Für einen neuen Ansatz bei den Ermittlungen im Fall des getöteten Wolfs - dem Tier war danach auch noch der Kopf abgetrennt worden - hat der Hirschfelder Ortsbürgermeister Bernd Trobisch gesorgt. Er habe bei einer Geburtstagsfeier gehört, wie ein Mann aus dem Ort geäußert habe, dass ein Wolf in einen Geflügelstall im Dorf eingedrungen sei und der Inhaber dann den Wolf erschossen habe. Gegenüber der RUNDSCHAU bestätigt der Bürgermeister, dass er dazu von den Beamten des brandenburgischen Landeskriminalamtes (LKA) vorgeladen und befragt worden sei. Er selber zweifele an dieser Version, habe sie auch nur von einer Person gehört.

Und Bernd Trobisch berichtet von einem weiteren Vorfall in seinem Dorf. Am Silvesterabend sei auf die Scheibe eines Wohnhauses geschossen worden, als die Inhaber im Nachbarort zur Silvesterfeier gewesen seien. Im Ort würde, so Trobisch, sogar die Behauptung umgehen, dass ein Maschinengewehr vom Typ Kalaschnikow zum Einsatz gekommen sei. Die Besitzerin des Wohnhauses bestätigt den Vorfall. Demnach ist das Geschoss durch die Scheibe und die Gardine gefeuert worden und schließlich in der gegenüberliegenden Wand eingedrungen. Zur Art der dabei verwendeten Waffe könne sie keine Angaben machen. "Das herauszubekommen, ist Sache der Polizei", sagt sie und bittet darum, namentlich auch nicht genannt zu werden.

Dietmar Keck, Sprecher des brandenburgischen Polizeipräsidiums, erklärt, dass den Beamten beide Vorfälle bekannt seien und den Hinweisen auch nachgegangen werde. Näher wolle er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern, um Ermittlungen nicht zu gefährden. Schon in einem Gespräch vorher hatte er "von einem Puzzle mit vielen Teilen" gesprochen, das aneinandergelegt werden müsse, um zu Ergebnissen zu kommen.

Und Dietmar Keck bestätigt, dass die Ermittlungsgruppe in der Polizeiwache im benachbarten Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) ein Büro bezogen hat, um von dort aus ortsnah ermitteln zu können. Dorthin würden unter anderem auch Jäger zu Befragungen einbestellt. Gleichzeitig bitte die Polizei dabei auf freiwilliger Basis auch um die Abgabe von DNA-Proben.

"Schließlich ist dem Wolf der Kopf abgetrennt worden", sagt Dietmar Keck und lässt offen, ob dadurch verwertbare Spuren hinterlassen wurden. Wenn ja, können diese mit den DNA-Proben verglichen werden.

Die Munitionsspuren, die am Kadaver des aufgefundenen Wolfes gefunden wurden, sind ein weiterer Anhaltspunkt der Ermittlungen. Sie könnten Aufschluss über den oder die Täter geben. Die Ermittler werten die Spuren derzeit aus und erhoffen sich Hinweise auf die Art der Waffe, wie die Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft, Petra Hertwig, in einer vorausgegangenen Pressemitteilung erklärte. Die Waffe könne wiederum eine Spur zu dem oder den Tätern sein. Der Tierkadaver war für die Untersuchungen geöffnet worden.

In der Jägerschaft sorgt der noch immer nicht aufgeklärte Fall nach wie vor für Diskussionen. "Solange kein Ergebnis vorliegt, sehen sich die Jäger unter Generalverdacht gestellt", beschreibt Harald Müller, der in Hirschfeld ein Geschäft für Waffen und Jagdausstattung betreibt, die Gemütslage.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Jäger aus der Region das Tier getötet, den Kopf abgetrennt und es dann auch noch an Ort und Stelle liegen gelassen hat", hat Jörg Kohls, der Vorsitzende des Jagdverbandes Bad Liebenwerda, in einer ersten Stellungnahme erklärt und seine Position so begründet: "Derjenige müsse schließlich mit dem Entzug seiner Jagderlaubnis und einer empfindlichen Strafe rechnen." In der Jägerschaft sei es deshalb noch immer vorherrschende Überzeugung, dass das Tier dort abgelegt worden sei.

Gestützt würden die Vermutungen auch durch Aussagen, wonach es eine längere Schleif- beziehungsweise Trittspur zum Ablageort des Tieres gegeben haben soll. Im weiteren direkten Umfeld sollen auch keine Wolfsspuren gefunden worden sein. Auch zu diesen Aussagen will sich der Sprecher des brandenburgischen Landeskriminalamtes momentan nicht äußern.

Im August des vergangenen Jahres war bereits ein Wolf bei Lieberose (Dahme-Spreewald) erschossen und geköpft worden. Das Landeskriminalamt prüft einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen. Es wird wegen des Verstoßes gegen das Artenschutzgesetz ermittelt.

Zuletzt lebten in Brandenburg nach Angaben des Landesumweltamtes etwa 14 Wolfsrudel und weitere Einzeltiere. Sie kommen vor allem im Süden des Landes vor.