen Behörden fragen uns nicht, woher wir die Hinweise haben, und wir fragen sie nach nichts." So müssten auch Politiker keine Verantwortung übernehmen, falls herauskommen sollte, wie "massiv die Privatsphäre von Menschen missachtet wird".

Nach "Spiegel"-Recherchen ist die Zusammenarbeit zwischen der NSA und dem Bundesnachrichtendienst (BND) intensiver als bislang bekannt. So habe die NSA die Analyse-Werkzeuge für den Lauschangriff des BND auf ausländische Datenströme geliefert, die durch Deutschland führen.

Unterdessen kann Snowden Hoffnung schöpfen. Venezuela, Nicaragua und Bolivien haben dem seit zwei Wochen auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo festsitzenden 30-Jährigen Asyl angeboten.

Indes erschüttert eine Geheimdienst-Affäre Luxemburg: Die Regierungskoalition droht daran zu zerbrechen. Offen wird über einen Rücktritt von Regierungschef Juncker geredet - und von Neuwahlen. Hintergrund Seite 2