Vor 91 000 Zuschauern im Nationalstadion sowie geschätzten vier Milliarden weltweit vor den Fernsehschirmen appellierte Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), an die Athleten: "Verhaltet Euch als Vorbild für die Welt und stellt Euch gegen Doping." An die Adresse der Gastgeber gewandt meinte der Belgier: "China hat lange davon geträumt, seine Türen zu öffnen. Heute ist dieser Traum wahr geworden. Glückwunsch Peking", rief er aus.
Vor dem Einzug der teilnehmenden Länder hatten rund 20 000 Mitwirkende den Zuschauern eine großartige Show geboten. Beginnend bei den friedensverheißenden Lehren des Konfuzius wurde auf einer symbolisierten Papierrolle Chinas Weg bis hin zur modernen Raumfahrt-Nation dargestellt. Klaviervirtuose Lang Lang begleitete ein fünfjähriges Mädchen auf dem Flügel, die britische Sängerin Sarah Brightman und Chinas Popidol Liu Huan sangen gemeinsam die Hymne der Spiele. Den Abschluss bildete ein Feuerwerk, bei dem 29 000 Böller und Raketen in den dunstigen Nachthimmel stiegen.
Erst gut 120 Minuten vor der Entzündung des olympischen Feuers war das Geheimnis um den letzten Fackelträger gelüftet worden. Li Ning, 1984 in Los Angeles mit dreimal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze in Turn-Wettbewerben dekoriert, wurde an einem Drahtseil hochgezogen und entfachte nach einer "Flugrunde" über dem Stadion in luftiger Höhe die Flamme.
Aber auch am Eröffnungstag der Spiele in Peking setzten sich die weltweiten Proteste gegen Menschenrechtsverstöße in China fort. Die Journalistenvereinigung "Reporter ohne Grenzen" demonstrierte gestern vor Chinas Botschaft in Berlin gegen eingeschränkte Meinungsfreiheit. Der Organisation gelang es zudem, kurzfristig einen Piratensender in Peking einzurichten, über den sich auch Dissidenten äußerten. In Nepal wurden gestern 1400 Exil-Ti beter bei Anti-Peking-Protesten nahe der chinesischen Botschaft festgenommen. Aktionen gab es auch in Paris, Brüssel, Ankara und Neu Delhi.
Wenige Stunden vor der Eröffnung bekam die Fluggesellschaft Air China in Tokio eine Bombendrohung per E-Mail. Vor der Auftakt-Gala verwandelte Chinas Regierung die 17-Millionen-Stadt Peking in eine Hochsicherheitszone. Hunderttausende Uniformierte säumten die Straßen, hinzu kamen zahllose Straßensperren und Kontrollpunkte. Mehr Bilder von der Eröffnungsfeier finden Sie unter:
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