Präsent - zumindest als Statue: Iraks Diktator Saddam Hussein.Tatsächlich ist Saddam Hussein noch allgegenwärtig. An fast jeder Straßenecke in Bagdad und im ganzen Land blickt der irakische Machthaber stolz von großformatigen Porträts. Ob als heroischer Reiter mit Pfeil und Bogen oder in moderner olivgrünen Uniform, Washingtons Intimfeind mimt stets den Unbesiegbaren. Doch die tausendfache Verbreitung seines Konterfeis durch Fernsehen und Zeitungen macht Saddam Hussein nicht fassbarer. Im Gegenteil: Seit Beginn des Krieges haben Gerüchte über ihn Hochkonjunktur. Ist Saddam Hussein überhaupt noch am Leben und wenn ja, wo hat er sich versteckt„ Die westlichen Geheimdienste gestehen offen ein, dass sie derzeit im Dunkeln tappen. Unmittelbar nach den ersten Bomben auf Bagdad in der Nacht zum Donnerstag wandte sich Saddam Hussein in einer Fernsehansprache an die irakische Nation. Darin rief der mit einer großen Brille bewehrte, müde wirkende Präsident seine Landsleu te zum Widerstand auf. Sogleich kamen die ersten Spekulationen über Zeitpunkt und Ort der Aufnahme auf. Hatte Saddam Hussein wirklich nach den Luftangriffen gesprochen, war er also noch am Leben“ Oder war das Video schon vor Kriegsbeginn aufgenommen worden, um die Weltöffentlichkeit zu täuschen? Dies klärt jedoch nicht die Frage nach der Identität des schnauzbärtigen Sprechers. Schließlich ist der irakische Machthaber für seine grenzenlose Angst vor Anschlägen auf sein Leben bekannt, vor denen er sich durch alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen zu schützen sucht. Eine davon ist das Vorschicken eines seiner zahlreichen Doppelgänger, wenn es brenzlig werden könnte. Nach ersten Analysen erklärten zahlreiche Experten den Saddam Hussein aus der Fernsehrede allerdings für echt. Auch die US-Geheimdienste gehen davon aus, dass es sich wirklich um den irakischen Präsidenten h andelte. Dies tat jedoch weiteren Gerüchten keinen Abbruch, wonach der Machthaber bei den Angriffen auf einen Gebäudekomplex im Süden Bagdads, die gezielt ihm und seiner engsten Entourage galten, verletzt wurde. Der US-Fernsehsender ABC etwa berichtete unter Berufung auf Geheimdienste, Augenzeugen hätten gesehen, wie Saddam Hussein nach den Luftangriffen am frühen Donnerstagmorgen auf einer Krankentrage und mit einer Sauerstoffmaske aus dem Gebäude gebracht worden sei. Die Geheimdienste hätten zudem beobachtet, dass die Kommunikation zwischen dem Präsidentenbüro und den wichtigsten Militär- und Regierungsvertretern merklich abgenommen habe. Von irakischer Seite wurde dagegen mitgeteilt, Saddam Hussein und seine Familie hätten die Bombardements überlebt. Der Präsident sei "quicklebendig", betonte sein Stellvertreter Taha Jassin Ramadan, der selbst Gegenstand von Gerü chten über sein Ableben ist. Angesichts dieser widersprüchlichen Informationen beschlossen die US-Strategen, auf Nummer Sicher zu gehen: Sie starteten ihre Großoffensive. Sollte Saddam bei den ersten Bombardements nicht getötet worden seien, so hoffen die US-Militärs nun, dass er spätestens im Laufe dieser Offensive getroffen wird.