Wenn an diesem Sonntag in Leipzig ein neuer Oberbürgermeister gewählt wird, kann Amtsinhaber Burkhard Jung von der SPD einigermaßen beruhigt auf das magische Datum schauen. Seine Chancen stehen gut, obwohl Leipzig einen Berg von Problemen vor sich herschiebt: Schulden, Skandale und der unrühmliche Titel "Armutshauptstadt".

Beobachter schätzen, dass der eloquente Jung (54) eine ernsthafte Konkurrenz nicht zu fürchten hat und das Rathaus, das seit der Wende sozialdemokratisch regiert wird, verteidigt. Dass er darauf Aussicht hat, verdankt er nicht zuletzt der Schwäche des CDU-Herausforderers.

Eher lahmer Wahlkampf

Und der Wahlkampf in der Stadt läuft eher mau. Nach einer Umfrage der "Leipziger Volkszeitung" lag Jung Anfang Januar bei 55 Prozent der Stimmen.

Auf rund halb soviel kam sein Herausforderer, der parteilose Horst Wawrzynski (60) für die CDU. Den Christdemokraten in Leipzig war es nicht gelungen, einen Kandidaten aus den eigenen Reihen in den Kampf um den OB-Posten zu schicken.

Mit Wawrzynski tritt der ehemalige Leipziger Polizeipräsident gegen Jung an. Außerdem sind Barbara Höll für die Linken, Felix Ekardt für die Grünen, René Hobusch für die FDP und Dirk Feiertag als Einzelbewerber im Rennen.

Auch nach dem Verlust der früheren CDU-Hochburg Stuttgart an die Grünen sieht Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer keinen Grund für Pessimismus. Er mag den Diskussionen, ob die CDU in Großstädten noch Wahlen gewinnen kann, nicht folgen. Kretschmer meint, die CDU kann das wohl und findet die Zahlen für Wawrzynski gar nicht so schlecht. "Wir stellen in allen großen sächsischen Städten die stärkste Fraktion in den Stadträten. Das heißt: Für uns gilt das nicht", sagt er.

Wawrzynski, in Leipzig bekannt für sein hartes Durchgreifen bei Krawallen im Szeneviertel am Connewitzer Kreuz und seine Kritik an der städtischen Drogenpolitik, betont: "Antreten tue ich auch für das Bürgerbündnis. Da ich parteilos bin und es auch bleibe, bin ich trotzdem der Union dankbar, dass sie mich nominiert hat. Ich glaube, dass mehr Menschen bereit sind, einen Kandidaten zu wählen, der keiner Parteilinie unterworfen ist."

Der amtierende OB Jung reklamiert für sich als Erfolge "eine sehr gute wirtschaftliche, arbeitsmarktpolitische und demografische Entwicklung". "Die Stadt ist in den letzten sieben Jahren um 35 000 Einwohner gewachsen, die Arbeitslosigkeit hat sich halbiert", sagt er.

"Leipzig ist eine Stadt geworden, die bei jungen Leuten absolut in ist und wir sind endlich wieder Industriestadt." Die Arbeitslosenquote liegt allerdings immer noch bei zehn Prozent. Und laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung lebt jeder Vierte in Leipzig in Armut. In der Halb-Millionen-Einwohner-Stadt, so räumt Jung ein, leben derzeit 18 000 Menschen, die voll arbeiten gehen und denen die Stadt die Miete zahlen muss.

Jung sieht dennoch den positiven Trend. Bei seinem Amtsantritt 2006 seien die Kosten für Unterkunft mit 170 Millionen der größte Posten im Jahres-Haushalt gewesen. Heute seien es mit 186 Millionen Euro die Kitas.

Etliche Baustellen

Wer nach dem Wahlabend auch das Zepter in die Hand nimmt, hat einige Baustellen zu bewältigen. Die Stadt sitzt auf einem Schuldenberg von mehr als 700 Millionen Euro. Der Skandal um vorschnell verkaufte herrenlose Häuser ist noch nicht endgültig aufgearbeitet. Und wie ein Damoklesschwert schwebt eine 300-Millionen-Euro-Forderung über der Stadt und ihren Wasserwerken KWL. Diese Summe fordern Banken, weil von früheren KWL-Geschäftsführern riskante Finanzwetten abgeschlossen wurden, die allesamt platzten. Dagegen prozessiert Leipzig vor dem High Court in London.

"Ich möchte in London den Prozess gewinnen", sagt Jung, wenn er auf eine mögliche zweite Amtszeit als OB hofft.