Nachdem die RUNDSCHAU am Sonnabend über die kriminelle Vergangenheit des Projektentwicklers Friedhelm Brandhorst (46) berichtet hatte, haben sich auch andere Zeitungen mit dem umtriebigen Geschäftsmann befasst, der erst im Juni aus dem offenen Vollzug einer niedersächsischen Justizvollzugsanstalt entlassen worden war.

Brandhorst hatte dem Spree-Neiße-Kreis eine Vollmacht der Stührenberg Holding vorgelegt und auf dieser Basis einen Kaufvertrag für den Flugplatz Drewitz unterschrieben. Kaufpreis: 2,05 Millionen Euro, zahlbar bis 1. Oktober.
Das in Bielefeld erscheinende "Westfalen-Blatt" berichtete am Dienstag, dass der Projektentwickler Brandhorst auch vom Geschäftsführer der Stührenberg Holding, Dieter Stührenberg (69), bereits vor einigen Jahren bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen Betrugs und Unterschlagung angezeigt worden sei. Die Staatsanwaltschaft aber habe das Verfahren im Jahr 2003 eingestellt, schreibt die Zeitung.
Tatsächlich verurteilt wurde Brandhorst dann erst im Jahr 2006 wegen Betrugs in Millionenhöhe zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis, wie die Oldenburger Staatsanwaltschaft bestätigt. In dem Bielefelder Zeitungsbericht wird behauptet, Stührenberg habe Brandhorst zur Wiedergutmachung seines damals angerichteten Schadens inzwischen auf freiberuflicher Basis jetzt wieder beschäftigt. Das "Westfalen-Blatt" beruft sich bei diesen Darstellungen auf ein Telefongespräch mit Dieter Stührenberg. Das ist bemerkenswert, weil der Geschäftsführer der Stührenberg Holding bisher weder für die RUNDSCHAU noch für andere Zeitungen persönlich oder schriftlich erreichbar war.

Auch die Flugplatzgesellschafter in Drewitz haben Stührenberg selbst noch nicht zu Gesicht bekommen. Erst am Montag scheiterte auch der Versuch eines Reporters der "Märkischen Allgemeinen" aus Potsdam, mit dem 69-jährigen Mann am Telefon ins Gespräch zu kommen.
In dem Bericht aus Bielefeld heißt es weiter, dass die Stührenberg Holding auf dem Flugplatz in der Lausitz nicht nur Flugzeuge warten und instandsetzen, sondern Passagier- und Transportmaschinen auch verschrotten will. Die Verschrottung von Flugzeugen ist ein ganz neuer Aspekt im Zusammenhang mit Drewitz. Bei seiner ersten Pressekonferenz hatte Friedhelm Brandhorst im Drewitzer Tower zunächst nur von der Wartung und Instandsetzung von Passagierflugzeugen gesprochen. Nachdem Luftfahrtexperten solche Pläne für die Lausitz in der RUNDSCHAU öffentlich als "Quatsch" und "lächerlich" bezeichnet hatten, schwenkte Brandhorst um. Er sprach dann vor wenigen Tagen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa über den Umbau von Passagier- zu Frachtmaschinen. Die Verschrottung von Flugzeugen ist inzwischen nun die dritte Vision, die die Stührenberg Holding für den Lausitzer Flugplatz entwickelt haben will.

Egal aber, von welchem der zahlreichen Konzepte der Projektentwickler Friedhelm Brandhorst gerade spricht, die geplanten Investitionssummen liegen stets bei rund 60 Millionen Euro. Und obwohl es sich um sehr unterschiedliche Konzepte handelt, will Brandhorst immer rund 100 Arbeitsplätze schaffen. Ob das Zufall, geniale Planung oder auch einfach nur Gerede ist, lässt sich bisher aber nicht sagen.
Wenig prüfbare Substanz haben bisher auch die Pläne, die Friedhelm Brandhorst für einen ehemaligen Militärflugplatz in Nordrhein-Westfalen Agenturjournalisten in den Block diktiert hatte. Die "Münstersche Zeitung" zitierte gestern den Bürgermeister der Gemeinde Hörstel, die an den Flugplatz Rheine grenzt: "Ich habe mit Brandhorst weder telefoniert noch einen Termin gehabt", wundert sich da Bürgermeister Heinz Hüppe. Es habe lediglich eine Terminanfrage der Stührenberg Holding gegeben. Dieser Termin sei aber gestrichen worden. Mehr zum Flughafen Drewitz im Internet unter: www.lr-online.de/drewitz