Nach Jahre langer erfolgreicher Zusammenarbeit wird plötzlich der Träger des Projektes, die Supra, eine Gesellschaft für berufliche Aus- und Weiterbildung in Cottbus ausgetauscht. Kontrolleure der Lasa forsten jetzt die Bücher der Supra durch und prüfen die Verwendung von hunderttausenden Euro Fördergeldern. Während die Öffentlichkeit sonst über jede Neuigkeit bei der „Garage“ informiert wird, herrscht diesmal Schweigen. RUNDSCHAU-Nachfragen bei der Lasa, bei Vattenfall Europe Mining & Generation AG, Hauptinitiator der „Garage Lausitz“ , und bei der Supra, wurden stets mit der Gegenfrage gekontert: „Woher wissen Sie das„“
Offensichtlich sollten der Austausch derjenigen, die das Projekt in der Praxis verwirklichten, ohne Aufsehen über die Bühne gehen. Kein Wunder, denn die „Garage Lausitz“ mit solchen potenten Initiatoren wie dem Energiekonzern Vattenfall, der BASF Schwarzheide und dem Energieversorger enviaM im Rücken ist ein bundesweites Vorzeigeobjekt. Immerhin wurden in den mehr als drei „Garage“ -Jahren 132 junge Arbeitslose bis 27 Jahre auf dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit begleitet. 91 haben ein Unternehmen gegründet. Nichts deutete auf Unstimmigkeiten hin.

Pendant in Ostsachsen
Im Gegenteil. Die „Garage Lausitz“ ist wegen ihres Erfolges nach Ost-
Sachsen expandiert. Vattenfall-Personalvorstand Dr. Hermann Borghorst, erklärte noch im Mai dieses Jahres in der „Garage Ostsachsen“ : „Die Erfahrungen aus Brandenburg haben gezeigt, dass professionelle Begleitung aus guten Ideen Geschäfte machen kann.“ Und weiter: „Wie in Cottbus stehen Gabriele Raasch und ihr Team der Supra GbR den Gründern mit großem Engagement zur Seite.“
Nun ist dieser „hervorragende Projektträger“ still und heimlich aufs Abstellgleis geschoben worden. Nach RUNDSCHAU-Recherchen geschah das bereits am 17. Juli. Übernommen hat die Verantwortung eine Puls Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Diese hatte sich just an diesem 17. Juli aus dem gleichnamigen, gemeinnützigen Verein der Existenzgründerwerkstatt gebildet.
Die Puls GbR sind fünf junge Existenzgründer um Marcel Linge, die aus der „Garage Lausitz“ hervorgegangen sind. „Vattenfall, die Lasa und die Supra haben gefragt, ob der Puls-Verein das Projekt übernehmen kann. Das haben wir zunächst abgelehnt“ , erinnert sich Linge. Danach habe die Lasa noch einmal gebeten, das zu machen. „Weil wir die ,Garage' kennen, haben wir dann doch zugestimmt und dafür die GbR gegründet“ , so Linge weiter.

Neuer Name
Heute sollen die neuen Geschäftsräume der ehemaligen „Garage Lausitz“ , die jetzt „Die Gruenderwerkstatt“ heißt, in Cottbus eingeweiht werden. „Die Rechte zur Verwendung des alten Namens sind noch nicht geklärt“ , so Marcel Linge. Unklar ist nach seiner Auskunft auch, wer die Akteure der „Gruenderwerkstatt“ sein werden. Die jetzigen Absolventen der ausgeparkten Garage haben sich laut Linge noch nicht entschieden, ob sie den neuen Startplatz für ihre angestrebte Unternehmensgründung akzeptieren werden. „Dann suchen wir uns eben andere Interessenten unter jungen Arbeitslosen“ , so Linge.
Abgeschaltet ist inzwischen der Internet-Auftritt der „Garage Lausitz“ . Der wurde bisher von Linge und seiner Medienagentur „valesco“ betreut. „Die Supra hat den Wartungsvertrag gekündigt. Umsonst kann ich die Homepage nicht pflegen“ , sagt der Jungunternehmer. Für Supra-Chefin Gabriele Raasch ist das eindeutig Rechtsbruch. „Die jungen Leute können nicht einfach ihr Logo auf unsere Homepage stellen und sie später ganz abschalten. Sie gehört schließlich der Supra.“
Nach Darstellung der Lasa, von der der größte Teil der 520 000 Euro für die zweite Staffel der Garage, die seit März 2005 läuft und bis Ende Februar 2007 konzipiert ist, ist alles in bestem Einvernehmen gelaufen. „Der alte Träger hat geäußert, dass er mit dem Projekt überfordert ist. Deshalb haben wir die Puls GbR damit beauftragt“ , erklärt Lasa-Geschäftsführer Kurt Beckers die Neubesetzung der Schaltstelle.
Ausgeschrieben wurde die Projektdurchführung mit einem Volumen, das noch immer im sechsstelligen Bereich liegt, nicht. „Dafür gab es in der Kürze der Zeit keine Möglichkeit“ , begründet Beckers die freihändige Vergabe des Auftrags.

Vattenfall zurückhaltend
War es wirklich nur die Überforderung des bisherigen „Zugpferdes Supra“ , die ein neues Gespann erforderlich macht“ War es nur, weil die Supra den Umzug der Firma aus einer ehemaligen Tuchfabrik ins alte E-Werk, also innerhalb von Cottbus, der Lasa nicht gemeldet und so gegen die Auskunftspflicht verstoßen hat? Damit versucht Supra-Mitarbeiterin Claudia Rosenstengel, die Tochter von Firmenchefin Raasch, das „bisschen Ärger mit der Lasa“ zu erklären. Beckers bestätigt nur, dass die Lasa „die ordnungsgemäße Ausgabe von Fördermitteln“ beim bisherigen Projektträger prüft. Nach RUNDSCHAU-Informationen soll es Hinweise darauf geben, dass die Supra Fördergelder aus unterschiedlichen Töpfen vermischt haben könnte, um kurzfristige Finanzierungslücken zu schließen. Dazu äußert sich Beckers nicht. „Das ist ein schwebendes Verfahren. Wir sind noch mitten in der Prüfung“ , so seine Begründung.
Zurückhaltend reagiert die Vattenfall. Unternehmenssprecher Markus Füller: „Der Beschäftigungsinitiative ,Netzwerk Lausitz' - und damit auch Vattenfall - ist bekannt, dass es Prüfungen der Lasa gegenüber dem Projektträger der Garage Lausitz, der Beratungsgesellschaft Supra, gibt. Eine Wertung der Prüfung ist zurzeit noch nicht möglich.“

Wirtschaftlich schwierig
Supra-Geschäftsführerin Gabriele Raasch versichert, dass sie das Geld von der Lasa für die Projekte „Garage“ und „Lotsendienst“ - ein kostenloses individuelles Beratungsprogramm für Arbeitslose, Arbeitnehmer, Studenten und Sozialhilfeempfänger, die sich selbstständig machen wollen - „stets fördergerecht eingesetzt“ habe. Die „Garage“ sei in der Außendarstellung das liebste Kind der Supra gewesen, gibt sie zu, fügt aber hinzu: „In der Wirtschaftlichkeit nicht“ . Die Supra habe daran kaum etwas verdient, wie das allgemein bei großen Fördermaßnahmen des Landes der Fall sei. „Wir waren an der Schmerzgrenze“ , räumt Gabriele Raasch ein. Deshalb habe sie dem Trägerwechsel auch zugestimmt. Dass der von der Lasa offensichtlich forciert wurde, stellt Raasch nicht in Abrede. Sie gibt auch zu, dass ihre Firma inzwischen aus allen Projekten, die über die Lasa gefördert werden, ausgeschieden ist.