Noch zu Beginn des Jahres hatte die Bundesregierung im Rentenversicherungsbericht für 2007 und 2008 weitere Nullrunden angedeutet. Doch die außerordentlich positive wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Monate lässt seit Tagen in Berlin die Spekulationen ins Kraut schießen, Mitte kommenden Jahres könnte es erstmals seit langem wieder eine leichte Erhöhung der Rentenbezüge geben.
"Derartige Spekulationen sind absolut unverantwortlich", sagte gestern der Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund, Dirk von der Heide, gegenüber der RUNDSCHAU. Hinter dieser Dachorganisation verbirgt sich der Zusammenschluss des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger mit der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. "Wir wissen im Moment überhaupt noch nicht genug über die tatsächliche Lohnentwicklung in diesem Jahr, um derartige Spekulationen für 2007 anzustellen, um damit Rentnerinnen und Rentnern Hoffnungen zu machen", so Dirk von der Heide. "Wir können nicht sagen, dass wir dramatisch positive Entwicklungen am Arbeitsmarkt, in der Lohnentwicklung, bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen sehen, die jetzt Anlass geben zu solch positiven Spekulationen über Rentensteigerungen."

Lohnsumme muss kräftig zulegen
Tatsache ist: Die Wirtschaft boomt, die Zahl der Arbeitslosen sinkt, die der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer steigt ebenfalls erstmals seit Jahren wieder an. Alles wichtige Faktoren für die Rentenversicherungen. Die Chance auf eine Rentenerhöhung zum nächsten Anpassungsstichtag, dem 1. Juli 2007, ist umso größer, je stärker die Lohnsumme pro Beschäftigten steigt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt inzwischen ein Gesamtplus von 1,8 Prozent voraus. Andere Wirtschaftsexperten sehen ein Lohnsummenwachstum von 1,6 bis zwei Prozent. Spätestens jedoch im April 2007 wird die endgültige Zahl vom Statistischen Bundesamt vorgelegt. Von der durchschnittlichen Gesamtlohnsumme muss aber dann zum einen der sogenannte Riester-Faktor abgezogen werden, der mit 0,6 Prozent angegeben wird. Zum anderen auch noch der Nachhaltigkeitsfaktor, der sich aus dem Verhältnis der Zahl der Beitragszahler und der Zahl der Rentner bestimmt. Für die Berechnung der Rente 2006 lag dieser Faktor bei minus 0,5.

Sozialverband fordert positives Signal
Würde man somit für 2006 ein Lohnsummenwachstum von 1,8 Prozent zugrunde legen, müssten davon 0,6 plus 0,5 Prozent abgezogen werden, vorausgesetzt die Werte von 2005 würden auch für dieses Jahr gelten. Nach dieser Berechnung bliebe somit Spielraum für eine Rentenerhöhung zum 1. Juli 2007 von 0,7 Prozent. Bei einer Rente von 1000 Euro würde ein Zehntel beispielsweise einen Zuschlag von einem Euro im Monat bedeuten.
Rentenpolitiker der Koalition äußerten sich abwartend über eine mögliche Rentenerhöhung. Der CDU-Rentenpolitiker Peter Weiß sagte in einem Zeitungsinterview, "wenn die Lohnzuwächse in diesem Jahr auch nach Abzug von Riester- und Nachhaltigkeits-Faktor ein kleines Plus für die Rentner zulassen, dann sollten wir dies auch zulassen". Ähnlich sieht das auch Klaus Brandner, der sozialpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Ulrike Mascher, Vizepräsidentin des Sozialverband VdK Deutschland, sagte dazu der RUNDSCHAU: ,,Auch eine geringe Rentenerhöhung wäre für 20 Millionen Rentner endlich mal ein positives Signal. Sie dürfen nicht länger von der guten wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt werden. Durch jahrelange Nullrunden, Gesundheitsreform und steigende Preise sind sie genug belastet." Dagegen dämpfte ein Sprecher von Sozialminis ter Franz Müntefering allzu optimistische Spekulationen. Jede Rentenerhöhung, und sei sie auch noch so klein, müsse "nachhaltig finanziert werden".