René Reinert, Geschäftsführer der Reinert Logistic GmbH & Co KG in Schleife bei Weißwasser, schüttelt beim Thema Maut und Toll Collect nur den Kopf. „Was da gelaufen ist, ist nicht nachvollziehbar. Wir werden wegen jeder Kleinigkeit kontrolliert und müssen bei Verstößen bezahlen. Und da geht es um Milliarden, die einfach in den Sand gesetzt werden“ , schimpft er.
Reinert ist allerdings auch nicht unzufrieden, dass die Maut jetzt nicht kommt. Schließlich wären monatlich bis zu 150 000 Euro zusätzliche Kosten auf ihn und seine Kunden zugekommen. „Wir hatten im vergangenen Jahr eine gute Auftragslage, die sich möglicherweise mit der Gebühr verschlechtert hätte“ , sagt er. Dabei ist der Chef des Unternehmens mit 200 Fahrzeugen nicht generell gegen eine Maut. „Wer die Straßen benutzt, soll auch dafür bezahlen, aber in einer angemessenen Höhe“ , meint er. Es müsse ein System gefunden werden, das für die Unternehmen mit wenig Aufwand verbunden ist. „Das, was eingeführt werden sollte, war doch viel zu kompliziert“ , kritisiert Reinert.
Der Spediteur aus Sachsen fürchtet, schon jetzt auf einem Berg von Kosten sitzen zu bleiben. Rund 30 000 Euro hat er allein für den Einbau der Mauttechnik in etwa die Hälfte seiner Fahrzeuge bezahlt. Hinzu komme der Ausfall der Fahrzeuge während der Zeit in den Werkstätten. „Außerdem haben wir uns wochen- und monatelang den Kopf zerbrochen, mit Kunden verhandelt, Angebote geschrieben, um mit den Kosten hinzukommen“ , ärgert sich René Reinert über unnötige Arbeit. Völlig unklar sei gegenwärtig, wer für diese Verluste aufkomme.

Regress-Forderungen drohen
„Das wird noch ein Thema“ , ist sich Gerhard Ostwald, Geschäftsführer des Verbandes für Spedition und Logistik Berlin/Brandenburg, sicher. Schließlich habe der Einbau eines Gerätes in einen Lkw dem Transportunternehmer 300 Euro gekostet. Dass die Maut so nicht eingeführt werde, sei zwar gut für die Spediteure, die je Autobahnkilometer 12,4 Cent bezahlt hätten. „Der Imageschaden für den Technologiestandort Deutschland ist allerdings immens“ , schätzt Gerhard Ostwald ein.
Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) beziffert den Schaden, der durch den Einbau der womöglich nutzlosen Mautgeräte entstanden ist, auf 150 Millionen Euro. Die Spediteure wollen im Falle einer Insolvenz von Toll Collect notfalls beim Bund Regress fordern, kündigt BDK-Geschäftsführer Karlheinz Schmidt an. Bei den hinter dem Konsortium stehenden Konzernen Deutsche Telekom und DaimlerChrysler sei bei einer Pleite der Betreiber nichts zu holen. Schließlich müsste Toll Collect als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) nur mit ihrem eingezahlten Kapital haften.
Michael Wenzel von der gleichnamigen Umzugsspedition aus Cottbus gewinnt der Kündigung des Vertrages mit Toll Collect vor allem Gutes ab. Bei Umzügen wegen Arbeitsplatzwechsels aus der Region hätte er die Kosten auf seine Kunden umlegen müssen. „Die Arbeitsagentur, die solche Umzüge unterstützt, hätte ja nicht mehr dazugezahlt“ , sagt der Cottbuser Unternehmer.
Für Carsten Sarodnick, Spediteur aus Lauta bei Hoyerswerda, ist alles, was mit dem Maut-Desaster zu tun hat, schlicht und einfach „Humbug“ . Aus seiner Sicht hätte man bei der zeitbezogenen Gebühr von 6,50 Euro pro Tag für Lkw-Fahrten mit Hänger auf Autobahnen bleiben sollen, die in den Jahren zuvor verlangt worden waren. „Das hätte dem Staat Einnahmen gebracht. Jetzt hat er nur Verluste“ , so Sarodnick.

Zweifel an Vignetten-Einführung
Der BDL glaubt, dass die von Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe angekündigte Eurovignette in diesem Jahr nicht wieder eingeführt werden kann. Zudem seien die daraus zu erzielenden Einnahmen nur ein „Trostpflaster“ , schränkt BGL-Geschäftsführer Schmidt ein. Durch die finanziellen Ausfälle könnte kein einziges neues Infrastrukturprojekt begonnen werden. Für die Bauwirtschaft sei das eine Katastrophe.
Eine Befürchtung, die auch der sächsische Unternehmer René Reinert aus Schleife teilt. Für ihn, der auch Baustoffe transportiert, ist das eine düstere Aussicht.