Die Spendenaktion zur Sanierung und Erweiterung des Geläuts der Leipziger Nikolaikirche von drei auf acht Glocken ist erfolgreich beendet worden. In Zusammenarbeit mit der Sparkasse Leipzig und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung seien insgesamt rund 410 000 Euro zusammengekommen, sagte Nikolaikirchen-Pfarrer Bernhard Stief am Montag.

Die Spenden von Privatleuten, Unternehmern und Vereinen beliefen sich demnach auf insgesamt gut 138.000 Euro. Gemäß der Aktion „Aus 1 mach 3“ gaben Stiftung und Sparkasse pro gespendetem Euro bis zu der Summe von 136.000 Euro jeweils zwei weitere Euro hinzu. Stief dankte allen Spendern aus Leipzig, Deutschland und darüber hinaus. „Dass wir das innerhalb eines reichlichen Jahres schaffen, war kaum zu erwarten“, betonte er.

Das Projekt unter der Schirmherrschaft von Alt-Bundespräsident Joachim Gauck sieht unter anderem den Guss sechs neuer Glocken vor, darunter den der großen „Osanna“, die 1917 verloren gegangen war. Von den bisher drei Glocken werden demnach zwei saniert und wieder eingehängt. Die dritte Glocke wird laut Stief klanglich nicht mehr in das neue Geläut passen und soll eine neue Heimat bekommen. Weiter ist geplant, die zwei Glockenstühle zu sanieren und teilweise neu zu errichten, wie es weiter hieß.

Die Gesamtkosten für die Arbeiten belaufen sich demnach auf rund 600 000 Euro. Neben den privaten Spenden gaben die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens 60.000 Euro und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 25 000 Euro dazu. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Leipzig, Harald Langenfeld, würdigte das große bürgerschaftliche Engagement der insgesamt 314 Spender. Die Aktion sei auch ein Wagnis gewesen, betonte er.

Die Arbeiten beginnen den Angaben nach Mitte Februar, voraussichtlich Ende März werden die Glocken den Turm verlassen. Zur Weihe der neuen Glocken sind am letzten Juni-Wochenende unter anderem ein Festumzug und mehrere Gottesdienste geplant. Laut Stief sollen die Glocken vom 28. Juni an für zwei Tage auf dem Nikolaikirchhof stehen und der Bevölkerung zugänglich sein. Der Glockenaufzug soll am 30. Juni erfolgen.

Im Juli und August werden den Angaben nach die neue Antriebstechnik und die Steuerung der acht Glocken installiert. Es sei ein Puffer von rund sechs Wochen eingeplant worden, hieß es weiter. Erstmals planmäßig läuten sollen die Glocken dann nach einzelnen Probeläufen zum Friedensgebet anlässlich des 30. Jahrestags der entscheidenden Leipziger Montagsdemonstration gegen das DDR-Regime vom 9. Oktober 1989. In der Zeit ohne Glocken werde der kirchliche Posaunenchor regelmäßig vom Turm herunter musizieren, hieß es weiter.

Der Geschäftsführer der Sparkassenstiftung, Friedrich-Wilhelm von Rauch, bezeichnete die Nikolaikirche als einen „Ort ganz besonderen Nachdenkens“, als „Ort von größter Freude“ und von „singulärer Bedeutung“ für die deutsche Geschichte. Es sei daher „beinahe eine Ehre“ für die Stiftung, „dass wir hier mitmachen können“, erklärte er.

Von der Nikolaikirche aus waren am 9. Oktober 1989 mehr als 70 000 Menschen über den Innenstadtring gezogen, um friedlich gegen die DDR-Führung zu protestieren. Das Ereignis gilt als wichtige Wegmarke der friedlichen Revolution; wenige Wochen später fiel die Mauer.