Mangels einer Datenbasis sei der Regierung auf viele Fragen keine adäquate Beantwortung möglich gewesen.

Es gebe zum Thema verstreute Erkenntnisse aus Studien und Berichten, sagte der Dresdner Soziologe Martin Rudolph, der an der Analyse der Antwort der Landesregierung beteiligt war. Einen Armutsbericht für Kinder und Jugendliche in Sachsen aber gebe es nicht. Zudem würden Analysen durch einen hohen Aufwand beim Sammeln der Daten erschwert. „Niemand weiß, wo Untersuchungen durchgeführt werden, weil diese Informationen nirgendwo gesammelt werden“, betonte Rudolph. Als Konsequenz forderte die SPD-Fraktion die Einrichtung eines politisch unabhängigen „wissenschaftlichen Kompetenzzentrums“, vergleichbar mit dem Deutschen Jugendinstitut. Dieses Zentrum solle eine qualifizierte, kontinuierliche Sozialberichterstattung ermöglichen, basierend auf regional erhobenen Daten. Ein Entschließungsantrag solle in der kommenden Woche in den Landtag eingebracht werden.

Zudem kritisierte Dulig die Erkenntnisse aus der „Großen Anfrage“. In Sachsen sind demnach im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche armutsgefährdet: Im Freistaat lebe gut ein Viertel der Minderjährigen mit weniger als 60 Prozent des bundesweiten Durchschnittseinkommens, in ganz Deutschland 18,7 Prozent. Zudem sei jeder zweite Alleinerziehende in Sachsen armutsgefährdet, im Bundesdurchschnitt seien es 40,1 Prozent. Soziologe Rudolph konstatierte: „Erstmals haben wir hier Menschen, die sich über Jahre hinweg in dieser Situation eingerichtet haben und das an ihre Kinder weitergeben.“