Von Daniel Roßbach

Bei Ausgrabungen haben Archäologen zum ersten Mal Überreste des legendären „Zeithainer Lustlagers“ gefunden. Diese Militärparade wurde wurde 1730 bei Riesa von einem großen Barockfest begleitet. Im Rahmen einer Pressekonferenz des Sächsischen Landesamts für Archäologie (LfA) wurden die Funde am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentiert.

„Die Funde mögen nicht toll aussehen“, erklärt Robert Ansorg, der Leiter der Grabungen: „Sie sind aber tatsächlich die ersten archäologischen Reste dieses berühmten Manövers.“ Obwohl die von aufwendigen Festivitäten begleitete Truppenschau auf einem großen Areal entlang der Elbe stattfand, habe man bisher keine Überreste davon gefunden.

„Die Quellen sagen, dass nachdem das Lager vorbei war, die Aufbauten den Bauern verkauft wurden“, sagt der Archäologe Ansorg über die Geschichte der Funde: „Weil die mit dem Schnitzwerk und den Zeltböden ihre Hütten beheizt haben, blieb da wahrscheinlich nichts übrig.“

LfA-Mitarbeiter graben nach Überresten vom Zeithainer Lustlager

Anlass für die archäologischen Arbeiten im sächsischen Glaubitz war die Erneuerung einer Ferngasleitung zwischen Unterreusen und Gröditz. Das Vorhaben, die alte Leitung von 1955 zu ersetzen, befindet sich aktuell im Planfeststellungsverfahren. Im sächsischen Teil der Leitung sollen die Baumaßnahmen 2020 stattfinden, im brandenburgischen zwischen Lauchhammer und Elsterwerda 2021. Gemäß dem sächsischen Denkmalschutzgesetz fallen archäologische Arbeiten im Rahmen von Bauvorhaben in die Zuständigkeit des Landes, nicht der bauenden Unternehmen.

Im Rahmen der Erneuerung der Ferngasleitung 12 arbeiten 30 Mitarbeiter des LfA an 20 Ausgrabungsstellen. „Begonnen haben wir mit den Untersuchungen im Oktober 2018“, sagte Yvonne Heine, die Projektleiterin der Ausgrabungen.

Zu ihren Funden in Glaubitz zählen Flaschen und Pfeifenstege, die an einem der Zeltplätze des Lagers entdeckt wurden. Außerdem wurden bei den Grabungen Urnengräber aus der Bronzezeit freigelegt. Die Überreste stammen aus der Zeit circa 800 v. Chr und damit der späteren Phase der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur.